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Radeberg

Pfefferkuchenmuseum - wie gehts weiter?

Um das Haus weiterzuentwickeln, hoffte Pulsnitz auf viel Geld vom Bund – scheiterte aber.

Backgeräte und Backtechnik gehören natürlich zur Ausstellung im Pulsnitzer Pfefferkuchenmuseum. Nach dem Aus bei einem Bundeswettbewerb wird es ohne das erhoffte Fördergeld mit der Modernisierung des Museums langsamer gehen.
Backgeräte und Backtechnik gehören natürlich zur Ausstellung im Pulsnitzer Pfefferkuchenmuseum. Nach dem Aus bei einem Bundeswettbewerb wird es ohne das erhoffte Fördergeld mit der Modernisierung des Museums langsamer gehen. © René Plaul

Pulsnitz fuhr sogar kulinarische Spezialitäten auf, um über den Gaumen die Herzen einer Bundesjury zu erreichen. Aber auch die Pfefferkuchenpastete konnte offenbar nicht den erhofften Zuschlag für eine Millionenförderung der Bundesstiftung Kultur für Ostsachsen bringen. Beteiligt an dem Projekt war auch das Museum der Westlausitz in Kamenz und das Haus Schminke in Löbau – das Pfefferkuchenmuseum war aber federführend. Bei dem Bundeswettbewerb ging es um den Wandel in der Kulturlandschaft. 

Für Pulsnitz um den Wandel in der Museumslandschaft hin zu einer Ausstellung in den beiden Häusern, die auch in der Zukunft ihr Publikum begeistert. Mit dem Pfefferkuchen als dem Publikumsmagneten im Zentrum. Außerdem spielte die Kooperation unter den Museen eine Rolle unter der Überschrift „Leben, Laufen, Lecker“. Lokal habe man sich ebenfalls Partner gesucht, um ein Netzwerk von Vereinen, Museen, Tourismus, Gastronomie zu verknüpfen.

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Sachsen geht leer aus

Vielleicht sei das alles zu komplex gewesen mit den vielen Beteiligten, sagt Andreas Jürgel. Er ist Geschäftsführer der Pulsnitzer Kultur- und Tourismusgesellschaft und hatte die Bewerbung mit auf den Weg gebracht. Die Enttäuschung kann er nicht verbergen. Es sei ärgerlich. Zumal sogar zwei Bewerber mehr als ursprünglich geplant von der Jury ausgewählt wurden.  Aber kein sächsischer Beitrag. Die Sieger kommen gleich zweimal aus Mecklenburg, aus Sachsen-Anhalt, auch aus dem Rheinland und Hessen. Auch Markneukirchen mit einem Konzept als Zentrum des Musikinstrumentenbaus sei durchgefallen. Es sei schwer zu sagen, worauf der Fokus der Jury lag. 

Schaue man in die Themen anderer Bewerber, sei es viel um Musik und Tanz gegangen, also thematisch eher eingeschränkt. Damit konnten die Museen in Pulsnitz und Kamenz nun weniger dienen. Deshalb habe Pulsnitz jetzt noch einmal um eine detaillierte Stellungnahme gebeten: „Wir wollen ja auch für künftige Bewerbungen lernen, damit es besser läuft.“ 

Die Jury ließ bisher nur wissen: „Wir haben uns sehr über die Entwicklung in der Region gefreut, die bereits in der Entwicklungsphase angeregt wurde“, heißt es. Man hoffe, die Projekte würden dennoch weiterverfolgt. Darum geht es nun. Andreas Jürgel spricht von kleinen Schritten. So hätte das Fördergeld ja auch zusätzliches Personal ermöglicht. Nun bleibe die Personaldecke mit vier Festangestellten dünn. Es fehle an Manpower. Im Januar soll es ein Treffen beim Kulturraum geben, der das Projekt ja unterstützt hat und vielleicht auch weiter fördert. Das wird sich zeigen.

Erst mal das Archiv durchstöbern

Es sei ein Rückschlag und für alle traurig, so Andreas Jürgel. Der Aufwand sei nicht umsonst gewesen. Dennoch sei es jetzt wieder wie ein Neustart. Offen sei, was aus den Kooperationen wird. Die mit dem Bienenmuseum in Oberlichtenau werde sicher fortgeführt. Mit dem Museum der Westlausitz in Kamenz könne er sich das auch gut vorstellen.

Auch an der Umstrukturierung des Pfefferkuchenmuseums wolle Jürgel festhalten. Es bedeutet, dass der Bereich Pfefferkuchen vom Museum am Markt auf die Stadtmuseums-Räume in der Goethestraße ausgedehnt wird. Der Fundus sei groß. Dort soll das Thema aber mit der Stadtgeschichte und mit dem großen Bereich der Lebensmittel in Verbindung gebracht werden. So kann zum Beispiel der Bogen zu einzelnen Zutaten wie dem Honig oder dem großen Sohn und Reformator der Landwirtschaftslehre, Julis Kühn, geschlagen werden. Das Archiv werde weiter gesichtet. Es berge immer noch Überraschungen in vergessenen Schränken. Erst dann habe er den Überblick, was die künftige Dauerausstellung bereichern kann und welche Exponate in den Fundus wandern. 

Das werde in diesem Jahr die Hauptaufgabe, bevor der Umbau des Museums beginnen kann. Zumal im zweiten Halbjahr und je näher der Advent kommt, die Führungen und das Schaubacken dominieren: „Wir sind froh, dass sie so gut angenommen werden.“ Gerade die pädagogische Arbeit mit Schulklassen könnte aber auch in der Nebensaison stattfinden, wünscht sich Andreas Jürgel und den Veranstaltungsstau im Herbst entschärfen. Denn sie ließe sich bestimmt gut ergänzend zum Unterricht einbinden, wenn es ums Thema Lebensmittel geht.

Ziel des neuen Konzeptes war und ist es auch, das Museum ins digitale Zeitalter zu bringen. Nicht nur bei der Archivierung, sondern auch in der Ausstellung. Geld aus dem sächsischen Mitmachfonds macht das möglich. Zumindest einen kleinen Schritt wollen die Pulsnitzer noch in diesem Frühjahr gehen und in eine digitale Infostele mit Bildschirm, einem Touchscreen aufbauen. Die ist nach Wunsch programmierbar und entführt mit interaktiven Angeboten, mit Bild und Ton in die Welt der Pfefferkuchen. Für Kinder solle es etwas zum Rätseln geben. Diese Infostelen seien universell.

Außerdem schafft das Museum zwei Elektroladestationen für Fahrräder an. Ein solches Angebot gehörte mit zum Konzept. Gern würde Andreas Jürgel auch noch eine zweite Stele anschaffen – zum Beispiel als Touristinfo mit interaktivem Stadtplan. Das sei aber eine Geldfrage, nach dem Wettbewerbs-Aus umso mehr.


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