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Pferdestall wird Kräuterladen

In der Stadt gibt es jetzt einen Kräuterladen. Angesichts der Ortsgröße ist der Handel noch gut vertreten. Viele Geschäfte stehen aber weiterhin leer.

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Von Holger Gutte

Stolz zeigt Andrea Urban ihr „Kräuterlädchen“ in Seifhennersdorf. Kurz vor dem Jahreswechsel ist es fertig geworden. Dort, wo sich im Umgebindehaus am Feldhäuserweg 8 früher der Pferde- und ein Teil des Kuhstalles befanden, ist nun ein schmucker Raum entstanden.

Im März 2010 hatte die 35-jährige Mutter von drei Kindern hierfür einen Antrag auf Fördermittel durch das Programm Integrierte ländliche Entwicklung (Ile) gestellt. Und im August noch vor der Flut auch die Zusage erhalten. „Weil die Baufirmen dann natürlich mit anderen Aufträgen eingebunden waren, haben wir noch mehr, als ursprünglich geplant, selber gemacht“, erzählt sie. Die herrliche Gewölbedecke ist jetzt sandgestrahlt. Durch die hellen Wände kommt der Granitsockel in der Mitte nun richtig zur Geltung. Der Raum ist gefliest und in den Schränken steht all das, was Andrea Urban zum Verkauf anbietet. Alles selbst gemacht. So hatte sich Andrea Urban immer ihren Veranstaltungs- und Verkaufsraum vorgestellt. Die Schränke sind voll mit Maiblumenbitter, für den sie natürlich die Löwenzahnblüten von der Wiese am Haus nutzt. Rosenlikör- und -sirup und vor allem viele Kräutervariationen in flüssiger und getrockneter Form. „Mein Bestes für die Kinder ist der Indianernesselsirup“, sagt sie. Indianernesselstauden wachsen im Steingarten. Der Saft ist fruchtig süß – fast wie Limo.

Die Gartenbau-Ingenieurin hofft, dass sie irgendwann davon leben kann. Momentan ist ihr „Kräutererlebnis“ nur ein Nebenerwerb. „Hauptberuflich bin ich Hausfrau und Mutter. Das Geld bringt mein Mann nach Hause“, sagt sie. Andrea Urban bietet schon seit Jahren Kräuterwanderungen an. Weit geht es dabei nicht. Es ist ein Spaziergang durch ihren Garten und die Wiesen ringsum. Denn das, was sie für ihre Liköre, Sirups, Badezusätze braucht, findet sie hier. Sie will die Leute dafür sensibilisieren, was alles vor ihren Füßen wächst. Und sie freut sich, dass sich auch Kindergruppen dafür interessieren. Die Kräuterwanderungen soll es ab dem Frühjahr wieder geben. Danach kann sie nun die Teilnehmer im Veranstaltungs- und Verkaufsraum besser beraten, wie die gesammelten Kräuter genutzt werden können. Dafür hat sie im ehemaligen Gesindezimmer eine Kräuterküche eingerichtet.

Bürgermeisterin Karin Berndt ist froh über jede Geschäftseröffnung. Zu viele Läden und Verkaufseinrichtungen haben in Seifhennersdorf angesichts von Bevölkerungsrückgang und sinkender Kaufkraft geschlossen. Trotzdem sieht es im Vergleich zu anderen Orten mit vergleichbaren Einwohnerzahlen gar nicht so schlecht aus. Karina Hitziger vom Regionalmanagement der Ile-Region „Naturpark Zittauer Gebirge“ ist begeistert, wie Andrea Urban ihre Idee umgesetzt hat. „Wir unterstützen solche Anträge. Inhaltlich passt das Vorhaben zur Entwicklung in der Region.“ Solche Kleinstunternehmen können über das Ile-Programm mit 30 bis 50 Prozent der förderfähigen Baukosten unterstützt werden. Für das Stadtbild hat sich die Initiative von Familie Urban schon seit 2000 gelohnt. Da hatten sie das leer stehende Umgebindehaus aus dem Jahre 1714 erworben.