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Ein Ehepaar – gemeinsam Pfarrer

Dörte und Matthias Paul kamen im Februar nach Görlitz. Dann schlossen wegen Corona die Kirchen. Heute werden die beiden endlich offiziell eingeführt.

Dörte und Matthias Paul sind die Nachfolger von Hans-Wilhelm Pietz als Pfarrer der Evangelischen Innenstadtgemeinde Görlitz.
Dörte und Matthias Paul sind die Nachfolger von Hans-Wilhelm Pietz als Pfarrer der Evangelischen Innenstadtgemeinde Görlitz. © Nikolai Schmidt

Einen so ungewöhnlichen Start wie das Ehepaar Paul hatte wohl noch nie ein Pfarrer in seiner neuen Gemeinde. Im Februar zogen Dörte und Matthias Paul nach Görlitz, um gemeinsam die Nachfolge von Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz und seiner Mitarbeiterin Ruth-Andrea Lammert anzutreten. Im März sollten die Beiden offiziell eingeführt werden. Doch dann kam Corona und damit der Lockdown.

Corona brachte die Gemeinde intensiv zusammen

Gottesdienste durften nicht mehr stattfinden, alle Chorproben, alle Konzerte fielen aus. Ältere Gemeindeglieder, besonders in den Pflegeheimen, wurden einsam ohne Besuche und den Kontakt zur Gemeinde. "In unseren ersten Monaten war also ganz viel zu organisieren", sagt Matthias Paul. "Und vielleicht lernten wir in dieser Zeit viele unserer Gemeindeglieder viel schneller und intensiver kennen, als es sonst geschehen wäre. Vielleicht auch andere, als wir sonst zuerst getroffen hätten." 

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Viele Mitglieder der Innenstadtgemeinde boten Hilfen an, gingen für Ältere und Kranke einkaufen oder organisierten Hausgottesdienste. Anderen galt es beizustehen, weil sie sich ängstigten, wegen der Krankheit oder einfach der neuen Situation, die so noch nie dagewesen war. Den Eltern der Jugendlichen, deren Konfirmation verschoben werden musste, konnten Dörte und Matthias Paul besonderes Verständnis entgegenbringen, auch weil sie selbst betroffen waren. 

"Seit 14 Tagen ist unser großer Sohn nun konfirmiert", sagt Matthias Paul, "und wir sind froh, dass die Zeit der leeren Straßen und Kirchen schon fast vergessen ist." Ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft werden die beiden Pfarrer nun heute endlich offiziell eingeführt: Um 14 Uhr findet der Gottesdienst in der Peterskirche statt.

Schwieriger Weg zum gemeinsamen Job

Eine gemeinsame Pfarrstelle in Görlitz – das bedeutet für Dörte und Matthias Paul ein neues Kapitel in ihrem Leben, das in den gemeinsamen 20 Jahren oft von der Suche geprägt war, gemeinsam in ihrem Beruf arbeiten und leben zu können. Weil Dörte Paul aus Dessau stammt und Matthias Paul aus Görlitz, war es vor allem in den ersten Jahren nicht ganz einfach, dieses Leben zu verwirklichen. 

Denn in der evangelischen Kirche ist es üblich, dass angehende Pfarrer ihr Vikariat, die erste Praxiszeit, in der heimatlichen Landeskirche absolvieren. Dörte Paul ging deshalb 2003 nach Köthen, was wie Dessau zur Evangelischen Landeskirche Anhalt gehört. Ihr Mann, der in der Zeit promovierte, zog mit. Als er danach sein Vikariat antreten wollte, musste die Familie – das erste Kind war unterwegs – ins Gebiet der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg ziehen, zu der Görlitz seit 2004 gehörte. Matthias Paul wurde Vikar an der Evangelischen Kreuzkirche in Görlitz, hier wurde 2005 sein erster Sohn geboren. 

