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Riesa

Personal knapp – Restaurants bleiben zu

Ein bekanntes Restaurant in Riesa überlegt, die Öffnungszeiten zu kürzen. Ein anderes Projekt wurde gleich ganz abgesagt.

Paul Vogel ist stellvertretender Küchenchef im Hammerbräu Riesa – auch dort ist die Personaldecke dünn. Die Geschäftsführung überlegt deshalb zurzeit, den Mittagstisch unter der Woche zu streichen.
Paul Vogel ist stellvertretender Küchenchef im Hammerbräu Riesa – auch dort ist die Personaldecke dünn. Die Geschäftsführung überlegt deshalb zurzeit, den Mittagstisch unter der Woche zu streichen. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Die Gastrobranche arbeitet am Limit. Der Personalmangel zwingt sie langsam, aber sicher in die Knie. „Und es wird in Zukunft noch schwerer werden“, glaubt Reiner Striegler, Geschäftsführer der Magnet Riesa GmbH. 

Unzählige Stellenanzeigen hat er selbst zurzeit auf seinem Tisch liegen: Für die Gastronomie im Riesenhügel werden derzeit „dringend“ ein Koch und eine Restaurantfachkraft gesucht, erzählt er. Im Nachwuchsbereich fehlen aktuell je zwei Azubis im Restaurant, in der Küche und im Hotel Mercure. Doch die Bewerbungen sind spärlich.

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„Die Generation zwischen 20 und 35 favorisiert Berufe, in denen sie am Wochenende und abends frei hat“, erklärt Reiner Striegler. Der Fachkräftemangel in der Branche sei also weniger eine Frage des Geldes, sondern vielmehr eine Frage der unattraktiven Arbeitszeiten. Das sorge nicht nur dafür, dass es insgesamt wenige Bewerber gibt. Zudem springen auch viele Mitarbeiter oder Auszubildende nach kurzer Zeit wieder ab.

Das ehemalige Hotel „Saxonia“ steht derzeit leer. Der Eigentümer würde es gern verkaufen. In dem historischen Haus wurde der Hotelbetrieb 2015 eingestellt, danach diente es als Asylunterkunft
Das ehemalige Hotel „Saxonia“ steht derzeit leer. Der Eigentümer würde es gern verkaufen. In dem historischen Haus wurde der Hotelbetrieb 2015 eingestellt, danach diente es als Asylunterkunft © Sebastian Schultz

Bedürfnis nach Freizeit ist groß

Mancher Gastronom will deshalb schon gar nicht mehr ausbilden – wie René Strohbach. 2005 eröffnete der Gastwirt den Heidehof Rödern in der Nähe von Ebersbach. „Der Markt ist absolut abgegrast! Fachkräfte gibt es überhaupt keine mehr, und Nachwuchs ist nicht in Sicht“, resümiert er. In der Vergangenheit habe er noch ausgebildet und damit selbst Lehrgeld zahlen müssen. 

Während ein junger Mann erst nach zwei Jahren seine Abneigung gegen heiße Herde erkannt hat, entdeckte ein weiblicher Azubi nach zwölf Monaten, dass ihr Herz für Kinder statt für das Servieren von Rouladen schlägt, erzählt er. Dabei sei die finanzielle Komponente gar nicht mehr so entscheidend. Ausschlaggebend wäre tatsächlich eher das Bedürfnis nach ausreichend Freizeit.

Nicht umsonst würden Traditionshäuser wie die Moritzburger Waldschänke potenziellen Auszubildenden die Zahlung eines Führerscheins anbieten. „Ich kann auch nach all den Jahren noch sagen, das ich meine Arbeit gern und mit Leidenschaft tue. Aber das Personalproblem drückt schon sehr“, bekennt René Strohbach. So gewaltig, dass sich der Heidehof inzwischen mittwochs einen Ruhetag verordnet hat, Mittagstisch nur noch sonntags anbietet und an den übrigen Wochentagen erst ab 17 Uhr öffnet.

Auch in der Parkschänke Zabeltitz gibt es durchaus mal Phasen, in denen drei bis vier Wochen mit verminderten Öffnungszeiten überbrückt werden müssen, sagt Franziska Koitzsch. Momentan sei man zwar gut besetzt. „Aber das kann sich freilich ganz schnell ändern, und dann ist es sehr schwierig, gute Arbeitskräfte zu finden“, so die 40-Jährige, die gemeinsam mit ihrer Mutter die Parkschänke betreibt.

Seit 20 Jahren verrichtet die gelernte Hotelkauffrau dort ihren Dienst und weiß, dass das lange Stehen, schwere Schleppen und die Arbeitszeiten zuweilen sehr anstrengend sein können. Dazu kämen die Verantwortung für die Kasse und immer mehr bürokratische Auflagen und Verordnungen.

Im Gegenzug bringe ein Job in der Gastronomie aber auch viel Spaß. „Wenn die Gäste die Gerichte loben, gibt mir das Bestätigung“, sagt zum Beispiel Paul Vogel, stellvertretender Küchenchef im Riesaer Restaurant Hammerbräu. 

Seit seiner Ausbildung arbeitet er bereits im Riesenhügel: „Ich wusste von Anfang an, wie die Arbeitszeiten sind und habe mich damit arrangiert“, sagt er. Allerdings ist auch seine Küche derzeit knapp besetzt. „Wir können zwar noch im normalen Bereich arbeiten“, sagt Magnet-Chef Reiner Striegler, „aber wenn einer fehlt, kann man das eben nur über eine gewisse Zeit kompensieren.“ 

Denn die Gefahr sei groß, dass die anderen Mitarbeiter mehr und mehr auf Verschleiß fahren und irgendwann selbst ausfallen. Deshalb überlege das Unternehmen derzeit, zumindest an den Wochentagen über Mittag nicht mehr zu öffnen. Eine endgültige Entscheidung sei dazu jedoch noch nicht gefallen – wohl aber zum Hotel „Saxonia“ am Bahnhof.

Absage an Hotel-Übernahme

Die Einrichtung ist nur einen Steinwurf von Riesenhügel und Hotel Mercure entfernt und steht derzeit leer. Der Inhaber sucht gerade einen Käufer für das 1870 erbaute Haus, das zuletzt als Asylunterkunft genutzt wurde. Zurzeit wird es unter anderem auf der Internet-Plattform „ebay Kleinanzeigen“ für 600.000 Euro angeboten. 

Und ursprünglich hatte die Magnet GmbH sogar Interesse an dem Objekt. Schließlich sei das Hotel ein Traditionshaus, das vom Mercure-Hotel schon 1999 zum Tag der Sachsen einmal kurzzeitig mit betrieben wurde, um die Vielzahl an Gästen unterbringen zu können. „Wir hatten mit dem Besitzer mehrfach Kontakt, als er noch einen Betreiber suchte. Jetzt sucht er ja einen Käufer“, sagt Reiner Striegler. 

Doch nicht nur der fehlende Fahrstuhl habe das Unternehmen letztlich Abstand nehmen lassen, sondern vor allem die Personalfrage. „Es ist schon die Frage, ob man dafür überhaupt genügend Personal finden würde. Ich sehe das momentan eher kritisch.“

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