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AfD-Politiker zweifelt an Polizei-Darstellung

Rechtsextreme griffen in Königstein Polizisten an. Linke-Abgeordneter André Hahn verurteilt die Attacke scharf - und gilt nun als "Nestbeschmutzer".

Festnahme in Pfaffendorf nach rechtsextremen Ausschreitungen am Himmelfahrtstag. "Nicht ins mediale Bashing einstimmen."
Festnahme in Pfaffendorf nach rechtsextremen Ausschreitungen am Himmelfahrtstag. "Nicht ins mediale Bashing einstimmen." © SZ

Die Nachricht sorgte überregional für Schlagzeilen: Eine Gruppe Rechtsextremer hat am Himmelfahrtstag in Pfaffendorf in der Sächsischen Schweiz mehrere Polizisten attackiert. Die Beamten wurden am Abend ursprünglich wegen Ruhestörung auf ein Privatgrundstück nahe Königstein gerufen. Dort eskalierte die Situation, wie die Polizei mitteilte. Etwa 20 Personen sollen die Beamten bei ihrem Einsatz unvermittelt angegriffen haben. Es folgten insgesamt 30 Festnahmen, zudem wurden Waffen und Drogen sichergestellt. Wie sich herausstellte, waren einige der Festgenommenen einst Mitglied der verbotenen Neonazi-Gruppierung „Skinheads Sächsische Schweiz“.

Einer, der die rechtsextremistischen Ausschreitungen scharf verurteilt, ist Bundestagsabgeordneter André Hahn (Linke), der im Nachbarort Gohrisch lebt. Hahn äußerte gegenüber Sächsische.de, dass es im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nicht gelungen sei, rechtsextremistische und neofaschistische Strukturen nachhaltig zurückzudrängen und aufzulösen. Paffendorf sei ein Beispiel, das dies deutlich mache.

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Polizei sieht keine Widersprüche

Mit der Äußerung gilt Hahn nun als "Nestbeschmutzer". Diese Formulierung stammt von AfD-Landtagsabgeordnetem Ivo Teichmann, der zugleich Vorsitzender des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge ist und selbst in Pfaffendorf lebt. Teichmann, der die  Vorkommnisse auf Nachfrage von Sächsische.de bislang nicht bewerten will, veröffentlichte auf Facebook einen Beitrag, in dem er André Hahn "nestbeschmutzende Worte" vorwirft. Er selbst habe sich bewusst mit einer Bewertung zurückgehalten, weil er vorschnelle Urteile über Pfaffendorf verhindern und nicht in das "mediale Bashing" einstimmen wollte. "Selbstverständlich wäre jede Form rechtsextremen Treibens und Gewalt gegen Polizeibeamte abzulehnen", schreibt er. Teichmann hätte jedoch auch selbst recherchiert und dadurch ein anderes Bild vom Geschehen erhalten. 

"Es gibt erkennbar widersprüchliche Angaben", behauptet der AfD-Politiker. Was Teichmann damit meint, lässt er jedoch offen. Beispiele nennt er nicht. Widersprüche bei dem Vorfall in Pfaffendorf sieht die Polizeidirektion Dresden nicht. "Es gibt keinen neuen Ermittlungsstand zur Sachlage", sagt Pressesprecher Stefan Grohme. Die Attacke auf die Polizisten habe zweifelsfrei stattgefunden. 

Bundestagsabgeordneter André Hahn (Die Linke), Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) und Landtagsabgeordneter Ivo Teichmann (AfD, v.l.) vertreten unterschiedliche Positionen zu den Vorfällen in Pfaffendorf.
Bundestagsabgeordneter André Hahn (Die Linke), Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) und Landtagsabgeordneter Ivo Teichmann (AfD, v.l.) vertreten unterschiedliche Positionen zu den Vorfällen in Pfaffendorf. © SZ

Teichmanns verbale Attacke gegen den Bundestagsabgeordneten André Hahn bleibt indes nicht unbeantwortet. "Wer die rechtsextremen Vorfälle in Pfaffendorf derart verharmlost wie Herr Teichmann, hat entweder den Ernst der Lage nicht wirklich begriffen oder sympathisiert womöglich sogar mit deren Positionen", antwortet Hahn gegenüber Sächsische.de. Letzteres wäre ein verheerendes Signal - aber bei der AfD auch nicht wirklich verwunderlich, schiebt er nach.

Hahn appelliert in diesem Zusammenhang an die Mitglieder des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge, dessen Vorsitzender Teichmann ist. Die Vermieter sollten ernsthaft  darüber nachdenken, ob sie sich von diesem AfD-Abgeordneten noch immer richtig repräsentiert fühlen. "Hoffentlich erkennen viele Menschen in der Region inzwischen, wen sie 2019 in den Landtag gewählt haben", äußert Hahn. Teichmann betreibe seiner Meinung nach eine destruktive Politik und hätte selbst nichts Konstruktives zur Weiterentwicklung im Landkreis beizutragen. 

Bürgermeister will Ermittlungen abwarten

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Kritik richtet André Hahn auch an Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU). Er fordert eine klare öffentliche Position von ihm zu den Vorfällen von Pfaffendorf. Kummer distanzierte sich bereits von jeglicher Gewalt. "Solche Vorfälle können nicht geduldet werden", entgegnet er erneut Sächsische.de. Bevor er den Fall weiter bewertet, will auch Kummer die polizeilichen Ermittlungen und deren Ergebnis abwarten. Der Ratschef sei am Männertag in Pfaffendorf gewesen und hätte den Einsatz dadurch miterlebt. Kummer hätte kurz danach mit Anwohnern und auch Betroffenen gesprochen. "Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen zu dem Vorfall", sagt er - ebenfalls ohne Details zu nennen. 

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