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Persönliche Krisen senken die Arbeitsleistung

Trauer kann bis zum Herzinfarkt führen. Um so wichtiger ist, dass Kollegen Hilfe anbieten.

Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig. ©
Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig. © © Matthias Rietschel

Sie kommen morgens ins Büro und sehen, dass ihre Kollegin geweint hat. Für viele Menschen ist dies eine schwierige Situation. Haben wir doch auf der einen Seite Mitgefühl, auf der anderen aber gelernt, Beruf und Privatleben zu trennen. Es ist vor allem auch ein wenig unheimlich, wie wir mit den negativen Emotionen anderer umgehen sollen. Können wir doch unsere eigenen kaum steuern.

Es würde sich lohnen, anderen in kritischen Situationen beizustehen. Abgesehen davon, dass das Helfen ein gutes Gefühl gibt, kann niemand seine Emotionen ausklammern. Wenn wir traurig, hilflos, wütend, enttäuscht oder gekränkt sind, beeinflusst das die Arbeit unseres Gehirns. Wir sind weniger konzentriert, merken uns Dinge schlechter, treffen keine guten Entscheidungen, da unsere Wahrnehmungsperspektive eingeschränkt ist. Wenn wir auf der persönlichen Ebene Schwierigkeiten haben, kommen wir auf der Sachebene, bei Gesprächen, Verhandlungen, Problemlösungen und Entscheidungen schlechter weiter. Es wurde zudem wissenschaftlich nachgewiesen, dass wir genauso gut oder schlecht arbeiten wie wir uns fühlen und dass die Produktivität vom persönlichen Wohlbefinden mehr beeinflusst wird als durch die Freude an der Arbeit.

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Zurück zum Privaten. An gebrochenem Herzen kann man sterben. Eine trauernde Person ist nach dem Tod eines geliebten Menschen deutlich mehr in Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden. Das haben nun auch Mediziner nachgewiesen. Denn mit dramatischen Emotionen ist die Erhöhung des Herzschlags, des Blutdrucks, eine Überschwemmung mit Stresshormonen und ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel verbunden. Frauen sind stärker betroffen.

Diese Stressreaktion auf Verluste bleibt nicht auf das familiäre Umfeld beschränkt. Wir bringen sie mit ins Büro. 2008 wurde die Leistungsfähigkeit in 750 dänischen Unternehmen untersucht und festgestellt, dass die ökonomischen Parameter nach dem Tod eines Kindes um 20 Prozent, eines Partners um 15 Prozent und eines Familienmitgliedes um zehn Prozent sanken. Die neuronale Reaktion des Gehirns auf Trauer beeinflusst nicht nur die Stimmung, sondern auch das Gedächtnis, die Wahrnehmung und Versorgung der Organe.

Umso wichtiger ist es für uns, dass wir unsere Gefühle und Körperreaktionen wahrnehmen und darauf reagieren. Und dass wir Anteil nehmen an den Gefühlen anderer. Dabei sollten wir Mitgefühl entgegenbringen, aber keinesfalls mitleiden.

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Ein paar Praxistipps: Schauen Sie hin statt weg, wenn es jemandem nicht gut geht. Bieten Sie Hilfe an und lassen Sie dem anderen die Wahl, sie anzunehmen oder nicht. Ermutigen Sie andere, gut für sich zu sorgen und sich in Krisenzeiten bewusst zu erholen. Holen SieHilfe, wenn Sie betroffen sind. Ob Arzt, Psychologe, Chef oder Kollege, es kann sich nur etwas zu Ihren Gunsten ändern, wenn Sie aktiv werden.

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