merken
PLUS

Pflegedienst braucht mehr Platz

Yvonne Pesta zieht mit ihrer ambulanten Hauskrankenpflege an den Raschaer Berg. Und richtet eine besondere WG ein.

© Carmen Schumann

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Noch steht Yvonne Pesta allein auf der Wiese zwischen der ehemaligen Lutherschule und den Wohnhäusern am Raschaer Berg in Großpostwitz. Nächste Woche gehen hier die Bauarbeiten los, bereits am Freitag ist erster Spatenstich. Yvonne Pesta braucht für ihren ambulanten Pflegedienst, den sie seit 2005 in Großpostwitz betreibt, mehr Platz. Und deshalb lässt sie am Rande des neuen Wohngebietes am Raschaer Berg nun einen Neubau errichten.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

„Wir haben schon länger gesucht, aber nichts Passendes gefunden“, sagt die 36-Jährige, die am Bautzener Krankenhaus Krankenschwester gelernt, später auf einer Intensivstation in Dresden gearbeitet hat – und sich damals nicht vorstellen konnte, mal in der ambulanten Pflege zu arbeiten. Aber nach der Geburt ihrer ersten Tochter fing sie als Wiedereinstieg ins Berufsleben stundenweise bei einem Bautzener Pflegedienst an – und fand Gefallen an der Arbeit. Schließlich gründete sie im Sommer 2005 ihren eigenen Pflegedienst. „Wir waren zu viert und hatten drei Patienten“, erzählt sie lachend. Doch das neue Angebot sprach sich in der Umgebung schnell herum, und so betreute Yvonne Pesta ein paar Monate später mit fünf Mitarbeitern schon rund 30 Patienten. Heute sind es etwa 200.

Zwischen Bautzen und Schirgiswalde, Wilthen und Cunewalde werden Kranke und Pflegebedürftige versorgt. Und immer wieder rufen neue Patienten oder deren Angehörige an, um Hilfe von den Pflegerinnen „in den grünen Autos“ anzufordern. Der markante Farbton der kleinen Flitzer ist inzwischen zum Markenzeichen geworden. Allerdings hat die grüne Fahrzeugflotte kaum noch Platz auf dem Hof hinterm Büro an der Großpostwitzer Hauptstraße. Doch nicht nur das: Auch drinnen ist es viel zu eng, „obwohl wir im Obergeschoss schon eine Wohnung zusätzlich gemietet haben“, sagt Yvonne Pesta, die sich ein kleines Büro mit ihrer Stellvertreterin teilt. Und nur mit Mühe und Not passen alle 28 Mitarbeiterinnen in den Schulungsraum.

Bald wird das anders. Im Obergeschoss des Neubaus entstehen auf rund 200 Quadratmetern mehrere Büros und eben ein großer Schulungsraum, in der Galerie unterm Dach ist Platz für Umkleideräume und Archiv. Draußen wird es genügend Stellflächen für die 13 grünen Dienstfahrzeuge geben. Und im Erdgeschoss ist etwas geplant, das es in der Region so noch nicht gibt: eine Wohngruppe für Senioren.

Das Thema hat Yvonne Pesta schon länger beschäftigt. „Viele unserer Patienten sind alleinstehend und leben in viel zu großen Wohnungen oder Häusern, die sich kaum altersgerecht umbauen lassen.“ So nutze mancher nur noch ein, zwei Räume, weil er Stufen nicht mehr steigen kann, oder er komme nicht mehr in die Badewanne oder Dusche. Und selbst wenn das einigermaßen funktioniert – „die meiste Zeit sitzen sie allein zu Hause“. Da habe ihr jemand geraten: „Mach’ doch eine WG!“

Sie schaute sich so etwas in anderen Bundesländern an, war aber skeptisch, ob das hier auf dem Land funktioniert. Doch die erste Resonanz von Patienten sei positiv gewesen. Und so können Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres fünf Leute einziehen. Jeder bekommt ein Zimmer mit kleiner Nasszelle. Ein geräumiges Wohnzimmer mit Sofaecke, Esstisch und Küche sowie ein großes Bad mit Dusche und Badewanne nutzen alle gemeinsam. Es wird eine Terrasse geben und Hochbeete für rückenschonende Gartenarbeit. Die Bewohner organisieren ihren Alltag selbst und entscheiden auch, welche Hilfe von außen sie brauchen. Das kann beispielsweise auch ein anderer Pflegedienst sein als der, der dann eine Etage höher im Haus sitzt.

Arbeit haben die Schwestern in Yvonne Pestas Team ja auch so genug. Neben der normalen Pflege, beispielsweise um jemandem nach einem Krankenhausaufenthalt wieder auf die Beine zu helfen, kümmern sie sich auch speziell um Krebspatienten und begleiten Schwerstkranke bis zum Tod. Für das breite Aufgabenfeld von Waschen und Anziehen über Medikamenteverabreichen und Verbändewechseln bis zur Hilfe im Haushalt sucht Yvonne Pesta immer neue Mitarbeiter und bildet seit ein paar Jahren auch Altenpfleger aus. Und wenn Not am Mann ist, fährt die Mutter zweier Töchter wieder mal selbst zu den Patienten. Künftig wird sie wohl aber öfter zwischen Büro und Baustelle pendeln.

Für die WG können sich Interessenten noch bewerben:

035938 98550, www.pflegedienst-pesta.de