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Pendler-Vorwurf: Höhere Preise – weniger Platz

Die Bahnfahrt nach Dresden wird immer teurer – und der Service immer schlechter? Die Verantwortlichen weisen dies zurück.

Berufspendler Jörg Krenz auf dem Bautzener Bahnhof. Er ist mit den Fahrpreisen und dem Service der Länderbahn unzufrieden.
Berufspendler Jörg Krenz auf dem Bautzener Bahnhof. Er ist mit den Fahrpreisen und dem Service der Länderbahn unzufrieden. © Steffen Unger

Bautzen. Jörg Krenz ist ein Mensch, wie ihn sich eigentlich jedes Nahverkehrsunternehmen nur wünschen kann. Seit 26 Jahren pendelt der Bautzener zur Arbeit nach Dresden, und dafür nutzt er nicht die Autobahn, sondern den Zug. Was er in dieser Zeit erlebte, bezeichnet er als „schleichenden Niedergang der Bahnverbindung“. Anfangs stieg er noch in Abteilwagen, die von Dresden aus weiter fuhren bis nach Frankfurt (Main) oder Oberstdorf. Dann fielen die Fernzüge weg, die Deutsche Bahn AG (DB) setzte statt dessen große Triebwagen ein, sogenannte Regio-Swinger. Heute fährt auf der Strecke die Länderbahn mit kleineren Triebwagen vom Typ Desiro, die manchmal solo fahren, manchmal als Duo, manchmal als Trio. Züge, die laut Plan als Trio fahren sollten, hat Jörg Krenz nur als Doppel erlebt – mit der Folge, dass die Sitzplätze in den beiden Fahrzeugen nicht ausreichten.

Strecke für die Bahn zu wenig lukrativ

Als er vor 26 Jahren zu pendeln begann, bezahlte er für eine Monatskarte zwischen Bautzen und Dresden 115 D-Mark. Jetzt sind es 215 Euro. „Dieser eklatanten Preissteigerung steht nicht ansatzweise eine Angebotsverbesserung gegenüber“, wettert der Bautzener in einer E-Mail an den Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon), die auch der SZ vorliegt. Die Redaktion konfrontierte mit den erhobenen Vorwürfen Zvon-Geschäftsführer Hans-Jürgen Pfeiffer, seinen Stellvertreter Christoph Mehnert sowie Jörg Puchmüller, Pressesprecher der Länderbahn.

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In einigen Punkten stimmen sie dem kritischen Bahnfahrer zu, in anderen nicht. Wenn in Bautzen wieder Fernzüge halten würden, wäre das auch den Zvon-Verantwortlichen recht. Doch solche Zugverbindungen können die regionalen Verkehrsverbünde nicht bestellen. Diese Züge setzt die DB auf ihren Fahrplan – oder auch nicht. Und da erscheint die Strecke zwischen Dresden und Görlitz dem bundeseigenen Unternehmen im Moment nicht lukrativ genug für Fernverkehr. Auch der grenzüberschreitende Regionalexpress zwischen Dresden und Wegliniec (Kohlfurt) ist kein Fernzug, sondern das, was der Name sagt. In Wegliniec besteht Anschluss an Elektrozüge von und nach Breslau.

Steigende Kosten für Verkehrsunternehmen

Die Kritik an den Fahrpreisen kontern Pfeiffer und Mehnert mit mehreren Argumenten. So verweisen sie auf die jährliche Teuerungsrate in praktisch allen Lebensbereichen. Dann hätten sich, so die Zvon-Chefs, in den vergangenen 25 Jahren die Gehälter der Lokführer in etwa verdoppelt. Deutlich gestiegen seien auch die Stationsgebühren, die jedes Verkehrsunternehmen an die Streckeneigentümerin DB löhnen muss. So kostet in diesem Jahr jeder einzelne Zughalt in Bautzen 11,03 Euro, vor vier Jahren zum Beispiel waren es 9,13 Euro. Im kommenden Jahr werden 11,22 Euro fällig.

Die steigenden Kosten reichen die Verkehrsunternehmen an ihre Fahrgäste weiter und sind trotzdem auf Zuschüsse angewiesen. Die Fahrpreise decken nur etwa ein Viertel der Kosten, rechnet Hans-Jürgen Pfeiffer. Rund drei Viertel trägt der Staat – aus Steuergeldern, die auch von Nicht-Bahnfahrern gezahlt werden. Mehr als acht Milliarden Euro reicht der Bund jährlich an sogenannten Regionalisierungsmitteln für den Nahverkehr aus. Mehr als die Hälfte davon fließen in Form von Gebühren an die bundeseigene DB zurück.

Fehlende Triebwagen als Ausnahme

Zurück zur Kritik von Jörg Krenz. Er nimmt für die Fahrt nach Dresden in der Regel den Zug 6.08 Uhr ab Bautzen. Die DB habe diesen Zug früher noch mit einem Trio dreier Regio-Swinger bedient, die Länderbahn sei jetzt mit einem Desiro-Duo unterwegs. „Bestellt ist eine Dreifach-Traktion von Desiros, und die Sitzplätze darin reichen in der Regel auch aus“, sagt Christoph Mehnert. Gleiches gelte auch für den von Jörg Krenz ebenfalls bemängelten Zug 16.08 Uhr ab Dresden-Hauptbahnhof in Richtung Görlitz. „Wenn die Länderbahn nur mit zwei statt drei Triebwagen fährt, bekommt sie auch nur Geld für zwei“, stellt Mehnert klar. Auch gebe es schon mal Rüffel an die Länderbahn, wenn sie die vereinbarte Zahl der Fahrzeuge nicht einhalte. „Da behandeln wir heute die Länderbahn nicht anders als vor einigen Jahren die DB.“

Länderbahn-Sprecher Jörg Puchmüller bestätigt sowohl die fehlenden Triebwagen als auch die Rüffel. Er spricht von Ausnahmefällen; in der Regel halte das Unternehmen die vereinbarte Zahl der Fahrzeuge ein. Diese Ausnahmen hätten ihren Grund beispielsweise in ungeplanten Reparaturen, etwa nach Kollisionen mit Bäumen. Die Werkstätten hätten einen Wartungsstau abzuarbeiten – der Bedarf an Fachleuten sei mittlerweile auch hier angekommen, so Puchmüller.

Die nächsten Kritiken ahnt er schon, wenn von September bis Mitte Dezember drei Züge der Strecke Dresden–Zittau aus noch kleineren Triebwagen vom Typ Regio-Shuttle bestehen. Doch die Desiros werden vorübergehend im Saarland gebraucht – und den Zuschlag für die Strecke dort hatte die Länderbahn schon in der Tasche, als sie noch gar nicht wusste, dass sie auch weiter durch die Oberlausitz fahren und die Desiros hier brauchen würde.

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