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Pfarrer wird Feuerwehrmann

Gerd Krumbiegel in Großschönau leistet den Kameraden nach Unfällen Beistand. Jetzt auch als Mitglied der Feuerwehr. Das ist in der Geschichte der Wehr einmalig.

© Rafael Sampedro

Von Holger Gutte

Großschönau. Gerd Krumbiegel ist jetzt nicht nur Pfarrer in Großschönau. Der 40-Jährige gehört nun auch der freiwilligen Feuerwehr im Ort an. „Wir haben ihn im Februar per Handschlag in unsere Feuerwehr berufen. Das ist so üblich“, sagt Großschönaus Gemeindewehrleiter Fabian Hälschke. Gerd Krumbiegel macht das nicht, weil er als Pfarrer zu wenig Arbeit hat. Die hat er wirklich reichlich. Neben Großschönau ist der dreifache Vater mit seiner Kollegin Pfarrerin Zitzkat ebenso für die Kirchorte in Waltersdorf, Hainewalde und Hörnitz zuständig. Feuerwehr und Kirche sind für Gerd Krumbiegel schon immer eng verbunden gewesen. Nicht ohne Grund heißt der Feuerwehrspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

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Seit Herbst 2014 predigt er jetzt schon in Großschönau und den Kirchorten. Irgendwann sprach ihn mal der Gemeindewehrleiter an, ob er sich grundsätzlich eine Zusammenarbeit mit der Feuerwehr vorstellen könnte. „Ich habe sofort Ja gesagt. Mich hat die Arbeit der Feuerwehr schon immer interessiert und ich habe Fabian Hälschke auf dessen Anfrage hin gleich bei unserem ersten Gespräch Seelsorge für die Kameraden angeboten“, berichtet der Pfarrer. Es sollte damals eine Geste sein – nichts weiter. Aber daraus ist schnell mehr geworden. Mit seinem Eintritt in die Feuerwehr möchte der Pfarrer ein Zeichen setzen und darauf aufmerksam machen, dass die Kameraden gebraucht werden. Und spätestens mit der Taufe des neuen Tatra-Löschfahrzeuges der Großschönauer Wehr am 30. April vergangenen Jahres ist dann aus der Idee Ernst geworden.

Noch ist Gerd Krumbiegel ein passives Mitglied der Feuerwehr. Aber er kann sich vorstellen, dass daraus vielleicht mal mehr wird. Um richtig in die Ausbildung der Feuerwehr eingebunden zu werden, müsste er allerdings Lehrgänge absolvieren. Etwa 80 Stunden im Jahr sind dafür notwendig. Das wäre nicht so einfach. Denn seine Arbeit als Pfarrer steht an erster Stelle und soll nicht darunter leiden. Das bleibt nach wie vor seine Berufung.

Mit Gemeindewehrleiter Fabian Hälschke ist er überzeugt, dass er der Feuerwehr auch als passives Mitglied sehr hilft. Das hat sich schon 2017 nach dem Einsatz bei einem Verkehrsunfall zwischen Großschönau und Hörnitz gezeigt, als eine Frau dabei ums Leben kam. Für Gerd Krumbiegel ist es selbstverständlich gewesen, hier nachher Seelsorge anzubieten. Die Bilder von so einem Einsatz sind schwer zu verarbeiten. „Für die Kameraden ist es im Nachhinein angenehmer mit jemanden darüber zu sprechen, den sie kennen. Dann öffnen sie sich ganz anders“, erzählt Fabian Hälschke.

Gerd Krumbiegel sieht in der Berufung eines Christen und der in einer Feuerwehr durchaus Parallelen. Beide kümmern sich stellvertretend um jemanden, der in Not ist“, sagt er. Der Pfarrer legt Wert darauf, die Abläufe in einer Feuerwehr zu kennen. Die Kameraden sollen wissen, dass er ein Teil ihrer Wehr ist. Und sie haben ihn bereits gut aufgenommen, als er sich ihnen beim Dienst vorstellte.

„Wenn man bedenkt, dass es im Jahr etwa 1000 Einsätze der Rettungsdienste in Großschönau gibt, kann man nur ahnen, wie wichtig für die Helfer Beistand ist“, schildert Fabian Hälschke. Aus der Geschichte der Großschönauer Feuerwehr, die bis 1858 zurückreicht, kennt er kein Beispiel, dass ihr schon mal ein Pfarrer angehörte. Auch Gerd Krumbiegel weiß von keinem anderen Pfarrer in der Umgebung, der Feuerwehrmann ist. Aber es gibt welche. Das hat er jetzt erst von einem anderen Pfarrer aus den alten Bundesländern erfahren.

In Großschönaus Feuerwehr haben schon Fabrikanten, Apotheker und andere Persönlichkeiten des Ortes mitgewirkt – nun auch ein Pfarrer. Und Gerd Krumbiegel überlegt, vielleicht auch einen Feuerwehrgottesdienst in Großschönau anzubieten.