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Kamelienblüte in Königsbrück gerettet

Die wertvollen Pflanzen drohten einzugehen. Schuld war ein Problem mit dem Stromanschluss.

Marie und Franziska sind die beiden neuen Königsbrücker Kameliendamen. Sie repräsentieren als Botschafterinnen die Stadt Königsbrück und sind darauf auch sehr stolz.
Marie und Franziska sind die beiden neuen Königsbrücker Kameliendamen. Sie repräsentieren als Botschafterinnen die Stadt Königsbrück und sind darauf auch sehr stolz. © Matthias Schumann

Kamenz. Kommenden Sonntag eröffnet das Gewächshaus in Königsbrück die Kameliensaison. Momentan steht eine der drei ältesten Kamelien (blutrote Sorte althaeiflora) in Vollblüte, freut sich Peter Sonntag, der Chef des Heimatvereins. Aber das ist gerade in diesem Jahr nicht selbstverständlich. Was die Besucher nicht wissen: Die Zukunft der gesamten Sammlung stand erst vor Kurzem, im Vorjahr, auf der Kippe.

Kamelienfreundin Doris Füssel befasst sich im Verein besonders intensiv mit der Pflege. Es heißt, sie übernachte im Ernstfall sogar bei ihren Lieblingen. Sie bemerkte die Unregelmäßigkeiten zuerst. Kamelien sind anspruchsvoll und können auf Umwelteinflüsse empfindlich reagieren. Wenn die Lüftung und die Jalousien ausfallen, wenn Motoren, Sensoren und die gesamte Technik streiken, dann ist höchste Alarmstufe. Die löste sie dann auch aus. Die Ursache war schnell gefunden. Kein Strom! Aber warum?

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Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung

Ein Anruf beim regionalen Energieversorger Enso brachte Klarheit. Der hatte den Strom einfach abgeschaltet. Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung. Das könne nur offene Zahlungen bedeuten, sagt Peter Sonntag, aber nicht beim Heimatverein. Nun ist zu beachten, dass das berühmte Gewächshaus eng mit dem Königsbrücker Schloss verwoben ist. Quasi an der Stromversorgung des Schlosses hängt. Das ist nach wie vor und zum Ärger der Königsbrücker ungenutzt. Da brachte auch der Verkauf an einen neuen Schlossherren vor ein paar Jahren keine Besserung. Peter Sonntag: „Es ist ein Trauerspiel.“

Nun waren sogar die wertvollen Pflanzen in Gefahr. Der Vereinsvorsitzende habe sofort zum Telefonhörer gegriffen und bei der Enso die dramatische Situation geschildert: „Wenn den denkmalgeschützten Pflanzen etwas passiert, dann sitzen wir alle nicht mehr auf unseren Stühlen.“ Das wirkte. Einige Zeit später flackerte wieder das Licht. 

Inzwischen konnte der Verein die Stromversorgung auf sichere Füße stellen und hat den Anschluss des Schlosses komplett selbst übernommen, ist also für den Schlossbesitzer in die Bresche gesprungen, was schon einigermaßen ungewöhnlich ist. So muss der Verein nun auch noch mit Forderungen als Nachfolger rechnen, hofft aber auf die gütliche Einigung auf eine angemessene Summe. So ist der Verein jetzt stolzer Besitzer eines herrschaftlichen Stromanschlusses. Wenn irgendjemand im Schloss wieder einen Schalter umlegen will, so gehe das nur über den Verein.

Am Sonntag öffnen sich die Türen

Dessen Mitglieder konnten aufatmen, dass keine Pflanze zu Schaden gekommen ist und die Kamelienblüte am Sonntag ohne Abstriche starten kann. Am 19. Januar um 14 Uhr öffnen sich die Türen. Dann wird die Blütezeit der unter Denkmalschutz stehenden Kamelien eingeleitet. Peter Sonntag: Die beiden neuen Kameliendamen Marie und Franziska werden die Eröffnung bekannt geben. Gleichzeitig stellen sich die im Ganztagsprojekt der Königsbrücker Oberschule an der Pflege beteiligten Schülerinnen vor. 

Momentan steht eine der drei ältesten Kamelien – die blutrote Sorte „Althaeiflora“ in Vollblüte. Diese Kamelien wurden in den Jahren zwischen 1825 und 1840 im Auftrag der damaligen Schlossherrschaft gepflanzt und sind der Stolz der Sammlung. Gemeinsam mit der weißen werden sie im Volksmund auch Schneeweißchen und Rosenrot genannt. Die Hauptblüte der um die 100 Jahre alten Kamelien aus der „Seidel’schen Sammlung“ sowie der Spaliere beginnt in der zweiten Februarhälfte. Dazu kommen neuerdings die Duftkamelien. Höhepunkt in der Kameliensaison wird ein Projekt mit blinden Menschen sein. Sie sollen an den historischen Kamelien teilhaben können und erhalten eine persönliche Führung und Begegnung durch Schüler der Grundschule und der Oberschule Königsbrück.

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Außerdem wird es zwei Märchenrundgänge mit Vorschulgruppen der Kindergärten geben. Dabei wirken Königsbrücker Schüler mit. Informationstafeln geben außerdem über die Sehenswürdigkeiten der Stadt Auskunft unter der Überschrift „Königsbrück erleben“. Das Kamelienhaus zieht jährlich Tausende Menschen aus ganz Deutschland an – Reisegruppen kommen aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Bayern. Dank einer aufmerksamen Kamelienfreundin können sie sich auch in diesem Jahr an der Blütenpracht erfreuen. Es ist auch ein kleines Jubiläum. Denn vor 20 Jahren präsentierte der Verein die Kamelien zum ersten Mal.

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