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Pfarrerin: Man muss jedem Menschen eine Chance geben

Mit dem Läuten der Kirchenglocke kehrt im Grünlichtenberger Gemeindehaus eine bedächtige Stille ein. Den zahlreichen Zuhörern ist eine gewisse Spannung, aber auch Anspannung anzumerken. „Ich bin gespannt, was Frau Göckeritz erzählt.

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Von Nicole Natzschka

Mit dem Läuten der Kirchenglocke kehrt im Grünlichtenberger Gemeindehaus eine bedächtige Stille ein. Den zahlreichen Zuhörern ist eine gewisse Spannung, aber auch Anspannung anzumerken. „Ich bin gespannt, was Frau Göckeritz erzählt. Ich weiß ja wie es drinnen aussieht“ meint ein Freigänger, der mit zwei ehrenamtlichen Helfern der JVA gekommen ist.

Für Maria Göckeritz ist es der erste Vortrag im Umkreis des Waldheimer Gefängnisses. Dementsprechend fragt sie interessiert nach den Gefühlen der Anwesenden bei der Betrachtung der Gefängnismauern. Traurigkeit, Betroffenheit, Unbehagen, aber auch Freude über die eigene Freiheit werden da genannt.

Alle 14 Tage Gottesdienst

Sie selbst habe während ihrer Arbeit in Waldheim noch nie einen Moment der Angst gehabt. Seit 2007 arbeitet die Pfarrerin drei Tage in der Woche von 10 bis 20 Uhr in der JVA. „Dabei begleite ich die Gefangenen, ich kann ihnen aber keine Verantwortung abnehmen“, so Göckeritz. „Jesus kann für sie jedoch als eine Tür zur Freiheit fungieren“, fügt sie hinzu.

Neben 14-täglichen Gottesdiensten, gehören vorwiegend Einzelgespräche zu ihrem Arbeitsalltag. „Ich versuche dabei immer, den ganzen Menschen mit seiner Lebensgeschichte zu sehen“, gibt die Seelsorgerin Auskunft. Wichtig sei es, den Straftätern deren Schwächen, vor allem aber ihre Stärken aufzuzeigen. „Man muss den Menschen eine Chance geben, darf dabei aber nicht blauäugig sein“, äußert Göckeritz. Das Erstgespräch findet deshalb stets ohne Vorinformationen zum Gefangenen statt.

Ihr langer Arbeitsweg hilft der Seelsorgerin beim Verarbeiten der Eindrücke. „Aber wenn ich auf die Autobahn fahre, schalte ich um, von der Arbeit auf zu Hause“, so die Chemnitzerin.

Für den sonntäglichen Gottesdienst wird regelmäßig ein Posaunenchor eingeladen. In der diesjährigen Weihnachtszeit wird eine andere Gemeinde ein Krippenspiel in der Anstaltskirche vorführen. „Das ist eine schöne Abwechslung, aber durch die besondere Situation mit sehr viel organisatorischem Aufwand verbunden“, so die Pfarrerin.