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Mann vermisst: Großeinsatz am Olbasee

Es sollte ein normaler Badeausflug werden - doch er endete vermutlich tragisch. Mit Hubschrauber und Tauchern suchen die Rettungskräfte nach einem 44-Jährigen.

Feuerwehr und Polizei suchten am Dienstag weiter mit Booten, Hubschrauber und Tauchern nach einem Mann, der seit Montagabend nach einem Bad in der Olba in Wartha nicht ans Ufer zurückgekehrte.
Feuerwehr und Polizei suchten am Dienstag weiter mit Booten, Hubschrauber und Tauchern nach einem Mann, der seit Montagabend nach einem Bad in der Olba in Wartha nicht ans Ufer zurückgekehrte. © Steffen Unger

Malschwitz. Eine alltägliche Geschichte nahm am Montagabend im Malschwitzer Ortsteil Wartha eine dramatische Wendung: Gemeinsam mit seiner Frau besucht ein 44-Jähriger aus dem Großraum Bautzen den beliebten Olbasee auf der Suche nach Abkühlung bei dem schwül-feuchten Wetter. Die beiden gehen ins Wasser, umschwimmen eine Boje inmitten des Sees. Auf dem Rückweg verliert sich das Paar aus den Augen. Als die Frau wieder am Ufer ist, wartet sie auf ihren Mann – vergeblich.

Um 20.24 Uhr meldet sie ihn als vermisst. Gemeinsam suchen Feuerwehr und Polizei daraufhin die Uferbereiche ab, ein Boot der Berufsfeuerwehr Bautzen unterstützt die Suche vom Wasser aus. Weitere Beamte halten per Helikopter aus der Luft Ausschau nach Spuren des Vermissten. Alles das bleibt erfolglos. "Gegen 22.30 Uhr wurde es dunkel, wir haben dennoch weitergesucht, mussten die Suche aber gegen Mitternacht abbrechen", berichtet Bautzens Polizeichef Mario Steiner. Er leitet den Einsatz.

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Ans Aufgeben denken die Einsatzkräfte nach diesem Rückschlag nicht, kehren am Dienstagmorgen an die Olba zurück. Bereits um 7 Uhr sei der Hubschrauber erneut über dem See im Einsatz gewesen, berichtet Mario Steiner. Am späten Vormittag ist klar: Die Chancen, den vermissten Mann ohne den Einsatz von Polizeitauchern zu finden, sind nur noch gering.

Badegäste unbeeindruckt von Suchaktion

Am Sandstrand auf der anderen Seite des Sees erreicht der Badespaß während dieser bangen Stunden seinen Höhepunkt: Familien dösen in der Sonne, Stand-up-Paddler gleiten durchs Wasser, Kinderrufe hallen von jeder Ecke in jede andere. An den beiden Feuerwehrfahrzeugen, die bis ans Wasser herangefahren sind, scheint sich niemand zu stören. "Die Gemeindeverwaltung Malschwitz hat einen Beamten des Ordnungsamtes vorbeigeschickt, um das Tor zum Parkplatz zu schließen und so wenigstens zu verhindern, dass neue Badegäste an den Strand kommen", sagt Mario Steiner.

Wie etwa 30 andere Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ist auch er seit den frühen Morgenstunden wieder vor Ort. Der Einsatz gestaltet sich zäh, aber durchorganisiert. Auf einer Bank in Ufernähe haben er und sein Team eine genaue Karte des Sees ausgebreitet. Zahlreiche Köpfe beugen sich fachsimpelnd darüber, versuchen anhand von Strömungen und Bodenverhältnissen der bis zu 35 Meter tiefen und etwa 50 Hektar großen Olba zu ahnen, in welche Richtung der Mann abgetrieben sein könnte. Ein Mitglied des örtlichen Tauchclubs hilft mit seinem Wissen weiter.

Ein Taucher der Polizei stieg gegen 14 Uhr vom Ufer aus in den See, um unter Wasser nach dem Vermissten zu suchen.
Ein Taucher der Polizei stieg gegen 14 Uhr vom Ufer aus in den See, um unter Wasser nach dem Vermissten zu suchen. © Steffen Unger

Die Schwierigkeit sei, erklärt Mario Steiner, dass das glasklare Wasser der Olba trügt: "Unter Wasser hat man höchsten fünf Meter Sicht. Weil der See nach der Flutung eines Braunkohletagebaus entstanden ist, sieht man dann nur noch Kohlendreck." Er selbst, erzählt er, habe schon einige dieser Einsätze erlebt. Alltag seien sie dennoch nicht. Jeder einzelne sei schrecklich. Zur Frage, welche Überlebenschance der Mann rund 15 Stunden nach seinem Verschwinden noch habe, will er sich nicht äußern.

Gegen Mittag – die Kameraden der Ortsfeuerwehren von Malschwitz, Baruth, Kleinsaubernitz, Guttau und von der Berufsfeuerwehr Bautzen stärken sich gerade am Seeufer mit geliefertem Essen – rollen zwei 7,5-Tonner mit Leipziger Kennzeichen auf das Feld. Die Rettungstaucher der Polizei sind da. Bis sie allerdings zum Einsatz kommen, werden zwei weitere Stunden vergehen.

Sensible Technik bringt kein klares Ergebnis

Zuvor wird das Rettungsboot neu bestückt. Etliche Koffer mit Sonartechnik werden an Bord geholt, dazu Seile, Schwimmer, Gewichte, ein Funkgerät. "Mit Hilfe dieses Schall-Ortungsgerätes können wir Körper auch unter Wasser aufspüren. Bojen helfen den Tauchern anschließend, sich zu orientieren", erklärt Mario Steiner. In großen Schleifen durchpflügen die Beamten mit dem Boot das Wasser, den Blick konzentriert auf den Bildschirm gerichtet. Sie verweilen an mancher Stelle quälend lange, bevor sie ihre Fahrt fortsetzen. Nach dem Einsatz wird klar: Ein eindeutiges Ergebnis konnte diese Untersuchung nicht liefern.

Die Taucher machen sich dennoch einsatzbereit. Während einer als Reserve auf dem Boot in die Seemitte steuert, geht ein zweiter, behangen mit allerlei Gerät, von Land aus ins Wasser. In der Seemitte taucht der Mann ab und beginnt mit der Suche.

In den kommenden Stunden werden er und seine Kollegen während mehrerer Tauchgänge versuchen, den Verschwundenen zu finden. Weil sie dabei den Schlamm vom Grund des Sees aufwühlen, müssen sie den Einsatz immer wieder unterbrechen und abwarten, bis sich das Wasser wieder beruhigt hat. 

Ans Aufgeben denken sie auch knapp 24 Stunden nach dem Verschwinden des 44-Jährigen nicht: „Wir suchen so lange weiter, bis wir ihn gefunden haben“, versichert ein Polizeisprecher am Abend.

Der Olbasee, der zwischen Wartha und Kleinsaubernitz liegt, ist ungefähr 50 Hektar groß und 35 Meter tief.
Der Olbasee, der zwischen Wartha und Kleinsaubernitz liegt, ist ungefähr 50 Hektar groß und 35 Meter tief. © Lausitznews

Der Beitrag wurde am 11. August um 18.30 Uhr aktualisiert.

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