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Pflaster haben sie immer zur Hand

Elsbeth und Theodor Zenker leiten über zehn Jahre die Pilgerherberge am Kirchplatz. Mit über 80 gehen sie nun in Rente.

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© Anne Hübschmann

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Ein Pilger, weißt Du, was das ist? So fragten sich vor mehr als zehn Jahren auch die Zenkers vom Kirchplatz. Von einem überregionalen Pilgerweg, der auch durch Großenhain führt, war vor 2003 noch nicht die Rede. Esther Zeiher hieß damals noch Heyse und grub als Mitarbeiterin bei der Kirche in Großenhain den alten Jacobsweg zwischen Görlitz im Osten und Vacha im Westen wieder aus. „In der Stadt fand sich eine illustre Truppe, die sich nach und nach an die Idee rangetastet hat“, erinnert sich Esther Zeiher. Mittlerweile erhielt sie für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz. Am Kirchplatz, in den der Kirche gehörenden Häusern, entstand eine kleine Pilgerherberge. Elsbeth und Theodor Zenker wohnen dort. Sie übernahmen die Verantwortung als Pilgereltern: Den Schlüssel verwalten, das Bad putzen, frische Handtücher bereitlegen, Holz für den Ofen hacken. So wurden sie zu den nahezu berühmtesten Herbergseltern am Weg.

Einen Blick in die Kirche gab’s dazu

„Es war wie im Märchen“, blickt Esther Zeiher nun bei der Verabschiedung der Zenkers auf das Jahrzehnt zurück. „Die beiden haben so gut für die Pilger gesorgt, dass die noch 100 Kilometer weiter davon erzählten“, ist Zeiher begeistert. In vielfältiger Form hätten die Pilger von den guten Erfahrungen in Großenhain berichtet. Das ist natürlich im ökumenischen Pilgerverein, in dem Esther Zeiher mitarbeitet, angekommen. „Die Zenkers haben sich unersetzlich gemacht.“ Auch das Öffnen der Kirchentür und Erläuterungen im Gotteshaus für die Durchreisenden gehörten dazu. Mit ganzem Herzen haben Elsbeth und Theodor Zenker sich auf ihre Aufgabe eingelassen und sie „geadelt“.

Wer auf dem Jacobsweg pilgert, sucht innere Einkehr und eine Pause vom Alltagsstress. Aber er setzt sich auch zum Teil erheblichen körperlichen Strapazen aus. Hunderte tun das jährlich, wenn sie durch Großenhain kommen. Dass sie dann hier nicht anonym bleiben, sondern auf Menschen treffen und nicht nur auf eine Institution, ist dem Kreis der Herbergseltern besonders wichtig. Sie treffen sich deshalb regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Am Sonnabend war es auf dem Pfarrhof in Skassa wieder so weit.

Nachfolger gesucht

Elsbeth und Theodor Zenker waren noch einmal mit dabei. Obwohl sie zu Jahresende ihre Funktion aus Altersgründen endgültig abgegeben haben. Elsbeth Zenker ist schon 80, ihr Mann wird demnächst 85 Jahre. Deshalb wollen sie die Sorge und Verantwortung nicht mehr tragen. Alle rund 40 Herbergsvertreter aus drei Bundesländern stehen in der Kirche bei der Verabschiedung auf und klatschen noch einmal für die Zenkers. Ein feierlicher Moment.

Pfarrer Dietmar Pohl dankt nicht nur im Namen der Marienkirchgemeinde. Er zeigt noch einmal, wie hoch die Latte für neue Herbergsbetreuer liegt, die jetzt gesucht werden. Fünf Bewerber gibt es, so Pohl. „Wenn die Pilger unten auf die Klingel drückten, war Elsbeth Zenker schneller an der Tür, als das Signal oben angekommen ist“, scherzt er. Es wird nicht leicht werden, die Großenhainer Herbergseltern zu ersetzen. Blumen gibt es für die Senioren auch von einer Pilgerin. Roswitha Reimann aus Großenhain pilgerte im vorigen Jahr mit einer Freundin von Görlitz aus zurück an die Röder. Die Freundin tat es aus christlichen Gründen, sie selbst war sehr überrascht von den Erlebnissen unterwegs, sagt sie. „Und wenn es nur Blasenpflaster ist“, so Roswitha Reimann. An diesen Kleinigkeiten erkenne man die wahren Pilgereltern.

Zum Tag der Sachsen soll die Herberge am Kirchplatz geöffnet sein. Vielleicht erzählen dann die Zenkers noch einmal von ihren Erlebnissen mit den Pilgern. Auch beim Festumzug wird die Kirchgemeinde das Thema aufgreifen. Da mitzumachen, wäre für die Senioren aber definitiv viel zu anstrengend.

www.oekumenischer-pilgerweg.de