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Personalmangel in Zeiten der Arbeitslosigkeit

Im neuen Jahr ist die Arbeitslosigkeit deutlich angestiegen. Einige Branchen bekommen trotzdem keine Leute.

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Von Jens Hoyer

Die Arbeitslosigkeit in der Region Döbeln ist im Januar deutlich von 12 Prozent auf 13,4 Prozent nach oben geschnellt. Ungewöhnlich ist das nicht – zum Jahresende laufen oft Arbeitsverträge aus. Erfreulich: Die Zahlen liegen unter denen des Januar 2011. Allerdings war es da auch deutlich kälter. Deshalb ist abzuwarten, wie sich der aktuelle Kälteeinbruch im nächsten Monat bemerkbar macht, sagte Marlies Hoffmann-Ulrich, Chefin der Arbeitsagentur Oschatz.

Aber die Zeichen stehen auf Aufbruch. Die Indikatoren zeigen an, dass die Wirtschaft im Frühjahr wieder losmarschieren wird. Die Arbeitsagentur merkt das unter anderem an den angemeldeten Stellen für Zeitarbeiter und in Handwerk und Baubranche. An vielen Stellen ruht der Bau zwar wegen des Winters, trotzdem verzeichnet die Agentur hier mit die meisten angemeldeten Stellen. Die Firmen suchen die Arbeitskräfte perspektivisch, sagte Volkmar Beier, Sprecher der Agentur. Jetzt sei es noch einfacher als im Frühjahr, Personal zu bekommen.

Reichlich 2200 Frauen und 2600 Männer waren im Altkreis im vergangenen Monat arbeitslos. Das sagt aber nur wenig über die tatsächlichen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt aus. Manche Branchen suchen händeringend nach Mitarbeitern. Beispiel Pflege- und Gesundheitsberufe: Das Pflegeheim in Technitz braucht Alten- und Krankenpflegern. „Bei uns ist seit 14 Tagen eine Stelle unbesetzt. Es sind einfach zu wenig Leute da, um den gestiegenen Bedarf im Pflegebereich abzudecken“, sagte Geschäftsführerin Carola Enge. Qualifikation ist wichtig – selbst bei den Hilfskräften, die das Pflegeheim beschäftigt. „Leute ganz ohne Ausbildung könnte ich nicht mit ruhigem Gewissen einstellen.“ Am besten sei es, die frei werdenden Stellen mit eigenen Azubis zu besetzen – drei hat das Pflegeheim derzeit in der Ausbildung.

Ausbilden, das würde gerne auch Rainer Henoch, Betriebsleiter beim Briefkastenhersteller Renz. In wenigen Jahren beginnt im Döbelner Betrieb ein Generationswechsel – die Mitarbeiter beginnen in die Rente zu gehen. Drei Azubis hatte der Betrieb im vorigen Jahr eingestellt. Für dieses Jahr gibt es noch keine einzige Bewerbung. „Absolut Null“, meint Henoch resigniert.

Auf dem freien Arbeitsmarkt hatte die Firma immer noch Leute bekommen. Im vergangenen Jahr seien zwei Mitarbeiter im Vertrieb eingestellt worden. „Da hatten wir Glück“, so Henoch. Auch in der Fertigung hatte Renz zwei Leute eingestellt. Da habe man bewährte Zeitarbeiter übernommen, sagte Henoch.