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Pension und Gaststätte am Flugplatz gekündigt

Die Gründe dafür sind unklar. Kommt jetzt ein langer Rechtsstreit?

Von Birgit Ulbricht

Holger Faulhaber erlebt ein Dejavue. Wieder hat ihn Wolfgang Bothur rausgeschmissen. Zum ersten Mal ist das 2011 passiert. Da war Faulhaber noch Geschäftsführer der Flugplatzbetreibergesellschaft und Wolfgang Bothur deren Gesellschafter. Zunächst schien der Großenhainer Unternehmer nach der Pleite der Sachsenflug GmbH mit dem agilen Faulhaber einen guten Fang gemacht zu haben – mit einem Mann, der sich bedingungslos der Fliegerei widmete. Dafür drückte man auch schon mal beide Augen zu, als sich Faulhaber auf der Flugplatzfläche eine kleine Blockhütte hinsetzte, um ständig vor Ort zu sein. Denn nur so ging es. Als Faulhaber als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft 2011 gegen die drohende Flugplatzschließung mobil machte und sich mit einer Petition an den sächsischen Landtag wandte, da war das Einvernehmen allerdings dahin. Bothur kündigte seinem Geschäftsführer ohne Begründung und wurde selbst Geschäftsführer. „Das war damals schon ein Unding, denn im Petitionsgesetz § 4 steht eindeutig drin, dass niemandem Nachteile durch das Einbringen eine Petition entstehen dürfen“, zitiert Faulhaber. „Da haben sich genug Leute verplappert, dass das von anderer Stelle kam“, sagt Faulhaber. Warum er damals nicht geklagt habe? „Ich wusste, dass wir irgendwann mit dem Freistaat und der Stadt reden müssen, und wollte mir diese Chance nicht verbauen“, erzählt er.

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Genutzt hat das offenbar nichts. Denn ausgerechnet jetzt, wo doch das Flugplatz-Aus längst beschlossen ist, eine Frist von vielleicht zwei oder drei Jahren verbleibt, bis die Planungen für einen „Industriepark Großenhain“ greifen – ausgerechnet jetzt hat Holger Faulhaber wieder Kündigungen in die Hand gedrückt bekommen. Einmal für die obere Etage der Pension, die er hergerichtet hat. Außerdem für die Gaststätte „Richthofens“, die er als Pächter ausgebaut hat und schließlich und zu guter Letzt – das Flugplatzstück mit Shelter, wo der Pilot Flieger untergestellt und eben jene Holzhütte stehen hat. Termin der ordentlichen Kündigung: 30. September 2014. Begründung: keine. Dabei ist mit Pension und Gaststätte nicht mehr als eine schwarze Null drin, sagt Faulhaber. Im „Richthofens“ habe er voriges Jahr sogar 6 000  Euro zugesetzt, so Faulhaber. Seinen Unterhalt bestreitet der Flieger mit seinem Job als IT-Fachmann. Was soll die Kündigung also? Die Sicht des Flugplatzbetreibers Wolfgang Bothur können wir hier leider nicht darstellen. Er lehnte jede Äußerung ab.

Dass es dabei um ausstehende Zahlungen gehen könnte, weist Holger Faulhaber jedoch von sich. „Es gibt weder Mietschulden, noch ausstehende Nebenkosten, weder eine Mahnung noch sonst etwas“, sagt Faulhaber. Dass es noch gegenseitige Forderungen aus seiner Zeit als Geschäftsführer gibt, die strittig sind, habe mit der Sache jetzt nichts zu tun. Er werde auch alles unter Vorbehalt weiter bezahlen und es wohl auf eine Räumungsklage ankommen lassen. Doch das bespreche er jetzt alles mit seinem Rechtsanwalt.

Warum die Kündigungen ausgerechnet jetzt kamen, wo doch die Frage steht, wie eine künftige Landebahn von den Fliegern finanziert werden soll, darüber macht sich Faulhaber auch so seine Gedanken. Die Stadt jedenfalls betont, damit nichts zu tun zu haben. „Wir karten nicht nach“, sagt Bürgermeister Tilo Hönicke und verweist wieder zurück an Bothur. Wie die Sache ausgeht, wird man sehen. Klar ist nur, sie könnte aufreibend und zäh werden. Unterdessen geht die für die Flieger viel wichtigere Platzsuche für eine neue Landebahn weiter. Faulhaber rechnete eigentlich noch diese Woche mit einem Gespräch bei Tilo Hönicke. Denn das Landratsamt hat die vorgeschlagene Fläche geprüft und offenbar bestätigt, dass der Landkreis dort keine eigenen Pläne hat und einen Flugbetrieb für denkbar hält. Die Fläche kommt aus einer Hand, auch Auseinandersetzungen mit weiteren Nachbarn wären nicht zu fürchten. Gesagt ist damit freilich noch gar nichts. Denn nun beginnen erst die Gespräche, welche Gutachten und Genehmigungen überhaupt nötig sind, um beim Luftfahrtbundesamt vorstellig werden zu können. Schon das braucht Zeit, Unterstützung und Geld. Und dann stünde die finanzielle Umsetzung des Projektes an. Ein nervenaufreibender Rechtsstreit mit der jetzigen Betreibergesellschaft kann da nicht förderlich sein – für die Flieger.