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Sebnitz

Petition für einen Brückenschlag

2014 hat der Nationalpark eine Brücke über die Kirnitzsch abgerissen. Das ärgert die Hinterhermsdorfer noch heute.

Würde hier wieder eine Brücke errichtet, könnten Wanderer bequem zum Beispiel die Obere Schleuse in Hinterhermsdorf ansteuern.
Würde hier wieder eine Brücke errichtet, könnten Wanderer bequem zum Beispiel die Obere Schleuse in Hinterhermsdorf ansteuern. © Heimatverein

Um eine nicht mehr vorhandene Brücke im Nationalpark Sächsische Schweiz gibt es seit fast fünf Jahren Streit und böse Worte. Die Brücke muss, so fordern es Einwohner des Sebnitzer Ortsteils Hinterhermsdorf, wieder aufgebaut werden. Doch alle Bemühungen, selbst die Verhandlungen der Stadt Sebnitz mit der Landesregierung, brachten kein Ergebnis. Jetzt haben Mitglieder des Heimatvereins die Initiative ergriffen, eine Petition an den Sächsischen Landtag geschickt – und einen Teilerfolg erzielt. Der Petitionsausschuss war unlängst vor Ort und ist bereit, sich des Themas anzunehmen. „Wir haben nun Chancen, dass die Brücke wieder aufgebaut wird“, sagt Manfred Dittrich vom Heimatverein und bedankt sich bei allen, die den Verein unterstützt haben, darunter der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Michel.

In einem mehrere Seiten umfassenden Papier legten die Mitglieder dar, warum die Brücke wichtig ist.

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Die Vorgeschichte: Über Nacht war die Brücke weg

Das Hochwasser der Kirnitzsch hatte 2013 die Brücke über die Kirnitzsch ramponiert. An dieser Stelle verläuft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. Der Fluss macht hier einen Bogen. Auf der flussabwärts gesehen rechten Seite liegt Sachsen, linker Hand Böhmen. Am äußeren Scheitelpunkt dieses Bogens geht es steil den fichtenbewachsenen Hang hinauf. Der historisch entstandene Weg führt deshalb unten im Tal entlang durch einen kleinen Zipfel tschechischen Gebiets. Von der Niedermühle kommend, quert der Weg die Kirnitzsch zweimal. Die erste Brücke führte von Deutschland nach Tschechien, die zweite Bücke war der Übergang zurück. Seit 1945 war die Brücke nicht mehr öffentlich zugänglich, auch nach 1990 zählte sie nicht zu den offiziellen Grenzübergängen. Der ausgeschilderte Wanderweg führt seitdem auf deutscher Seite außen um die Flussbiegung herum an dem steilen Hang entlang über einen schmalen Trampelpfad.

Die Landestalsperrenverwaltung und die Nationalparkverwaltung hatten 2013 das Bauwerk inspiziert und festgestellt, dass von ihm eine akute Gefahr ausgeht. Praktisch über Nacht kam die Brücke weg. Aus Sicht der Nationalparkverwaltung ist ein Neubau nicht vertretbar, weil das Gebiet in der geschützten Kernzone liegt. Der Heimatverein Hinterhermsdorf aber fühlt sich von der Behörde hintergangen.

Die Forderung: Die Brücke muss ersetzt werden

Der Heimatverein sieht es als seine Aufgabe an, alles zu unternehmen, um das Dorf und das Umfeld im Grenzwinkel zu Tschechien so anziehend wie möglich zu gestalten – um Abwanderung zu vermeiden, die Zahl der Touristen zu steigern und Arbeitsplätze im Ort zu erhalten. Absoluter touristischer Schwerpunkt ist aus Sicht des Heimatvereins die Obere Schleuse mit der historischen Kirnitzsch-Kahnfahrt.

Über 100 000 Besucher habe diese Attraktion vor 1990 pro Jahr angezogen, hat der Heimatverein recherchiert. Aktuell sind es weniger als 50 000 jährlich. Schon aus diesem Grund müsse alles getan werden, damit die Obere Schleuse nicht nur über den Zugang von Hinterhermsdorf aus zu erreichen ist, sondern auch bequem von tschechischer Seite her. Dort seien mittlerweile mehrere grenzüberschreitende Wanderwege wiederbelebt worden, so unter anderem der Weg vom Oberen Bahnhof Mikulasovice ins Weißbachtal und damit zur Oberen Schleuse.

© Grafik: SZ

„Der wachsenden Zahl der Besucher bieten wir einen gefährlichen Trampelpfad an“, heißt es in der Petition. Mit Grenzschließung 1945 wurde dieser Trampelpfad genutzt, als Notlösung. Nun muss er nach dem Abriss der rund 200 Jahre alten Brücke wieder genutzt werden. Der Weg bis dahin ist eher ein gemütlicher, könnte sogar von gehbehinderten Menschen oder von Familien mit kleineren Kindern genutzt werden. Mit der geforderten Brücke würde ein angenehmer Rundweg zur Oberen Schleuse möglich, hin über die Niedermühle und zurück über den Wettinplatz.

Aus tschechischer Sicht: Region muss sich auf mehr Wanderer einstellen

Zuspruch bekommen die Hinterhermsdorfer von tschechischer Seite. So bewirbt zum Beispiel das Haus der Böhmischen Schweiz in Krasna Lipa Kahnfahrten auf der Oberen Schleuse. „Die Stadt Krasna Lipa ist für einen Wiederaufbau der Brücke mit Rücksicht auf die steigende Zahl der Wanderer des Khaatales und der Kirnitzschklamm“, sagt Bürgermeister Jan Kolar. Auch der Vorstandsvorsitzende des Tourismusvereins Böhmische Schweiz unterstützt das. „Es ist überhaupt nicht zu begreifen, warum die Brücke beseitigt wurde“, sagt Zbynek Linhart. Sie wieder zu errichten, habe einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Tourismus in der Grenzregion.

Die Aussichten: Ausschuss lässt mehrere Varianten prüfen

Der Petitionsausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass im vorliegenden Fall die Schutzvorschriften für den Nationalpark mit den touristischen Zielen kollidieren. Die Mitglieder des Petitionsausschusses fordern die Landesregierung nun auf, zu prüfen, ob die Wanderstrecke am Fluss aufgrund der Eignung für Familien und Behinderte mit in das Wegenetz aufgenommen werden könnte. Und es soll geprüft werden, ob der Weg in seiner historischen Form, also mit Brücke, wieder hergestellt werden kann. In diesem Fall könnte der Trampelpfad der Natur überlassen werden.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und www.sächsische.de/sebnitz vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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