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Dresden

Pflegeheim in Dresden evakuiert

Seit Sonntag klagen Mitarbeiter und Patienten über Erbrechen und Durchfall. Einsatzkräfte hatten die Straßen rund um das Heim abgesperrt.

Einsatzkräfte vor dem Seniorenheim, die Schlüterstraße in Striesen wurde am Sonntag mehrere Stunden gesperrt.
Einsatzkräfte vor dem Seniorenheim, die Schlüterstraße in Striesen wurde am Sonntag mehrere Stunden gesperrt. © Alexander Schneider

Die Ruhe nach dem Mittag in der Seniorenresidenz „Haus Striesen“ wurde am Sonntag jäh gestört. Von den 45 Bewohnern im betreuten Wohnen und der Tagespflege beklagten einige Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Es wurden nach und nach mehr, auch Pflegekräften ging es schlecht. Um 13.38 Uhr ging bei der Feuerwehr der Alarm ein – Virusverdacht.

Sofort sprangen die geübten Mechanismen an. Bei der Berufsfeuerwehr in der Altstadt und einigen freiwilligen Wehren gibt es einen Plan für solche Großeinsätze, der sich Massenanfall von verletzten nennt. Schnell waren 60 Einsatzkräfte und drei Notärzte vor Ort. Das Haus wurde unter Quarantäne gestellt. Die Helfer durften nur in Schutzkleidung ins Gebäude. Draußen wurde ein Dekontaminierungscontainer aufgestellt. Durch diesen mussten auch die Einsatzkräfte später. Zuerst wurden die Patienten versorgt. Drei von ihnen ging es so schlecht, dass sie in Kliniken gebracht wurden. Die anderen versorgten die Notärzte.

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Damit ungehindert gearbeitet werden konnte und um das Umfeld vor Ansteckung zu schützen, wurden die umliegenden Straßen während des Einsatzes gesperrt. Autos mussten Umwege fahren, die Busse der Verkehrsbetriebe waren größtenteils nicht betroffen. Am späten Nachmittag wurden die Sperrungen aufgehoben.

Einsatzleiter Ingo Krause bestätigte die Zahlen der Betroffenen. „Wir wissen noch nicht sicher, was es ist. Aber die Symptome deuten auf Norovirus hin.“ Ob und wann die Quarantäne für das Haus oder einzelne Stationen aufgehoben werden kann, entscheide das Gesundheitsamt. Die Stadtverwaltung und auch der Betreiber des Heims, „advita“, waren am Sonntag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Noroviren gelten als gefährlich für Kinder und Senioren. Aber auch Schwangere sollten sich ärztlich behandeln lassen. In der Regel dauern die Beschwerden zwei bis drei Tage. Körperkontakt meiden und Hygiene sind besonders wichtig. Das Virus tritt eigentlich überwiegend in den Wintermonaten auf. Eine geringe Menge reicht bereits. Diese überleben auch auf Lebensmitteln und Gegenständen.

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In Dresden gab es 2012 einen größeren Befall von Noroviren. Damals waren 20 Schulen und Kitas betroffen. Mehr als 450 Kinder litten unter Durchfall und Erbrechen. Auslöser war damals ein Essensanbieter, der diese versorgt hat. Am Ende war das Erdbeerkompott verseucht. Davon waren aber weite Teile Ostdeutschlands betroffen, insgesamt 11.000 Kinder.

Woran es beim 2010 eröffneten Seniorenheim liegt, muss noch untersucht werden. Das hat in dem Fall der Kitas und Schulen eine Weile gedauert. Die Entscheidung über die Quarantäne für das Haus werde wohl am Montag fallen, hieß es.

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