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Pesterwitzer dampfen Dorfkern-Bebauung ein

Die Stadt muss wegen der Einsprüche den B-Plan-Entwurf ändern, der Investor umplanen. Macht er da noch mit?

Von Matthias Weigel

Pesterwitz hat sich trotz der rasanten Entwicklung den Dorfcharakter bewahrt. Und dass es im Freitaler Ortsteil auch weiterhin so bleibt, ist für die meisten Anwohner eine Überzeugungssache. Entsprechend groß ist die Anteilnahme, wenn jetzt am Dorfplatz, sozusagen am Allerheiligsten, ein Neubauprojekt seinen Weg nehmen soll. Ein Investor, der sich lieber im Hintergrund halten will, in Pesterwitz aber schon etliche Immobilienprojekte verwirklicht hat, plant auf der leer geräumten Brache der alten Gärtnerei ein Wohn- und Geschäftshaus.

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Allerdings wird die Umsetzung nun länger dauern, als gedacht. Denn der Bebauungsplan-Entwurf muss wegen der großen Anteilnahme geändert werden. Das wurde – im wieder gut besuchten Ortschaftsrat zum Thema – von der Stadtverwaltung erläutert. Es seien zu viele substanzielle Einsprüche vorgebracht worden, hieß es. Der B-Plan muss nun überarbeitet und ein zweites Mal ausgelegt werden. „Ein ganz normaler Vorgang in einem ganz normalen Planverfahren“, betont Stadtsprecherin Inge Nestler auf Anfrage.

Schon 2011, als das Gelände veräußert worden war, hatte die Stadt vorsorglich eine Sperre über den sensiblen Bereich verhängt, um eine Tankstelle, einen großen Supermarkt oder einen Mega-Wohnklotz zu verhindern. Der Eigentümer muss stattdessen mit der Kommune städtebaulich zusammenarbeiten, was er auch bereitwillig tat. Der Investor, der die Gärtnerei erworben und bereits abgerissen hat, wollte nun viergeschossig mit Tiefgarage und zwei abgewinkelten Häusern bauen. Neben seniorengerechten Wohnungen sind auch Praxen, Läden, ein Café und Therapie-, Veranstaltungs- und Geschäftsräume geplant. Zwar hatte auch die Stadt versichert, dass man bei den Plänen sehr darauf geachtet habe, dass die Ortsmitte einen Abschluss bekommt, ohne den historischen Gesamteindruck zu zerstören. Doch die Pläne stießen von Anfang an auf Kritik in der Bevölkerung und auch bei einigen Stadträten.

Widersprüche gibt es vor allem wegen der Gebäudehöhe und der gegenüber der jetzigen Bebauung zu gewichtigen Wirkung des Neubaus. Das Problem soll nun darüber gelöst werden, dass das oberste Geschoss in ein Mansardgeschoss umgewandelt, die Firsthöhe und die Größe der Baufläche verringert werden. Über die Vorlage wird dann im Stadtrat am 8. Mai befunden und der B-Plan anschließend erneut einen Monat lang zur Anhörung ausgelegt.

Diskussionsbedarf bestand zuletzt auch noch bei der Parkplatzsituation und der Gestaltung der Bushaltestelle direkt vor dem Grundstück, was zum Teil auch Sache der Stadt ist. „Von vielen Bürgern wurde auch angeprangert, warum man vom allgemeinen Wohngebiet in ein Mischgebiet umspringen will, was angeblich mit der zu vermietenden Tiefgarage zusammenhängt“, so Ortsvorsteher Steffen Frost. Diese sei aber auch im allgemeinen Wohngebiet als Ausnahmeregelung möglich. Stattdessen müssten nun die Tankstelle, die Diskothek oder der Supermarkt für die Nutzung wieder ausgeschlossen werden. „Für diese Lösung war das Theater mit der Veränderungssperre nicht nötig. Es herrscht deswegen ein gewisses Misstrauen“, schildert Frost. Scharfe Kritik hätte es auch wegen der geplanten Tiefgaragen-Ein- und Ausfahrt in die Dresdner Straße gegeben, da dort im Berufsverkehr teilweise – auch durch Ampel und Bushaltestelle – schon jetzt Chaos und Rückstau herrschten. Ob sich da was an den Plänen ändert, ist offen.

Freitals OB Klaus Mättig (CDU), selbst Pesterwitzer, hatte bereits früher eingeräumt, dass man die Bedenken der Bevölkerung punktuell ernst nehmen müsse und werde. Er warnte aber auch davor, den Investor mit Forderungen zu überhäufen und das Projekt unwirtschaftlich werden zu lassen. Letztlich liege allen eine ansprechende Gestaltung der Fläche am Herzen. „Wir können froh sein, dass die ruinöse Gärtnerei weg ist. Es nützt auch niemandem etwas, wenn wir den Rahmen überziehen und den Investor vergraulen und die Fläche brach bleibt“, sagte Mättig. Man könne den Mann schließlich nicht zwingen, zu investieren.

Wie Stadtsprecherin Nestler nun erklärt, sei man mit dem Investor bereits „konstruktiv im Gespräch“ zu den Änderungen. Nach der Sommerpause werde sich der Stadtrat erneut mit der Thematik beschäftigen und im Ergebnis der Anhörung einen weiteren Beschluss fassen.