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Pferd in Güllegrube gestürzt

Der Hengst war von der Koppel verschwunden. Er befand sich in einer misslichen Lage. Das war nicht das einzige Problem. 

Ein etwa sieben Jahre alter Hengst war in der Nacht zum Dienstag in eine alte Güllegrube am Chorener Schloss gestürzt. Feuerwehrleute, Mitarbeiter des Bauhofes und eine Tierärztin kümmerten sich um das Tier.
Ein etwa sieben Jahre alter Hengst war in der Nacht zum Dienstag in eine alte Güllegrube am Chorener Schloss gestürzt. Feuerwehrleute, Mitarbeiter des Bauhofes und eine Tierärztin kümmerten sich um das Tier. © Cathrin Reichelt

Choren. Gegen 21.30 Uhr am Montagabend hatte eine Mitarbeiterin des Schlosses in Choren auf der Pferdekoppel die Tränke mit Wasser aufgefüllt. Da war noch alles in Ordnung. Aber am nächsten Morgen war der Hengst weg.

Der hatte sich jedoch nicht von seinem Außengehege entfernt. Gegen 5.30 Uhr fand der Hausmeister das Tier, eingeklemmt in einer kleinen Güllegrube. Wie lange das Pferd dort schon ausgeharrt hatte, ist unklar. Allein konnten die Besitzerin und ihre Mitarbeiter den Hengst jedoch nicht befreien. Sie riefen neben der Tierärztin auch Feuerwehr, Polizei und den Lüttewitzer Bauhof an.

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Geschafft! Das Tier ist wieder frei.
Geschafft! Das Tier ist wieder frei. © Cathrin Reichelt

Sehr aufgeregt beobachtete die Besitzerin die Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Bauhofes. Und sie war nicht allein. Neben ihr stand eine hochschwangere junge Frau. Auf sie sollte sich an diesem Morgen eigentlich alle Aufmerksamkeit richten. Denn sie hatte einen Vorsorgetermin und die Tierhalterin wollte die werdende Mutter zur Untersuchung bringen.

Bevor die beiden jedoch starten konnten, bereiteten sie noch eine Box vor, in der sich das Pferd nach seiner Rettung erholen soll. Doch die Bergung war nicht ganz einfach. Die Güllegrube war klein und der Kopf des Pferdes eingeklemmt.

Einige Äste des danebenstehenden Baumes mussten weichen, damit die Feuerwehrleute genügend Freiraum zum Arbeiten hatten. Angeseilt und sich gegenseitig sichernd, schaufelten die Kameraden Erde beiseite, um die Grube etwas zu vergrößern.

Erster Hebeversuch abgebrochen

Gegen 7.30 Uhr das erste Aufatmen. Der Kopf des Tieres war frei. Die Tierärztin stieg mit hinunter bis zum Rand der Grube, um das Tier zu beruhigen. Insgesamt ließ der Hengst alles, was um ihn herum geschah, relativ gelassen über sich ergehen. Sogar als ihm das Hebegeschirr angelegt wurde. Dazu nutzten die Kameraden eine Art überdimensionale, gebogene Nadel, mit der sie die Gurte unter dem Körper des Pferdes durchzogen. Dadurch musste niemand in die Güllegrube hineinsteigen.

In der Zwischenzeit war ein Bagger auf dem unebenen Gelände seitlich der Grube in Stellung gegangen und stabilisiert worden. Denn das Pferd wiegt geschätzte 800 Kilogramm. Ganz sicher war sich der Mitarbeiter des Bauhofes nicht, ob der Bagger diesem Gewicht standhält, ohne zu kippen.

Er versuchte es und fuhr die Schaufel aus, an der die Gurte befestigt wurden. Der erste Hebeversuch wurde sofort wieder abgebrochen und noch weitere Seile an den Gurten, die um das Pferd gelegt waren, befestigt.

Um den Hengst zu beruhigen, hatte die Tierärztin ihm nicht nur eine leichte Spritze verabreicht, sondern auch ein Tuch über die Augen gelegt. Trotzdem wehrte sich das Pferd gegen den ungewohnten Druck auf seinen Körper. Und der zweite Versuch glückte. Nur wenige Sekunden schwebte das Tier durch die Luft und stand dann gegen 8 Uhr wieder auf seinen Beinen. Der Hausmeister des Schlosses beruhigte es mit der Tierärztin, die den Hengst in seine Box führte und sich dort weiter um ihn kümmerte. Bis auf eine Schürfwunde an einem Bein, hat sich das Tier offenbar nicht verletzt.

Tierischer Freund soll helfen

Insgesamt waren drei Feuerwehren und acht Kameraden im Einsatz. „Die Chorener waren mit zwei Leuten nicht handlungsfähig, deshalb wurde auch die Döbelner Ortswehr alarmiert“, erklärt Einsatzleiter Lutz Hesse. Die rückte mit den Fahrzeugen aus, die alles für eine Tierrettung an Bord hatten. Hätte der Bagger das Pferd nicht aus der Grube heben können, wäre dafür die Drehleiter der Döbelner Wehr genutzt worden.

Das Pferd, das früher auch Rennen gelaufen ist, hat im Stall inzwischen einen tierischen Freund zur Seite gestellt bekommen. „Körperlich geht es ihm sehr gut. Jetzt hoffen wir, dass er sich auch psychisch schnell erholt“, sagt seine Besitzerin, die den Feuerwehrleuten für ihre Hilfe sehr dankbar ist. Zur schnellen Genesung soll auch die doppelte Ration Futter beitragen, die der Hengst, der heute nur noch Freizeitreiter trägt, eine Weile bekommt.

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