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Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt trotz Corona?

Die Organisatoren brauchen dringend Klarheit, ob das Großereignis stattfinden kann. Jetzt hoffen sie auf ein Forum mit der Kulturministerin.

Zum Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt gehören auch die Pfefferkuchenkinder. Ob sie in diesem Jahr zum Einsatz kommen, ob der Markt überhaupt stattfinden kann, ist wegen Corona noch nicht klar.
Zum Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt gehören auch die Pfefferkuchenkinder. Ob sie in diesem Jahr zum Einsatz kommen, ob der Markt überhaupt stattfinden kann, ist wegen Corona noch nicht klar. © Archivfoto: Matthias Schumann

Pulsnitz. In Pulsnitz brodelt die Gerüchteküche: Mit dem Pfefferkuchenmarkt rückt das wichtigste Ereignis des Jahres langsam näher, aber nichts ist klar. Der Markt zieht über drei Tage regelmäßig  Zehntausende an, da wird es manchmal  eng  in den Gassen und um die Stände der neun Pulsnitzer Pfefferküchler.  Kann er diesmal unter Corona-Bedingungen überhaupt stattfinden? Spekuliert wird in alle Richtungen.

„Wir wissen es derzeit selbst nicht“, sagt Gabi Kotzsch, die Frau des Obermeisters der Pfefferküchlerinnung. Die Situation sei furchtbar. Selbst der Gesetzgeber habe offenbar noch keinen Plan, wie es nach dem 31. Oktober weitergehen soll. Dann endet das Verbot für Großveranstaltungen. Schon eine Woche später ist der Termin für den Pfefferkuchenmarkt. „Wir sind zuversichtlich“, schätzt Obermeister Peter Kotzsch ein. Unsicher sei die Lage, weil die Veranstalter noch keine Informationen hätten, auf welche Einschränkungen  sich der Pfefferkuchenmarkt und die Weihnachtsmärkte einstellen müssen. Jetzt wäre ja die Zeit, um am Hygienekonzept zu arbeiten.

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Marktgelände könnte erweitert werden

Die jüngste Zusage aus dem Sozialministerium, dass die Märkte stattfinden sollen, sei noch etwas wenig. Wenn beispielsweise Einlasskontrollen gefordert sind und Namenslisten mit den Besuchern geführt werden müssten, wäre es für Pulsnitz wohl das Aus. Es wäre schon schwierig, ja kaum machbar, ein geschlossenes Marktgelände auszuweisen, schätzt der Obermeister ein. Die Schleichwege seien nicht zu überblicken. Schon gar nicht, wenn das Markt-Areal erweitert werde, um den Besucherstrom zu entzerren und damit Corona-Abstandsregeln besser einhalten zu können. Das ist bei den Pfefferküchlern im Gespräch. So könnten die Goethe- und die Fabrikstraße mit einbezogen werden.

Der Obermeister befürchtet aber, dass der Markt dadurch viel von seinem Flair einbüßt. Schwierig werde es auch in den Stoßzeiten, das Geschehen um die Stände der  Pfefferküchler auf dem Mark zu ordnen: „Da muss die Eigenverantwortung jedes Einzelnen groß genug sein, um Abstand zu halten und Ansteckungsgefahren zu minimieren“, sagt Peter Kotzsch. „Wir müssen mit Vorsicht und Respekt mit der Krankheit umgehen“, fügt Gabi Kotsch an. 

Denkbar wären Richtungspfeile auf den Laufwegen. Fraglich sei für den Obermeister aber, ob sich das Publikum daran hält. Eine Maskenpflicht wäre denkbar. Selbst wenn nicht alle mitziehen würden, wäre ein Effekt da. „Am Glühweinstand funktioniert das freilich nicht“, so Kotzsch. Für die Pfefferküchler sei das ein Spannungsfeld. Was, wenn nach dem Ereignis Corona-Fälle auftreten und der Markt als Ausgangspunkt für einen Hotspot festgestellt werde? „Das möchten wir natürlich keinesfalls“, sagt Gabi Kotzsch.

Ministerium trifft noch keine klaren Aussagen

Die Regierung lasse die Organisatoren im Regen stehen, kritisieren etliche Pulsnitzer. Auch eine Anfrage von Sächsische.de brachte keine Klarheit. Jörg Förster, Pressesprecher  im sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, lässt wissen: „Es ist mehr als verständlich, wenn die Betreiber und Organisatoren von Weihnachtsmärkten oder auch vom Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt schon frühzeitig eine grundsätzliche Aussage darüber wollen, ob man mit den Vorbereitungen für den Dezember beginnen kann.“ Er sei sich bewusst, dass die Vorlaufzeit nötig sei. Es  sei ein wichtiges Anliegen, dass die Märkte stattfinden können - als touristische Attraktionen, gelebtes Kulturgut und als Wirtschaftsfaktor.

Allerdings wisse die Regierung auch, „dass diese Veranstaltungen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zeiten der Corona-Pandemie nicht genauso stattfinden können wie bisher“. Mit Details ist das Ministerium noch zurückhaltend. Alles hänge von den Gegebenheiten vor Ort ab und von den dann aktuellen Infektionszahlen. Die konkreten Möglichkeiten und Grenzen müssten zwischen den Organisatoren, den Kommunen und den örtlichen Gesundheitsämtern sorgfältig abgestimmt werden. Es wird für jeden Markt ein Hygienekonzept geben müssen.  Für Ende August ist in Dresden ein Weihnachtsmarkt-Forum zu den Fragen mit Kulturministerin Barbara Klepsch geplant.

Pfefferküchler bangen um ihre Existenz

Das klinge schon etwas hoffnungsvoll. Denn wenn immer mehr Organisatoren unter dem Auflagendruck absagen, dann leiden der ganze Handel, das Gastgewerbe und das Kunsthandwerk, sagt Gabi Kotzsch. Auch für die Pfefferküchler selbst stehe die Existenz auf dem Spiel. Selbst wenn Laden- und  Online-Verkauf gesteigert würden, könnte das die Verluste nicht kompensieren.

In den drei Monaten zum Jahresende erwirtschafte eine Pfefferküchlerei erfahrungsgemäß über die Hälfte des Jahresumsatzes. Wenn das wegbräche, wäre es katastrophal. „Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt“, so der Obermeister. So werde derzeit eher auf Sparflamme gebacken. Das habe auch mit den ganzen Märkten und Festen zu tun, die für den Sommer und den Herbst reihenweise abgesagt wurden.

Abgesehen davon laufen die Vorbereitungen für den Pfefferkuchenmarkt, die ja viel mehr umfassen, als zu backen. Von Straßensperrungen über Toiletten bis hin zum Feuerwerk ist vieles zu organisieren. Mit den Händlern und Schaustellen, die den Markt abrunden, haben die Organisatoren Absprachen getroffen. Sie stehen bereit, allerdings unter Vorbehalt. „Wir müssen dann einfach mehr arbeiten, wenn sich die Situation geklärt hat“, sagt der Obermeister. Er bleibt optimistisch und rechnet fest mit dem Pfefferkuchenmarkt.

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