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Meißen

„Ich mache mir um die Friseure Gedanken“

Bisher sind die meisten Handwerksbetriebe wenig von der Corona-Krise betroffen. Aber eine Verordnung bereitet den Bäckern Probleme.

Kreishandwerksmeister Peter Liebe aus Nossen spricht über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Handwerker in der Region Meißen.
Kreishandwerksmeister Peter Liebe aus Nossen spricht über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Handwerker in der Region Meißen. © Uta Büttner

Region. Viele Unternehmen sind in ihrer Existenz bedroht. Aber wie sieht es bei den Handwerksbetrieben in der Region Meißen aus? „Die unmittelbar Betroffenen sind natürlich die Friseure“, sagt Kreishandwerksmeister Peter Liebe. Er selbst ist Bäckermeister in Nossen mit eigener Filiale. „Ansonsten sind einige Handwerker mittelbar von der Corona-Krise betroffen.“ 

Beispielsweise Maler, die in Gaststätten renovieren und die Auftraggeber nun kein Geld dafür haben. Noch hätten aber alle gut zu tun. Zwar gebe es Auftragsausfälle, aber diese könnten noch gut kompensiert werden. „Aber ich mache mir wirklich Gedanken, was aus den Friseuren werden wird“, sagt Liebe. „Da müssen wir uns etwas einfallen lassen.“

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„Mit den Krediten in Sachsen sind wir nicht glücklich“, sagt Liebe. Der Freistaat zahlt ein zinsloses Darlehen bis 50.000 Euro, welches allerdings ab dem vierten Jahr zurückgezahlt werden muss. „Das wird schwierig, damit ist den Friseuren nicht geholfen.“ Denn genauso wie Gastronomen bereits gesagt haben, werden die Leute nach den Ausgangsbeschränkungen nicht öfter zum Haareschneiden gehen. Nicht zurückzuzahlende Hilfen wären die bessere Variante, meint Liebe. Und wenn er daran denkt, dass die Beschränkungen weiterhin bestehen bleiben könnten, auch nach den Osterferien, „das ist beängstigend“.

Den anderen Handwerksbetrieben geht es laut Liebe noch relativ gut. Auch wenn es beispielsweise für Bäcker mit angeschlossenen Cafés auch Einbußen gibt. Auch hat Liebe selbst weniger Einnahmen, weil Veranstaltungen wie das internationale Blues- und Rockfestival im Kloster Altzella, ursprünglich geplant im Mai, nicht stattfinden. Und ob die Blumen- und Gartenschau Ende Juni dort veranstaltet werden kann, ist derzeit noch unklar. 

„Aber der Brot- und Brötchenverkauf bei mir ist stabil. Wir merken nur, dass Kuchen weniger als sonst bei den Kunden gefragt ist. Wahrscheinlich, weil die Leute zuhause mehr Zeit zum Backen haben“, sagt Liebe. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: „Wir versuchen Sachen zu backen, die die Leute zuhause nicht hinbekommen.“ Als Beispiel nennt der Bäckermeister die Osterbrote. „Aber die 20. Kopie von Klopapier-Kuchen machen wir nicht.“

"Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern hängen in der Luft.“

Die Bäckergeschäfte haben aber derzeit ein anderes Problem. So gibt es eine Anweisung vom sächsischen Sozialministerium, wonach die Türen zum Laden offen bleiben müssen, wenn es keine Automatiktüren sind. „Das kann ich meinen Angestellten doch nicht zumuten bei diesen Temperaturen“, sagt Liebe. „Zudem würde ich damit gegen alle anderen Hygienevorschriften verstoßen, die es gibt. Denn Schmutz und Abgase könnten ständig ungehindert eindringen.“

Wie Handwerksbetrieben in dieser Zeit geholfen werden kann, besprachen mehrere Kreishandwerksmeister kürzlich in einer Telefonkonferenz, erzählt Liebe. Dabei wurde auch über Möglichkeiten gesprochen, geplante Arbeiten beispielsweise in Schulen oder anderen Kindereinrichtungen jetzt nach vorn zu ziehen, da die Gebäude ohnehin leer sind. So könnten Auftragswegbrüche kompensiert werden. Und im Sommer wären freie Valenzen für neue Aufträge vorhanden. „Aber dafür arbeiten die Verwaltungen zu langsam." Weniger Bürokratie, schnelleres Handeln, in außergewöhnlichen Zeiten wie diesen, würde sich der Handwerksmeister wünschen.

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Als Letztes spricht Peter Liebe die möglichen Antragstellungen auf finanzielle Hilfe des Bundes bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) an. So wünscht sich Liebe eine unbürokratischere Bearbeitung. „Aber vor allem hängen Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern in der Luft.“ Denn nach derzeitiger Regelung würden diese Unternehmen keine Einmalzahlung bekommen. Diese beträgt für kleine Firmen und Selbstständige mit bis zu fünf Beschäftigten 9.000 Euro für drei Monate, für Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten 15.000 Euro.

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