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Das Pflegeheim der Zukunft

Das Epilepsiezentrum Kleinwachau plant im Radeberger Ortsteil Liegau ein Projekt, das derzeit noch seines gleichen sucht.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

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Liegau. Es wird ein Lückenschluss, sagt Martin Wallmann. Und meint das nicht nur mit Blick aufs Thema Architektur. Denn mit dem geplanten neuen Tannenhaus zwischen der Förderschule und dem Krankenhaus des Epilepsiezentrums Kleinwachau wird tatsächlich eine Lücke geschlossen, die heute noch einfach nur Wiese ist. „Hier stand aber früher tatsächlich mal das Tannenhaus, eine Wohnbaracke für die Mitarbeiter“, weiß Epilepsiezentrumchef Martin Wallmann. Das morsche, noch aus tiefsten DDR-Zeiten stammende und mittlerweile eben abgerissene Haus war dabei ein „Westbau“, erzählt er schmunzelnd, während er mit den Bauplänen in der Hand auf die leere Wiese schaut. „Kirchgemeinden aus dem Westen haben für den Bau dieses Hauses damals Geld gesammelt und das Ganze dann als Spende an die Diakonie überwiesen, die ja schon damals das Epilepsiezentrum hier in Liegau betrieben hat.“

Die Außenansicht des geplanten Neubaus: modern und sich gleichzeitig in die Natur und ins Gelände einpassend.
Die Außenansicht des geplanten Neubaus: modern und sich gleichzeitig in die Natur und ins Gelände einpassend. © Projekt: PlanKonzept GmbH
Wohnlich, modern und gemütlich: So werden die Wohnbereiche im neuen Tannenhaus gestaltet sein.
Wohnlich, modern und gemütlich: So werden die Wohnbereiche im neuen Tannenhaus gestaltet sein. © Projekt: PlanKonzept GmbH
So sehen die Pläne für das neue Tannenhaus auf dem Areal des Epilepsiezentrums Kleinwachau in Liegau aus. Wobei es sich eigentlich um zwei Häuser handelt.
So sehen die Pläne für das neue Tannenhaus auf dem Areal des Epilepsiezentrums Kleinwachau in Liegau aus. Wobei es sich eigentlich um zwei Häuser handelt. © Projekt: PlanKonzept GmbH

Appartements und Gemeinschaftseinrichtungen

Nun wird also neu gebaut. Und dieser Neubau wird dabei auch inhaltlich ein Lückenschluss, macht Martin Wallmann deutlich. Denn das aus zwei Gebäuden bestehende neue Tannenhaus soll sowohl ein Pflegeheim werden, als auch zahlreiche Ein-Raum-Appartements enthalten, die als abgeschlossene Wohnungen genutzt werden – beide Bereiche für schwerst mehrfachbehinderte Menschen. Und auch schon ein Stück Zukunft, ist der Epilepsiezentrumschef absolut überzeugt. „Denn die Heime für Menschen mit Behinderungen sollen ja künftig keine Heime mehr im klassischen Sinn sein, sondern sollen es den Menschen ermöglichen, trotz ihrer zum Teil auch schweren körperlichen oder geistigen Einschränkungen ein weitgehend selbstständiges Leben führen zu können“, verweist Martin Wallmann auch auf die jüngst vom Bundestag verabschiedete sogenannte „Teilhabeverordnung“, die für mehr Inklusion sorgen soll. Behinderte Menschen sollen nicht mehr abseits, sondern mitten in der Gesellschaft leben können. Und das weitgehend selbstbestimmt. „Aber eben auch mit der notwendigen Unterstützung“, so der Epilepsiezentrumchef.

Das neue Tannenhaus könnte dabei eine Art Vorreiter-Projekt werden. Einerseits eigene Appartements für die Bewohner, andererseits Gemeinschaftseinrichtungen, in denen es bei Bedarf Hilfe gibt. So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig sozusagen. Und eben auch ein angeschlossenes Pflegeheim, „wenn es dann nicht mehr alleine geht“. Und das ist dann eben auch der erwähnte Lückenschluss, sagt Martin Wallmann. „Wir wollen das Versprechen geben können, dass jeder Bewohner bei uns bleiben und dass er auch bei uns sterben kann.“ Vor allem mit Blick auf die Bedenken von hochbetagten Eltern, die ihre schwerstbehinderten Kinder in Kleinwachau unterbringen, sei das wichtig. „Wir wollen den Eltern die seelische Last nehmen können, wie es nach ihrem Tod mit den Kindern bei uns weitergeht“, weiß der Epilepsiezentrumchef, welche Fragen und Nöte viele Betroffene mit sich tragen.

Über fünf Millionen Euro Baukosten

Etwa 5,5 Millionen Euro wird das Projekt Tannenhaus kosten. „Wir hoffen, dass uns der Freistaat mit der Hälfte der Summe unterstützt“, verweist Martin Wallmann darauf, dass das Epilepsiezentrum einen entsprechenden Förderantrag gestellt hat. Liegt in den nächsten Monaten eine Zusage vor, könnte noch im Spätsommer mit dem Bau begonnen werden. 2020 soll alles fertig sein, so zumindest die zeitlichen Planungen. Das Projekt wird dabei passgenau auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner zugeschnitten sein – dazu hat sich das Epilepsiezentrum mit der Firma PlanKonzept GmbH aus der Nähe von Halle extra ein auf solche Bauten spezialisiertes Planungsbüro ins Boot geholt. „Das sind absolute Experten, das vorgelegte Projekt hat uns zu hundert Prozent überzeugt“, kommt Martin Wallmann regelrecht ins Schwärmen.

Insgesamt 40 Plätze sollen hier dann entstehen; hinzu kommen fünf Plätze für eine Kurzzeitbetreuung im Untergeschoss des Neubaus. Auch das gehört dabei mit zum erwähnten Lückenschluss. Denn bisher ist ein solches Angebot in Kleinwachau eher schwierig zu realisieren, sagt Martin Wallmann. Aber in jedem Fall dringend notwendig, schiebt er gleich hinterher. „Eltern, die ins Krankenhaus müssen, wissen ja oft nicht wohin mit ihren schwerstbehinderten Kindern – zudem brauchen betroffene Familien auch mal ein paar Tage Urlaub, um Kraft zu tanken.“ Alles das wird dadurch nun möglich.