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Niesky

Pflege ist Teamarbeit

Das Familienunternehmen Kunze aus Weißwasser hat gut zu tun. Nun ist es mit eigenem Büro auch in Görlitz präsent.

Mathias Krause ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Kunze, das sich auf den zunehmenden Bedarf an betreutem Wohnen einstellt. Derzeit entsteht in Schleife ein Objekt mit 15 Plätzen. 2020 soll es bezugsfertig sein.
Mathias Krause ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Kunze, das sich auf den zunehmenden Bedarf an betreutem Wohnen einstellt. Derzeit entsteht in Schleife ein Objekt mit 15 Plätzen. 2020 soll es bezugsfertig sein. © Foto: Joachim Rehle

Von Anett Böttger

Die gestiegene Lebenserwartung erscheint vielen wie ein Segen. Doch Menschen sind zunehmend auf Hilfe angewiesen, je älter sie werden. Pflegedienste springen ein, wenn Angehörige die Betreuung aus unterschiedlichen Gründen nicht leisten können oder wollen. Über Entwicklungen und Herausforderungen in der Pflege sprach die Sächsische Zeitung mit Mathias Krause, dem Geschäftsführer des Familienunternehmens Kunze in Weißwasser.

PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Das Unternehmen ist seit der Gründung 1996 kräftig gewachsen. Wo überall bietet es inzwischen seinen Service an?

Wir bewegen uns im Umkreis von etwa 50 Kilometern um Weißwasser. Vor allem im Norden und in der Mitte des Landkreises Görlitz sind wir vertreten. Wir haben zwei stationäre Einrichtungen in Weißwasser und Boxberg. Hinzu kommen Objekte für betreutes Wohnen in Bad Muskau, Boxberg, Niesky, Weißwasser, Rietschen und in Görlitz, wo wir seit 1. Mai auch mit einem eigenen Pflegedienst unterwegs sind.

Gab es in Görlitz noch nicht genügend Angebote?

Klienten haben die Wahl, wer die Betreuung leisten soll. Nachdem wir 2018 ein Objekt für betreutes Wohnen auf der Zittauer Straße in Görlitz übernommen hatten, erhielten wir gezielt Anfragen für häusliche Pflege in der Stadt und ihrer Umgebung. Daher haben wir uns entschlossen, den Standort weiter auszubauen. Im Mai haben wir nun das Büro für unseren Pflegedienst in Görlitz eröffnet.

Welche Form der Pflege ist besonders gefragt?

Das ist in jedem Fall die ambulante Pflege mit all ihren Facetten. Die Bevölkerung wird immer älter, und die Pflege stellt Angehörige oftmals vor große Herausforderungen. Viele möchten verständlicherweise im gewohnten Umfeld bleiben. Das ist jedoch oft schwierig, wenn ältere Menschen auf dem Land mit Haus und Hof leben, Angehörige weiter entfernt und Räumlichkeiten nicht barrierefrei sind. Wir unterstützen dabei, dass jemand so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben kann.

Um wie viele Menschen kümmert sich ihr Unternehmen?

Wir haben insgesamt mehr als 500 Pflegeklienten. Ihre Versorgung erfordert den Einsatz vieler Fachdisziplinen. Pflege ist Teamsport. Dabei greift ein Zahnrad ins andere, zum Beispiel bei der Touren- und Dienstplanung. Die am Bedarf orientierte Taktung verlangt den Pflegekräften einiges ab, gerade wenn sie zu Klienten in verschiedene Orte fahren müssen.

Mehr Zeit steht offensichtlich bei der Intensivpflege zur Verfügung. Für welche Fälle wird sie genehmigt?

Für Patienten, die rund um die Uhr versorgt werden müssen. Das kann von Geburt an, nach Verkehrsunfällen oder bei schweren Krankheiten sein, etwa wenn eine Beatmung erforderlich ist. Die außerklinische Intensivpflege nach ärztlicher Verordnung ermöglicht es, dass Menschen im Zuhause bleiben können. Mehrere Pflegekräfte kümmern sich um die dauerhafte Versorgung eines Klienten, oft bis an dessen Lebensende. In diesem Fachbereich betreuen wir derzeit 15 Klienten, beispielsweise in Cottbus, Krauschwitz, Görlitz und seit Kurzem in Radeburg.

Ihr Unternehmen hat mittlerweile rund 460 Mitarbeiter. Wie gelingt es Ihnen, geeignetes Personal zu finden?

Wir beschäftigen zwei Mitarbeiter, die beide Polnisch sprechen. Sie kümmern sich ausschließlich um die Personalakquise im In- und Ausland sowie um die Integration neuer Mitarbeiter. Für Schulungen und Lehrgänge betreiben wir die Pflegeakademie Neißeland. Nicht nur zur Ausbildungssituation tauschen wir uns auch regelmäßig innerhalb einer regionalen Pflegeinitiative mit anderen Unternehmen der Branche aus. Es gibt Themen, da ist kein Platz für Konkurrenz.

In den zurückliegenden Wochen sorgten höhere Kosten bei der Zuzahlung zur Pflege für Schlagzeilen und Unmut. Wo sehen Sie Lösungen, um Betroffene und Angehörige zu entlasten?

Eine einfache Antwort auf eine derart komplexe Frage ist nicht so ohne Weiteres möglich. Das Problem lässt sich nur gesamtgesellschaftlich lösen, da es eine gemeinschaftliche Aufgabe ist, allen Menschen ein würdevolles Leben im Alter zu garantieren. Derzeitige politische Bewegungen machen deutlich, dass der Handlungsbedarf bei diesem Thema erkannt wurde. Wir gehen davon aus, dass sich in den nächsten Jahren einiges ändern wird.

Zur Person: Mathias Krause ist 40 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Niesky. Bevor er die Geschäftsführung des Familienunternehmens Kunze übernahm, war er Pflegedirektor für die Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz.

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