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Pflegeleichte Gräber gesucht

Hähnichen plant eine Urnengemeinschaftsanlage. In Niesky gibt es bereits drei – in verschiedenen Versionen.

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Von Katja Schlenker

Viele kleine Orte rund um Niesky haben einen eigenen Friedhof. So ist es in Biehain, Neusorge und Ödernitz, aber auch in den Hähnichener Ortschaften Trebus und Spree. Dort wird gerade überlegt, eine Urnengemeinschaftsanlage zu errichten. Immerhin ist die sogenannte Feuerbestattung die häufigste Bestattungsart in Sachsen. Rund 85 Prozent der Toten werden mittlerweile eingeäschert und anschließend in einer Urne beigesetzt.

Auch in Neusorge soll ein Urnenfeld auf dem Friedhof entstehen. Dies ist ein Zugeständnis an die Moderne. Immerhin müssen viele junge Leute heute zum Studium oder wegen der Arbeit aus der Heimat wegziehen, können keine aufwendige Grabpflege für ihre Eltern oder Großeltern betreiben. Dann ist die anonyme Variante mit einer schlichten Grabplatte in der Gemeinschaftsanlage oder auf der Wiese eine Möglichkeit. Das Grab der eigenen Eltern ist gepflegt, auch wenn man nicht vor Ort ist, um jede Woche Blumen hinzubringen.

In Biehain ist deshalb vor rund vier Jahren sogar eine Wand auf dem Friedhof gebaut worden. 7 000 Euro hat das damals gekostet. Etwa 30 Urnen haben an der Stelle Platz. Die werden in der Wiese vor der Mauer in die Erde hinabgelassen. Eine Tafel an der Wand soll jeweils an den Verstorbenen erinnern. Wer möchte, kann vor der Wiese auch Blumen hinstellen.

Was in Biehain bereits erledigt ist, steht Hähnichen noch bevor. In Trebus auf dem Friedhof gibt es bereits eine Urnengemeinschaftsanlage, wo derzeit noch vier Plätze frei sind. Diese soll erweitert werden. In Spree hingegen gibt es einen solchen Ort bisher nicht. Deshalb muss die Gemeinde sich mit dem Thema auseinandersetzen.

„Wir müssen überlegen, wo wir die Anlage errichten“, sagt Bürgermeister Werner Queiser (CDU). „Auf die Wiese oder dort, wo Grabstellen gewesen sind.“ Ebenso ist die Frage zu klären, wie die Anlage aussehen soll. Aus diesem Grund hat sich die Gemeinde Hähnichen andere Friedhöfe angeschaut und festgestellt, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, eine Urnengemeinschaftsanlage zu gestalten. Doch wie machen die anderen das mit der Urnenbeisetzung?

In Niesky gibt es vier verschiedene Varianten, die Verstorbenen in einer Urne beizusetzen, sagt Enrico Bachmann, Leiter des Fachbereichs Technische Dienste im Rathaus. Das klassische Urnengrab mit einem Stein für den Verstorbenen ist üblich. Das kostet auf dem Waldfriedhof 324 Euro. Hinzu kommen die Ausgaben für den Grabstein. Nach 25 Jahren endet die Ruhezeit und das Grab wird in der Regel wieder eingeebnet. Das ist auch bei den Gemeinschaftsanlagen der Fall.

Auf dem Waldfriedhof gibt es drei Möglichkeiten. In einem kleineren Bereich auf dem Friedhof sind mehrere Urnen in einer Anlage untergebracht. Auf einer flachen oder leicht angeschrägten Grabplatte stehen der Name des Toten und wann er gelebt hat. Diese Variante kostet 247 Euro. Hinzu kommen zwischen 262 und 387 Euro für die Grabplatte. Wer anonym bestattet werden möchte, kann dies auf einer Wiese innerhalb des Friedhofs haben.

„Dort wird die Urne an einer bestimmten Stelle versenkt“, erklärt Enrico Bachmann. „Am Rand gibt es eine Stelle für Blumen.“ Auf der Wiese gibt es weder einen Grabstein, noch eine Markierung, welche darauf hinweist, wo genau die Urne vergraben ist. Wer möchte, kann den Namen des Verstorbenen auf einer Platte eingravieren lassen. Darauf steht geschrieben, wer alles auf der Wiese beigesetzt worden ist.

Die Anlagen zu erweitern, ist in Niesky derzeit nicht geplant. „Wir haben vorbereitete Flächen und reagieren auf die Situation“, sagt Enrico Bachmann. Vor anderthalb Jahren hat Niesky etwa eine Urnengemeinschaftsanlage auf dem Friedhof in Ödernitz errichtet. Vier bis fünf Urnen haben dort Platz, eine Stelle wird bisher genutzt.

„Nach der Ruhefrist werden die Gräber wieder frei“, erklärt Enrico Bachmann. „Wir haben in den vergangenen drei, vier Jahren viel Kraft investiert, um alte Stellen, um die sich keiner mehr kümmert, einzuebnen.“ Platz ist also genug auf dem Nieskyer Friedhof, um die Verstorbenen unterzubringen – im Sarg und in der Urne.