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Zittau

Wollte der Pferde-Killer auch Sabo töten?

Der Pferde-Killer muss eine große Stichwaffe benutzt haben. Überall sind Pferdebesitzer in Sorge. Die Polizei ermittelt jetzt in zwei Fällen.

Katrin und Reiko Röthig mit ihren Kindern und einem der beiden Hütehunde auf ihrer Koppel gleich hinter ihrem Haus in Berthelsdorf. Die 29-Jährige hält hier das verletzte Pferd ihrer Freundin.
Katrin und Reiko Röthig mit ihren Kindern und einem der beiden Hütehunde auf ihrer Koppel gleich hinter ihrem Haus in Berthelsdorf. Die 29-Jährige hält hier das verletzte Pferd ihrer Freundin. © SZ/Holger Gutte

Sabo geht es den Umständen entsprechend gut, würde man umgangssprachlich sagen. Alle, die ihn kennen, leiden mit ihm. Ein Pferde-Killer hatte den neunjährigen Mecklenburger Warmblut-Wallach am Freitagabend versucht abzustechen. Einiges deutet darauf hin, dass es der selbe Täter gewesen sein könnte, der vor wenigen Tagen eine Stute in Dürrhennersdorf brutal zu Tode gestochen hat.

Sabos Besitzerin Katja Hertwig ist am Montag zu Hause geblieben. An Schlaf ist nicht zu denken. "In Gedanken sieht man immer wieder das Pferd friedlich auf der Koppel stehen und sieht, wie sich jemand ihm nähert und brutal mit einem riesigen Messer auf das Pferd einsticht", sagt sie. Diese Bilder gehen ihr nicht mehr aus dem Kopf. Ihr Leben hat sich seit Freitagabend verändert. "Man funktioniert nur noch", sagt sie. Etwa 15 Zentimeter ist die Wunde tief und über 25 Zentimeter lang. Wer läuft hier mit seiner Stichwaffe rum und ist so brutal? Das fragt nicht nur sie sich. 

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Der Kemnitzer Tierarzt Hagen Stark hatte Sabos große Wunde noch am späten Freitagabend auf der Koppel unter dem Lichtschein von Scheinwerfern genäht. Heute war er wieder da. "Die Wunde verheilt gut", sagt er. Sabo steht aber noch unter Antibiotika. Um Fliegen von der Wunde fernzuhalten, ist sie mit einem speziellen Mittel versorgt worden. Denn Fliegenmaden oder eine Entzündung darf das Pferd jetzt auf keinen Fall an der Wunde bekommen. Hagen Stark will aller zwei bis drei Tage nach Sabo sehen.

Katja Hertwigs Freundin Katrin Röthig ist heute sogar zum Arzt gegangen. Die 29-Jährige ist schwanger. Sie hat Sabo am Freitag gegen 21 Uhr als erste so zugerichtet gesehen. Die Koppel ist nur 30 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt. Auch das Pferd von Familie Röthig gehört zu den drei Pferden, die hier auf der Koppel stehen. Katrin Röthig mag nicht daran denken, was vielleicht passiert wäre, wenn ihre zwei Hunde nicht angeschlagen hätten. Erst am Abend des 11. Mai war schließlich in Dürrhennersdorf eine Stute brutal zu Tode gestochen worden. 

Die ganze Nacht leuchten Scheinwerfer

"Wir haben jetzt die Koppel eingezäumt, dass sie komplett von unserem Schlafzimmerfenster einsehbar ist", erzählt sie. Ihr Mann Reiko hat große Scheinwerfer aufgestellt, die die ganze Nacht hindurch leuchten. Röthigs haben deshalb extra ihre Nachbarn gefragt und sind froh, dass sie Verständnis dafür haben. Die Scheinwerfer leuchten nicht in ihre Fenster.

"Ausgerechnet Sabo und das Pferd in Dürrhennersdorf. Da muss doch jemand richtig seine Pferdeopfer ausspionieren", findet Christina Richter. Sie betreibt in Obercunnersdorf eine Oberlausitzer Tierheilkunde, bietet unter anderem Reitunterricht,  Physiotherapie sowie Osteopathie für Pferde an. Christina Richter kennt Sabo und es tut ihr um ihn so leid. 

"Die Koppel von Sabo und den beiden anderen Pferden ist doch von der Dorfstraße aus gar nicht zu sehen", schildert sie. Das macht ihr richtig Angst. Neun Pferde hat sie in ihrem Stall. "Wir sind eine Haltergemeinschaft", sagt sie. "Eigentlich kann nichts passieren. Die Pferde sind nachts im Stall und sie schläft direkt darüber. "Trotzdem macht man sich Sorgen und fürchtet, von irgendwem ausspioniert zu werden", sagt sie. Christina Richter geht jetzt spät abends extra noch mal in den Stall, um nach dem Rechten zu sehen. Und der Hund wird viel später reingeholt.

Auch andere Pferdehalter sorgen sich. "Das ist einfach furchtbar, was hier geschehen ist", sagt Henrik Wintzen. Er hat drei Pferde in Lückendorf stehen. Abends holt er sie in den Stall - wahrscheinlich nun etwas früher. 

Sechs Pferde vergiftet, eines starb

"Ich hoffe, dass man den Täter findet und für ihn, dass er nicht vor der Polizei jemandem in die Hände fällt, der Reiter ist", sagt Torsten Gösele. Er ist der Vorsitzende vom Reitverein Großhennersdorf. "Natürlich machen wir uns alle Sorgen, aber einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Rund 25 Pensionspferde stehen im Stall des Vereins. Er kann mitfühlen, wie es der Besitzerin geht. Vor ein paar Jahren hatte mal jemand Giftköder auf ihrer Koppel ausgelegt. Fünf bis sechs Pferde hatten auf einen schlag schwere Koliken. Eines verstarb an den Spätfolgen. Der Täter wurde nie gefunden.

"Als Pferdehalter ist man jetzt schon sensibilisiert nach den Vorfällen. Das ist einfach grauenhaft", sagt Stephan Meyer. Er hat zwei Pferde, die auch auf einer Koppel stehen.

Arndt Schröter hat jetzt in Oberseifersdorf seine beiden Pferde erst einmal auf die Wiese am Haus geholt. Nachts sind sie ja im Stall, erzählt er.  

Wachsamer sind auch die Pferdesportler vom OSV Zittau. "Wir haben 30 Pferde hier ", sagt Abteilungsleiter Frank Johnel. Der größte Teil sind Pensionspferde. Manche stehen im Stall und andere in so genannten Offen-Ställen. "Aber selbst im Stall gibt es keinen 100-prozentigen Schutz. Man könne ja keine Box verrammeln. Schließlich muss man sie im Brandfall schnell heraus bekommen. 

Der Reit-, Fahr- und Zuchtverein Niederoderwitz hofft durch seine Lage mitten im Zentrum von Niederoderwitz geschützter zu sein. "Wir haben aber auch unsere Koppelfläche videoüberwacht", sagt Vereinsvorsitzender Oliver Hofmann. 

Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und bittet um die Mithilfe der Bevölkerung. Insbesondere prüfen die Ermittler jetzt einen Zusammenhang mit dem niedergestochenen Pferd am 11. Mai  in Dürrhennersdorf. 

Zeugenaufruf der Polizei

Wer hat am Freitagabend etwas Verdächtiges beobachtet oder kann Angaben zu möglichen Tätern machen. Hinweise nimmt die Kriminalpolizeiinspektion unter der Rufnummer 03581 468 - 100 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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