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Viele erfüllen sich ihren Mädchentraum

Reiten in der Freizeit ist im Landkreis Görlitz sehr beliebt. Aber auch hier hat Corona Folgen.

Serafina-Cassandra Marx und Nina-Marlen Marx mit ihren Pferden Escurial und Apollo (von links) sind Freitzeitreiterinnen aus Görlitz.
Serafina-Cassandra Marx und Nina-Marlen Marx mit ihren Pferden Escurial und Apollo (von links) sind Freitzeitreiterinnen aus Görlitz. © Gabriela Lachnit

Als die Görlitzerin Juliana Marx vor etlichen Jahren der Einladung einer Nachbarin nach Leuba auf einen Bauernhof mit Pferden folgte, war es geschehen: Ihre Töchter Nina-Marlen (17) und Serafina-Cassandra (15) verliebten sich unsterblich in die Vierbeiner. 

"Ja, dort fing alles an", erinnert sich Nina-Marlen. Sie und ihre Schwester saßen mit drei beziehungsweise fünf Jahren erstmals auf einem Pferd. "Unser Mädchentraum ging in Erfüllung", sagen sie. Vor einigen Jahren bekamen die Schülerinnen des Augustum-Annen-Gymnasiums jeweils ein eigenes Pferd. 

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Es ist nicht einfach, ein Pferd zu haben

Bald wurde aus dem Mädchentraum viel mehr, vor allem richtig viel Arbeit. Mindestens vier Mal in der Woche sind die Gymnasiastinnen für etliche Stunden mit ihren Pferden zusammen. Schnell haben sie bemerkt, dass es "nicht so einfach ist, ein Pferd zu haben, wie viele denken." Man brauche viel Geduld, Liebe und Geld, trage hohe Verantwortung und darf sich auch für schmutzige Arbeit nicht zu schade sein, sagen die Görlitzerinnen. 

Das Reiten selbst sei zwar eine Herausforderung, aber es bietet ein unbeschreibliches Gefühl an Freiheit, das für Vieles entschädigt. Sportliche Ziele steuern Nina-Marlen und Serafina-Cassandra Marx nicht an, probieren sich trotzdem im Dressur- und  Springreiten mit ihren Pferden aus. "Wir sind eben Freizeit-Reiterinnen."

26 Pferdesportvereine im Landkreis Görlitz

So wie die beiden Görlitzerinnen sehen es offenbar viele Menschen im Landkreis. Die Zahl der Pferde nimmt zu, wie das Veterinäramt bestätigt. Derzeit sind dem Amt im Kreis rund 1.300 Halter mit 3.400 Pferden bekannt.

Die Struktur der Pferdehalter ist breit gefächert. Privatpersonen halten Pferde, gewerbliche Unternehmen züchten sie oder führen einen Reit- und Fahrbetrieb. Es gibt private Haltergemeinschaften ebenso wie gewerbliche Betriebe zur Pensionspferdehaltung sowie auch Reit- und Fahrsportvereine. Im Kreis sind 26 Pferdesportvereine registriert, ebenso sieben gewerbliche Unternehmen.

Mario Henschel kümmert sich auf dem Rosenhof in Görlitz-Biesnitz um Pferdestall und Pensionsbetrieb. 
Mario Henschel kümmert sich auf dem Rosenhof in Görlitz-Biesnitz um Pferdestall und Pensionsbetrieb.  © André Schulze
Simone Stiefelmeyer ist die Inhaberin des Tannehofes in Groß Krauscha.
Simone Stiefelmeyer ist die Inhaberin des Tannehofes in Groß Krauscha. © Steffen Gerhardt
Beim Osterreiten, einem sorbischen Brauch, kommen viele Pferdehalter mit ihren Tieren zusammen. 2020 fiel das Reiten wegen der Corona-Pandemie aus.
Beim Osterreiten, einem sorbischen Brauch, kommen viele Pferdehalter mit ihren Tieren zusammen. 2020 fiel das Reiten wegen der Corona-Pandemie aus. © Daniel Förster
Nicht alle Pfere werden gut und artgerecht gehalten. Das Veterinäramt des Landkreises versteigerte in Biehain Pferde aus schlechter Haltung.
Nicht alle Pfere werden gut und artgerecht gehalten. Das Veterinäramt des Landkreises versteigerte in Biehain Pferde aus schlechter Haltung. © André Schulze

