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Kamenz: Der neue Pfarrer ist Dynamo-Fan

Uwe Peukert steht jetzt an der Spitze der katholischen Gemeinde. Er will die Kirche für ungewöhnliche Ideen öffnen - und hat eine sportliche Leidenschaft.

Uwe Peukert ist der neue Pfarrer für die katholische Kirchgemeinden in Kamenzer, Königsbrück und Oßling.
Uwe Peukert ist der neue Pfarrer für die katholische Kirchgemeinden in Kamenzer, Königsbrück und Oßling. © Matthias Schumann

Kamenz. Bei Temperaturen um die  30 Grad Celsisus muss es nicht die schwere Soutane sein. Pfarrer Uwe Peukert streift ein weißes Sommer-Messgewand über. Und betritt den Kirchenraum von Sankt Maria Magdalena in Kamenz. Der gebürtige Meißner ist seit vier Wochen neuer Pfarrer für rund 1.600 Katholiken in Kamenz, Königsbrück und Oßling. 

Momentan sei er noch dabei, in der neuen Gemeinde anzukommen. Zuletzt war Uwe Peukert in der Gemeinde Wurzen-Grimma tätig, allerdings als Leitender Pfarrer vor allem mit Verwaltung, Bauarbeiten und anderen mehr technischen Angelegenheiten beschäftigt. „Das hat mich nicht erfüllt, ich habe gemerkt, es gibt anderes. Gespräch und Begleitung sind meine Talente.“ Deshalb habe er sich neu orientieren wollen. Das Angebot war Kamenz. Denn seinen Vorgänger Pater Johannes Müller, einen Zisterzienser-Mönch, zog es schon nach zwei Jahren in Kamenz wieder zurück ins Kloster.

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Krisenhelfer und Kicker

„Ich habe mich zuerst inkognito hier umgeschaut“, gibt der Pfarrer zu. Danach sagt er: Das ist es. Dabei hätten auch das hübsche Städtchen und die landschaftliche Schönheit eine Rolle gespielt, denn er wandere gern. Jetzt könne er sich wieder mehr der Seelsorge und der Begleitung von Menschen widmen, das sei für ihn sehr wichtig. Denn der Pfarrer hat auch eine Ausbildung als Systemischer Familientherapeut. Er hilft Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Uwe Peukert hat die grüne Priester-Stola umgelegt. Die tauscht er in der Freizeit manchmal auch gern gegen den schwarz-gelben Dynamoschal. Die Nähe seines neuen Einsatzortes zu dem Dresdner Traditionsverein sei ein schöner Nebeneffekt, freut sich der neue Pfarrer. Dem Verein bleibe er natürlich auch nach dem Abstieg in die dritte Liga treu. Vielleicht finde er ja hier auch eine Fan-Gruppe, um gemeinsam ins Stadion zu fahren, überlegt Peukert. Zuletzt in der Nähe von Leipzig sei das eher schwierig gewesen.

Auch über eine Hallenfußballtruppe, bei der er einsteigen kann, würde er sich freuen. Gerade für einen Neuen in der Region sei es ja wichtig, viele Kontakte zu knüpfen, mit Leuten zu reden. Er kenne ja noch kaum jemanden. Als Neuer habe er den Vorteil in und außerhalb der Kirchgemeinde, unvoreingenommen auf die Menschen zuzugehen.

Vom Werkzeugmacher zum Pfarrer

Das ist auch wichtig, angesichts des Mitgliederschwundes. Die Kirche sei manchmal zu sehr mit sich selbst beschäftigt, schätzt Peukert ein. Deshalb wolle er mit Angeboten stärker nach außen treten, den Kirchenraum vielleicht für ungewöhnliche Ideen öffnen.  Vielleicht lasse sich ein Kirchencafé in der Stadt einrichten. Leere Schaufenster habe er gesehen. Er sei gespannt, was in Kamenz möglich ist. Wenn Interesse bestehe, stelle er sich auch gern in dem einen oder anderen Verein vor.

Dass er katholisch ist, liegt wohl an der Großmutter aus dem katholischen Westfalen, sagt der 55-Jährige. Er sei stark auf Distanz zum DDR-System gewesen, hat die Jugendweihe abgelehnt. Da habe die Kirche eine Nische geboten. Dort war er in der Pfarrjugend aktiv, erlebte engagierte Pfarrer. Es lag irgendwann der Gedanke nahe, in diese Richtung zu gehen. Ohne Abi oder einen Beruf wäre aber ein Theologiestudium unmöglich gewesen, deshalb sei er Werkzeugmacher geworden. Der Lehrberuf ebnete dann den Weg zum kirchlichen Abi und Studium. Handwerklich sei er nicht so begabt und auch jetzt froh gewesen, „dass mir die Leute hier in Kamenz beim Einzug geholfen haben“.

Der Start in Kamenz fällt mit Corona gerade in eine Krisenzeit. Sehr fragwürdig sehe er die zunehmende Zahl von Verschwörungstheorien. Das sei rational nicht zu erklären. Vernünftige Leute würden plötzlich krude Theorien verfolgen: „Das macht mich nachdenklich, auch die verhärteten Fronten. Wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben?“, frage sich der Pfarrer. Besser wäre es doch in dieser Krise, über unseren Lebensstil nachzudenken mit Überproduktion und Verschwendung. So habe er manche Einschränkung durchaus positiv empfunden, als Reduktion auf das Wesentliche.

Klebezettel auf den Kirchenbänken

Im Kamenzer Kirchenraum erinnern derzeit grüne Klebezettel an die Epidemie. Sie markieren die wenigen Plätze, die zum Gottesdienst besetzt werden dürfen - derzeit nur zwei pro Bankreihe, wo normalerweise sechs Gläubige Platz nehmen können. Durch die Krise habe der Gottesdienstbesuch leider einen Abbruch hinnehmen müssen, komme nun aber langsam wieder in Gang, so Peukert. So habe er im Pflegeheim St. Monika in dieser Woche das erste Mal seit März wieder einen Gottesdienst feiern können. Das Altenpflegeheim der Caritas soll kommende Woche folgen. Doch noch ist alles sehr eingeschränkt. Im Krankenhaus sei es zurzeit noch gar nicht möglich, Gottesdienste anzubieten.

Pfarrei-Sekretärin Bettina Wagner hofft, dass mit Uwe Peukert nach Jahren mit wechselnden Chefs wieder Kontinuität einzieht. Der neue Pfarrer selbst ist da zuversichtlich: „Bisher war ich immer am richtigen Ort.“   

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