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Pfingsthitze schrammt am Temperaturrekord vorbei

Schüler und Getränkehändler freuen sich, Straßenbauer und Tierparktiere nicht: Jeder erlebt die Hitze anders.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Die Eishändler jubeln, die Broilerbräter und Dönermänner zerfließen in ihren Wagen und Läden und haben noch dazu wenig Kundschaft: Des einen Freud ist bei der Hitze des anderen Leid. „Temperaturrekorde haben wir aber nicht“, sagt Wetterbeobachter Jens Findeiß von der Wetterwarte Görlitz. Zu Pfingsten lagen die Höchstwerte am Sonnabend bei 27,1, am Sonntag bei 31,2 und am Montag bei 32,7 Grad Celsius. Gestern waren es 31,8 Grad gegen 13.20 Uhr, aber zwei Stunden später hatten Wolken und ein leichter Wind den Wert schon wieder auf knapp 28 Grad gedrückt. Zum Vergleich: Am 28. Juli 2013 wurden in Görlitz gar 35,9 Grad gemessen.

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Die SZ hat sich umgehört, wer von der Hitze profitiert und wer darunter leidet.

Die größten Gewinner: Bäder und Getränkehändler mit gutem Umsatz

„Pfingsten war bei uns zum ersten Mal seit der Flut von 2010 wieder richtig was los“, sagt Ralf-Peter Franke vom Freibad Hagenwerder. 500 Badegäste hat er an den drei Tagen gezählt, viele weitere haben den Imbiss genutzt, vor allem Radfahrer auf dem Oder-Neiße-Radweg. Doch manch einem war es fürs Freibad zu heiß: „Auch das Neißebad war Pfingsten besser besucht als an normalen Tagen“, sagt Badleiter Klaus-Peter Hensel. Zwar seien weniger Stammgäste gekommen, aber zusätzliche Familien hätten das mehr als ausgeglichen.

Nicht minder froh sind die Getränkehändler. „Sowohl in unseren drei Görlitzer Märkten als auch an die Restaurants haben wir mehr Getränke verkauft als üblich“, sagt Matthias Heuthe, Mitinhaber der Meridian Getränke Görlitz OHG. Lieferschwierigkeiten gebe es keine: „Das passiert erst, wenn so ein Wetter über Wochen anhält.“ Landskron-Chefin Katrin Bartsch bestätigt: „Unser Biergarten wurde über Pfingsten von Görlitzern und Touristen sehr gut angenommen.“ Alkoholfreies Weizen und „leichtere“ Getränke wie Radler seien bei diesen Temperaturen besonders gefragt.

Die Nutznießer: Hitzefrei für Schüler, perfektes Bad für Schildkröten

Hitzefrei ab Mittag gab es gestern an der Oberschule Innenstadt, am Förderschulzentrum und in der Jahnschule. Andere Schulen entschieden sich für verkürzten Unterricht, darunter beide Gymnasien und zwei Oberschulen. An den meisten Grundschulen hingegen fand der Unterricht wie geplant statt. Die Kitas nutzten die zeitigen Vormittagsstunden zum Rausgehen, die Kinder spielten im Schatten, Wasserspiele dienten zur Erfrischung.

Erfreulich ist die Hitze auch für viele Pflanzen. „Durch die Regenfälle ist noch genug Wasser im Boden gespeichert“, sagt Enrico Adler vom Stadtgut. Sowohl für das Getreide als auch für Obstbäume sei die Wärme eher gut. Zudem hat das Stadtgut kleine Testflächen für Mais und Soja. „Auch ihnen tut die viele Sonne gut“, sagt Adler. Sogar im Tierpark gibt es Nutznießer: „Die Schildkröten genießen bei der Wärme ein Bad und sind besonders gut zu beobachten“, sagt Tierparkchef Sven Hammer.

Die Leidtragenden: Tierparktiere, Straßen und Bauarbeiter haben Pech

Im Tierpark freut sich aber außer den Schildkröten niemand: Tiere und Mitarbeiter schwitzen, Besucher bleiben aus. „Wir tun, was wir können“, sagt Hammer. Viele Gehege und Volieren werden jeden Morgen gewässert, die Schweine sogar zwei- bis dreimal pro Tag. Sogar die Pandahöhle wird gekühlt. Nichts zu lachen haben auch Straßenbauer: Die Pflasterarbeiten in der Rothenburger Straße liefen gestern normal weiter, auf dem Postplatz wurden Borde gesetzt, Hydranten und Düsen der Beregnungsanlage eingebaut. „Nach dem langen Wochenende können die Arbeiter so einen Tag in der Hitze gut wegstecken“, sagt Steffen Bohr vom gleichnamigen Landschaftsbaubetrieb. Nicht so gut klar kommt Asphalt, der aus DDR-Zeiten stammt: In Königshufen und Weinhübel hat er sich in den vergangenen Tagen an einigen Stellen verflüssigt. Heute steht laut Wetterprognosen noch ein heißer Tag bevor, anschließend drohen Gewitter – und Abkühlung.