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Pfarrer Zink nimmt Abschied von Glaubitz

Der Pfarrer aus Siebenbürgen verlässt nach 20 Jahren die Gemeinde. Ist schon ein Nachfolger in Sicht?

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Von Nicole Czerwinka

Die ersten Umzugskisten sind schon gepackt, sagt Pfarrer Hans Zink. Doch in seinem Büro im Glaubitzer Pfarrhaus sieht noch alles aus wie immer. Am kommenden Sonntag wird er hier in der Kirche seinen letzten Gottesdienst halten. Danach geht der Pfarrer nach Schwarzenberg ins Erzgebirge.

„Ich habe schon, als ich vor 20 Jahren hierher kam, gesagt, ich möchte nicht bis zur Rente in Glaubitz bleiben“, sagt Hans Zink. Der 53-Jährige stammt aus Siebenbürgen in Rumänen und kam 1993 mit seiner Frau und den beiden großen Söhnen nach Glaubitz. „Glaubitz hatte damals lange nach einem Pfarrer gesucht, und ich bin durch einen Freund auf diese Stelle aufmerksam geworden“, erinnert er sich heute. So zog Zink mit seiner Familie nach Deutschland, um in Glaubitz eine zweite Heimat zu finden. „Es war am Anfang schon eine Umstellung. Hier waren ja nur zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung evangelisch, das war ich aus Rumänien anders gewohnt“, sagt Zink, und ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus.

„Ich wusste am Anfang nicht, bin ich nur für die Christen zuständig oder für die gesamte Gemeinde, das war eine Herausforderung“, erzählt er. Seine erste große Amtshandlung sei 1993 dann die Taufe von gleich 16 Kindern gewesen – ein kleines „Aufwinderlebnis“, wie es Zink beschreibt. Gerade in den Auf- und Umbruchjahren nach der Wende habe er den Menschen oft Mut zusprechen müssen. „Die Leute haben sich damals gefragt, ob sie hierbleiben oder lieber weggehen, wenn die Arbeitslosigkeit weiter zunimmt. Ich war immer bestrebt, ihnen eine Heimat in der Kirchgemeinde zu geben“, sagt Zink. Das ist auch einer der Gründe, dass er die Gründung von zahlreichen Kirchenkreisen während seiner Zeit als Pfarrer in Glaubitz rückblickend eigentlich noch wichtiger erachtet, als die zahlreichen Bauprojekte. „Wir haben viel gebaut in diesen 20 Jahren, da war erst die Kirche, dann das Pfarrhaus vor zwei Jahren, auch in Nünchritz gab es viele Projekte, aber das will ich gar nicht so voranstellen“, findet der Pfarrer. Auf Kirchgemeindeebene seien dagegen viele Treffpunkte wie der Hauskreis, verschiedene Musikkreise oder der Besuchsdienst entstanden. „Und da kamen dann vereinzelt auch Leute vorbei, die sonst nichts mit der Kirche zu tun hatten“, sagt er. Generell habe sein Büro immer für alle offen gestanden. „Ich habe hier Paare zum Gespräch geladen, die gern kirchlich getraut werden wollten, obwohl sie sonst nicht kirchlich eingebunden waren“, betont er. Für das offene Ohr, sein Verständnis ist Zink in Glaubitz beliebt.

Wenn er Mitte August mit seiner Familie nach Schwarzenberg aufbricht, wird Hans Zink die Gemeinde mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. „Es ist eine gute Gemeinde, ich bin schon ein wenig wehmütig, wenn ich gehe. Andererseits freue ich mich auf die neue Aufgabe in Schwarzenberg“, so Zink. Wenn ihn eine Kirchgemeinde in seiner Heimat Rumänien gerufen hätte, wäre er mit seiner Familie vielleicht auch wieder zurückgegangen. „Die Verbindung zu Siebenbürgen ist noch da, andererseits sind wir jetzt so lange hier und ich bin nach 20 guten Jahren in Glaubitz sehr gespannt auf das Neue“, sagt Zink. Ein Nachfolger für seine Stelle ist übrigens noch nicht in Sicht. Er kann erst gesucht werden, wenn Zink seine letzte Messe in Glaubitz gelesen hat.