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Pegida verschreckt Touristen in Dresden

Auch die Ukraine-Krise sorgt für den ersten Rückgang seit Jahren. Mehr Geld soll künftig die Bilanz aufbessern.

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Von Sandro Rahrisch

Dresden. Fünf Jahre am Stück konnte Dresden immer neue Touristenrekorde erzielen, jetzt brechen die Zahlen ein: Zwischen Januar und April zählte die Tourismusmarketinggesellschaft fünf Prozent weniger Übernachtungen in Hotels und Pensionen, vor allem inländische Gäste sind weggeblieben. „Die Gründe reichen von fehlenden Großkongressen über schlechtes Wetter bis zu den negativen Nachrichten aufgrund der Pegida-Demos“, sagt Geschäftsführerin Bettina Bunge.

Die asylkritischen Demonstrationen hätten vor allem deutsche Reisende abgeschreckt. „Dresden zu meiden, um sich vermeintlich politisch korrekt zu verhalten, wäre das falsche Signal.“

Ein Drittel weniger Russen

Die Ukraine-Krise hat Dresden ebenfalls deutlich geschadet. Vor allem russische Touristen und Geschäftsleute haben Dresden aus ihren Reiseplänen gestrichen: In den ersten vier Monaten des Jahres ist die Zahl der Übernachtungen hier um 33 Prozent eingebrochen. Der Verfall des Rubels und die schwierigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen russischen und sächsischen Mittelstandsunternehmen sieht Bunge als Hauptgrund für den Negativtrend. Die im September wegfallenden London-Direktflüge dürften sich ebenfalls nachteilig auf den Tourismus auswirken.

Ungünstig hat sich auch das Kongressgeschäft entwickelt: Microsoft wollte im Herbst in Dresden mit 1 600 Teilnehmern tagen. Nach jahrelanger Vorbereitung hat sich der Software-Riese, vermutlich wegen der montäglichen Demos, anders entschieden. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Übernachtungen noch um 7,6 Prozent gestiegen – mit 4,4 Millionen erreichte Dresden einen neuen Allzeitrekord.

Um dieses Ergebnis wenigstens zu halten, muss das Image der Stadt verbessert werden, so Bunge. Marketinggesellschaft und Hotellerie fordern daher mehr Geld. Bislang sind für die diesjährigen Tourismuskampagnen 213 000 Euro eingeplant. Um den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort zu bewerben, kommen weitere 200 000 Euro hinzu. Für die Kongressakquise stehen 123 000 Euro zur Verfügung.

www.dresden.de/tourismus