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Peter Schreier liest Briefe in Großenhain

Am Samstag präsentieren Peter Schreier und Camillo Radicke einen Klavierabend mit Lesung in der Aula des BSZ. Die SZ sprach mit dem Kammersänger.

Herr Schreier, Sie gestalten gemeinsam mit Camillo Radicke einen Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Abend. „Lieder mit Worten“ heißt er. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Das ist für mich ein privates Interesse. Die Idee stammt vom Organisten der Kreuzkirche. Herr Radicke und ich setzen sie um. Das ist eine sehr schöne Verbindung, denn die „Lieder ohne Worte“ sind eine Erfindung von Mendelssohn-Bartholdy. Das heißt nicht, dass er die Lieder mit Worten diskriminieren wollte. Er hat sehr viele schöne Lieder geschrieben, die zur Weltliteratur gehören. Aber die „Lieder ohne Worte“ haben auch ihre Berechtigung, sie sind als Übungsstücke gedacht gewesen, und stehen in der großen Klavierliteratur immer ein bisschen im Abseits. An unserem Abend stehen sie im Mittelpunkt. Die Worte dazu stammen aus den Briefen.

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Sie lesen Briefe des Komponisten vor, der ein unglaublich fleißiger Briefeschreiber war. Über 5000 seiner Briefe sind überliefert, die in 12 Bänden veröffentlicht werden. Wie haben Sie da eine Auswahl treffen können?

Viele der Briefe haben einen substanziellen Inhalt. Er hat darin sehr viel Bezug genommen auf Kompositionen, auf Begegnungen mit Musikern, es kommen derbe Urteile vor. Für uns sind sie ein Dokument, wie zum Beispiel Bach und Mozart damals verstanden wurden. Für das Programm haben wir uns auf die Korrespondenz zwischen ihm und seiner Schwester Fanny konzentriert. Camillo Radicke hat angegeben, was er spielen möchte, wir haben die Briefe danach ausgewählt. Mendelssohn-Bartholdy hat zum Beispiel in seinen Briefen die Entstehung des „Freischütz“ von Weber verfolgt, dazu haben wir „Lieder ohne Worte“ mit Jagdmotiven herausgesucht. Die Geschwister sind fast gleichalt geworden, Fanny ist ein halbes Jahr vor ihrem Bruder gestorben. Sie hatten ein sehr gutes Verhältnis. Fanny war eine ganz tolle Musikerin, hat schöne Kompositionen geschrieben. Aber wie das in der damaligen Zeit als Frau war: Sie durfte offiziell nicht so gut sein.

Ist das ein Thema der Briefe gewesen?

Ja. Auf der einen Seite mochte der Felix ihre Kompositionen sehr, auf der anderen Seite hat er aber auch dafür gesorgt, dass sie nicht gedruckt wurden. In einigen Fällen hat er sich sogar als Komponist von Stücken ausgegeben, die von seiner Schwester stammen. Ich habe selbst einige Lieder von ihr gesungen. Sie sind kaum zu unterscheiden von seinen Liedern.

Was verbindet Sie persönlich mit dem Komponisten?

Als Liedersänger kommt man um Felix Mendelssohn-Bartholdy gar nicht herum. Er hat ganz fantastische Lieder geschrieben, die im 19. Jahrhundert verkannt worden sind. Man hat sie als plakativ bezeichnet. Lieder wie „Leise zieht durch mein Gemüt“ sind geradezu Volkslieder geworden. Die Liedtexte volkstümlich zu komponieren, war eine seiner großen Stärken. Ich bin aber auch sonst ein großer Mendelssohnanhänger. Seine zwölf Streicher-Sinfonien finde ich ganz fantastisch.

Vor acht Jahren haben Sie Ihre professionelle Sängerkarriere beendet. Singen Sie zu Hause manchmal?

Kaum. Nur, um mein Gedächtnis zu überprüfen. Dann singe ich die Evangelisten, ein Stück aus der Matthäus-Passion, weil ich wissen möchte, ob ich die noch drauf habe. Das geht ganz gut.

2013 waren Sie schwer krank, hatten eine doppelseitige Lungenentzündung, zwei Schlaganfälle, lagen einige Tage im Koma. Geht es ihnen wieder gut?

Der Kopf ist wieder fit. Mit den Beinen habe ich noch Probleme. Die muss man natürlich selbst bearbeiten, in dem man viel Physiotherapie macht. Nur so bekommt man das wieder hin. Meine Konsequenz ist da nicht so toll, aber jetzt geht es wieder los.

Das Gespräch führte Susanne Plecher.

„Lieder mit Worten“, Samstag, 12. April, 19 Uhr in der Aula des BSZ Großenhain, Heine-Straße 8. Karten kosten 18/15, ermäßigt 5 Euro.