Teures Hobby

Von einem Pferdeboom im Kreis will der Pferdewirt Mario Henschel vom Rosenhof Görlitz nicht sprechen. "Ich habe in diesem Jahr eher das Gefühl, dass es weniger Pferdehalter werden", sagt er. Viele Pferdezüchter hätten die Zucht eingestellt, zumindest für den professionellen Pferdesport. Im Rosenhof hat Henschel derzeit sogar drei Pferdeboxen frei. Zwei polnische Pferdebesitzer holten ihre Pferde zurück, kurz bevor die Grenze geschlossen wurde wegen Corona. Eine Freizeitreiterin verlor ihren Job und musste das Pferd verkaufen. 

Peter Wagner vom sächsischen Landesverband Reitsport sagt:  "Ein Pferdeboom lässt sich statistisch nicht erfassen." Aber er sieht, dass der Pferdesport in den vergangenen Jahren einen Zuwachs erlebte. Das nötige Kleingeld dafür scheint vorhanden zu sein, sagt er. Der Reitsport ist ein teures Hobby. Mit 250 bis 800 Euro pro Monat müsste allein für das Pferd gerechnet werden. Die Preise für den Pferdekauf schwanken, sind derzeit etwas gefallen. Wagner sieht vor allem den Hobbybereich im Pferdesport im Aufschwung. "Die wenigsten Reiter wenden sich dem Turniersport zu", sagt er.

Einen Pferdeboom gibt es im Kreis Görlitz nicht

Von einem Pferdeboom will auch Simone Stiefelmeyer, Inhaberin des Tannehofes Groß Krauscha, nicht sprechen. Einen Vergleich zu früher anzustellen sei schwierig da, die Pferdehaltung erst seit wenigen Jahren beim Veterinäramt anzuzeigen ist. Im Tannehof sind in den letzten Jahren wegen großer Nachfrage immer wieder Boxen für Pferde angebaut worden, aber jetzt gibt es sogar freie Kapazitäten. Simone Stiefelmeyer sieht das im Zusammenhang mit Corona. Es gebe nur wenige große Arbeitgeber in der Region, die sehr gut und nach Tarif zahlen. "Hier könnte es durch Arbeitslosigkeit und lang anhaltende Kurzarbeit sogar einen Abbruch in der Pferdehaltung im Hobbybereich geben", sagt sie.

Zwar sehen Simone Stiefelmeyer und Mario Henschel gleichermaßen, dass der Pferdesport vorrangig von gut betuchten Menschen ausgeübt wird. Aber es gebe dennoch auch Menschen, die den Vierbeinern so verbunden sind, dass sie trotz kleinem Einkommen den letzten Cent fürs Pferd ausgeben und selbst auf Vieles verzichten.

Pferdesport bleibt ein Mädchentraum

Auslöser für die große Pferdeleidenschaft seien vor allem verschiedene Medien, sagen sowohl die Inhaberin vom Tannehof als auch Peter Wagner vom Landesverband. In Zeitschriften und manchen Fernsehfilmen werden die Tiere sozusagen als Spielgefährten dargestellt.  Das spreche vor allem Mädchen an. Und so kommt es, dass im Rosenhof zum Beispiel kein einziger Junge Freizeitreiter ist. Im Tannehof ist das ähnlich. In den Reiterferien waren zwei Jungen und viele Mädchen dabei. Einer der Jungs bleibt vielleicht dem Reitsport treu. Simone Stiefelmeyer kann mit der großen Überzahl an Mädchen leben. "Hauptsache, sie sind mutig und sportlich", sagt sie.

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Für Nina-Marlen und Serafina-Cassandra Marx jedenfalls ist Letzteres kein Thema, sie haben schon lange den Mut, mit den großen Vierbeinern umzugehen. Sportlich sind sie allemal, und das nötige Rüstzeug für den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Pferden haben sie sich im Laufe der Jahre erarbeitet.

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