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Penny geht – wer kommt?

Die Supermarktkette will den Standort aufgeben. Es lohnt sich für das Unternehmen nicht. Kein Einzelfall in der Region.

Von Anja Beutler

Die Runde im Ort hat diese Nachricht längst gemacht: Der Penny-Markt in Bernstadt wird zum Jahresende schließen. Wie die zuständige Pressestelle des Unternehmens auf Anfrage mitteilt, sei dies eine Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen. An welchem Tag genau der Supermarkt seine Türen schließt, stehe allerdings noch nicht fest. Sicher sei hingegen, dass der Mievertrag mit dem Eigentümer der Immobilie am 31. Dezember ausläuft.

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Der andere Teil der Gerüchte – nämlich, dass nach dem Penny in den gleichen Hallen Netto eröffnet – ist indes keineswegs sicher: Netto-Pressesprecherin Christina Stylianou erklärte ohne Umschweife, dass Netto „aktuell keinen Markt“ plane. Die zuständige Immobilienverwaltung für das Gebäude möchte sich generell zum Stand der Dinge nicht äußern und verweist auf den Datenschutz.

Das Interesse an der Zukunft dieser Immobilie ist allerdings nicht nur bei den Anwohnern groß, die hier regelmäßig einkaufen. Auch Rico Winkler, Inhaber des Edeka-Marktes in der Adolf-Klose-Straße, schaut mit Spannung auf die Entwicklungen. Mit dem derzeit bestehenden Penny habe man sich arrangiert, sagt Winkler. Aber, wenn ein neuer Discounter Einzug hielte, werden die Karten neu gemischt, der Kunden-Kuchen neu verteilt. „Im ländlichen Bereich wird das immer schwieriger, sich zu halten“, sagt er. Die Kaufkraft sei niedrig und der demografische Wandel mache sich immer stärker bemerkbar. „Allein in unserem Edeka-Markt hatten wir – auf das vergangene Jahr gerechnet – zusammengefasst 3 300 Kunden weniger“, erklärt der junge Unternehmer.

In der Tat kämpfen auch in der Nachbarschaft die Lebensmittelmärkte ums Überleben: In Großhennersdorf wird die Kaufhalle Ende Juli wohl endgültig schließen. In Strahwalde suchten die Besitzer des Einkaufsmarktes nach dem Weggang von Aldi lange überhaupt nach einem neuen Mieter. In Oderwitz argwöhnten die Anwohner, dass der Netto schließt – was er aber zur Erleichterung vieler doch nicht tut. Und in Ostritz gibt es derzeit nur noch einen Penny-Markt. Der Edeka auf dem Markt hat schon vor einiger Zeit seine Türen geschlossen. Und in der Schönau-Berzdorfer Hutberg-Siedlung hat vor Kurzem auch der kleine Laden dicht gemacht – weil es keinen Nachfolger gab.

Werden also in Zukunft die Lebensmittelmärkte Mangelware in den Dörfern? Rico Winkler aus Bernstadt geht vor allem bei der demografischen Entwicklung davon aus, dass sich das Netz weiter ausdünnen wird. „Es ist auch viel schwerer geworden, einen eigenen Markt zu eröffnen“, sagt der Mann, der seinen Edeka seit fünf Jahren führt. Vor einiger Zeit hätte es noch Unterstützung gegeben: Fördergelder für die Existenzgründung, günstige Kredite von den Ketten, damit man einen Markt eröffnen kann. Aber diese Starthilfe gebe es so schon lange nicht mehr. Und die mitunter fünfstellige Summe für ein ordentliches Warensortiment zum Start muss man als Jung-Unternehmer erst einmal aufbringen.

Diese Schwierigkeiten kennt auch Siegfried Hertrampf. Er ist einer der Besitzer des Einkaufsmarktes an der alten B 178, in Strahwalde, in der einst Aldi war: „Die großen Ketten rechnen ganz genau und kalkulieren knallhart“, sagt er. Da müsse schnell Gewinn her, sagt er. Und das gehe im Umfeld von Bautzen, wo mehr Kaufkraft vorhanden sei, eben viel besser als hier. Hertrampf weiß natürlich auch, dass sich zudem die Gewohnheiten von Menschen schwer ändern lassen: Die Sparangebote der großen Supermärkte locken viele, verheißen einen günstigeren Einkauf. Und wer ohnehin täglich auf Achse ist, kauft eben gleich unterwegs und in den großen Märkten ein.

Auch die Großhennersdorfer, die derzeit noch um ihre Kaufhalle kämpfen, wissen, dass man mit Appellen an das Gewissen niemanden im Ort zum Einkauf in der Kaufhalle verpflichten kann. Aber die Aufmerksamkeit darauf richten, dass man es auch selbst in der Hand hat, was im Ort geschieht, das wollen die verschiedenen Akteure wie Uwe Romanski schon. Wie es nun konkret in Bernstadt weitergeht, wird sich zeigen. Noch ist Penny ja vor Ort. Und nach einem Nachfolger wird auf alle Fälle gesucht.