Stadt hält mehr Abwechslung für Kinder bereit

Ihre erste gemeinsame Pfarrstelle konnten Dörte und Matthias Paul im Mansfelder Land antreten, in der Nähe von Halle, wo sie beide studiert hatten. 2015 kam dort ihr zweiter Sohn zur Welt. "Doch nach zehn Jahren sollte man die Pfarrgemeinde wechseln", sagt Matthias Paul. Das sei so üblich und ein neues Umfeld passte inzwischen auch besser zum Leben der Familie. 

"Auf dem Land gibt es für Jungen nur Feuerwehr oder Fußball", sagt Dörte Paul. Eine Stadt würde für die Kinder mehr Anregungen bereithalten, so ihre Hoffnung. Aus Görlitz wussten die Pauls, dass hier bald eine Stelle frei werden würde. Also bewarben sie sich – und hatten die Innenstadtgemeinde auf ihrer Seite, die sich aus zwei Bewerbern für das Ehepaar entschied.

In der Innenstadtgemeinde übernehmen Dörte und Matthias Paul die Pfarraufgaben zu jeweils gleichen Teilen. Beide feiern Gottesdienste, sind Ansprechpartner für Gemeindekirchenrat und Gemeindeglieder und vertreten die Innenstadtgemeinde nach außen. Bei den Gottesdiensten sind sie dankbar, auf ein größeres Team zurückgreifen zu können, zu dem die früheren Pfarrer Pietz und Schwarzbach, der ehemalige Generalsuperintendent Herche oder die Gemeindepädagogin Anika Arlt gehören.  

Kitas und offene Kirchen sind wichtige Aufgaben

Dörte Paul kümmert sich außerdem um die Aufgaben der Innenstadtgemeinde als Trägerin der drei Kitas Apfelbäumchen, Samenkorn und Lutherkirche. Matthias Paul organisiert den Bereich Offene Kirchen, den bisher Ruth-Andrea Lammert mit einer halben Stelle leitete, bis sie im Mai in den Ruhestand ging. Beides ist ihnen wichtig: "Auf den Kindern, die in unseren Kitas im christlichen Glauben erzogen werden, liegt unsere Hoffnung", sagt Dörte Paul. "Sie bereichern das Gemeindeleben von früh an und wachsen so in die Gemeinde hinein." 

Auch die offenen Kirchen seien eine zentrale Aufgabe, sagt Matthias Paul. "In unsere Kirchen kommen pro Jahr 100.000 Besucher zu Konzerten, zu den Orgelpunkten, zu Ausstellungen." Die Menschen, die Peters-, Frauen- und Dreifaltigkeitskirche offen halten und teilweise über das Jobcenter finanziert werden, sorgten häufig für den ersten Eindruck, den Besucher von Görlitz haben. "Deshalb ist es unsere Aufgabe, sie noch stärker ins kirchengemeindliche Leben zu integrieren und ihre Arbeit wertzuschätzen." 

Ankunft in der Innenstadtgemeinde

Zum Team der Gemeinde zählen nun mit den Pauls sowie Anika Arlt und ihrem Mann, dem früheren Pfarrer Bernd Arlt, zwei Ehepaare, die gemeinsam eine starke Kraft entfalten können. "Mit Reinhard Seeliger haben wir zudem einen sehr engagierten Kirchenmusikdirektor für alles Musikalische an unserer Seite", sagt Dörte Paul. Die Arbeit in einem solchen Team ist für sie und ihren Mann etwas Neues.

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"Auf dem Land, wo wir zuletzt zehn Gemeinden mit wenigen, vor allem alten Menschen betreuten, waren wir für vieles mehr als nur Kirche gefragt", sagt Matthias Paul. Bei einem Dorffest etwa werde erwartet, dass der Pfarrer es mitorganisiert. "In Görlitz müssen wir eher zusehen, dass wir uns als Gemeinde an Festen beteiligen können, was wir natürlich gerne tun." So sind Dörte und Matthias Paul mit ihren beiden Söhnen gut in Görlitz angekommen und freuen sich auf die bevorstehenden Herausforderungen.

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