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Radebeul

Pflügen im Moritzburger Forst

Der Wald soll hier selbst für junge Bäume sorgen. Das hat mehrere Gründe.

Maik Reichel (an den Zügeln) und Karl Eichhorn aus Lengefeld im Erzgebirge arbeiten mit den Kaltblütern Peter und Aaron derzeit im Moritzburger Staatswald.
Maik Reichel (an den Zügeln) und Karl Eichhorn aus Lengefeld im Erzgebirge arbeiten mit den Kaltblütern Peter und Aaron derzeit im Moritzburger Staatswald. © Arvid Müller

Moritzburg. Es gibt sie noch. Inseln der Normalität inmitten der sich überschlagenden Corona-Meldungen. Spaziergänger, die in diesen Tagen in Zweiergruppen reichlich im Moritzburger Wald unterwegs sind, können unvermittelt darauf stoßen. Denn weil Forstleute ohnehin meist allein oder zu zweit fernab vieler Menschen arbeiten, läuft bei ihnen zumindest im Wald die Arbeit wie gewohnt weiter. 

Dennoch passiert im Staatsforst-Revier des Friedewaldes gerade etwas Besonderes. Auf einer großen abgeholzten Fläche ziehen zwei kräftige Pferde einen Pflug. Auf diesem steht ein schlanker  junger Mann, der mit geradezu akrobatischen Körperbewegungen das durch Unebenheiten im Boden hervorgerufene Schlingern und Holpern des Gerätes auszugleichen versucht. Ein zweiter Mann dirigiert die Pferde mit langen Zügeln geschickt an Baumstüpfen und anderen Hindernissen vorbei. 

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Revierförster Marko Groß beobachtet und erklärt die ungewohnte Szenerie. „Ich möchte, dass sich der Wald hier auf einer Fläche von vier Hektar selbst verjüngt. Mit dem Aufbrechen des Bodens helfen wir ihm dabei.“ Es sei das erste Mal, dass hier in Moritzburg ein solcher Versuch gestartet werde. 

Zwar wurde in den vergangenen Jahren im Friedewald auch schon auf Naturverjüngung gesetzt, aber anders. Etwa indem bei der Holzernte große Bäume stehengelassen wurden, in deren Schutz dann natürlich ausgesaatete  Bäumchen nachwachsen konnten. Der Boden wurde dafür aber nicht extra vorbereitet. Auf manchen dieser sogenannten Schirmhieb-Flächen überstanden die verbliebenen großen Bäume die vergangenen Stürme nicht.

In dem aktuellen Waldstück wuchsen bis vor einigen Monaten überwiegend noch Fichten. Diese wurden vor allem ein Opfer des Borkenkäfers.  Auch die Stürme hinterließen Spuren. Übrig geblieben sind auf der Fläche hauptsächlich noch ein paar alte, gesunde Kiefern und Lärchen.

Sie sollen in erster Linie für den Baumnachwuchs sorgen. „Aber auch Vögel bringen Samen mit, sodass hier später unter anderem auch Birke, Buche, Aspe und Rotbuche wachsen werden“, sagt der Moritzburger Revierleiter. Auf dem Waldboden und zwischen dem Reisig hätten es die Samen der Bäume aber relativ schwer. „Darum haben wir nicht nur das Holz von der Fläche geholt, sondern räumen jetzt mit einem Minibagger auch noch Äste und Reisig beiseite.“ Das wird in Streifen auf den bisherigen Rückegassen der Holzerntemaschinen gestapelt, die jetzt nicht mehr benötigt werden. 

„Durch das Aufbrechen des Waldbodens können die Samen direkt in die Mineralschicht fallen, wo sie bessere Bedingungen zum Keimen finden“, ergänzt der Forstmann. Die etwa 20 Zentimeter tiefen Furchen werden etwa im Abstand von anderthalb bis zwei Metern gezogen. Auf einem Hektar werden einmal zwischen 20.000 und 30.000 Baumwinzlinge wachsen. Zum Vergleich: „Auf der benachbarten Fläche haben wir vor vier Jahren rund 3.000 Bäumchen je Hektar gepflanzt“, sagt Marko Groß. 

Ein Bagger räumt Äste und Reisig von den Flächen, die im Anschluss gepflügt werden.
Ein Bagger räumt Äste und Reisig von den Flächen, die im Anschluss gepflügt werden. © Arvid Müller

„Durch das Aufbrechen des Waldbodens können die Samen direkt in die Mineralschicht fallen, wo sie bessere Bedingungen zum Keimen finden“, ergänzt der Forstmann. Die etwa 20 Zentimeter tiefen Furchen werden etwa im Abstand von anderthalb bis zwei Metern gezogen. Auf einem Hektar werden einmal zwischen 20.000 bis 30.000 Baumwinzlinge wachsen. Zum Vergleich: „Auf der benachbarten Fläche heben wir vor vier Jahren rund 3.000 Bäumchen je Hektar gepflanzt“, sagt Marko Groß. 

Dass der Forstmann jetzt einen anderen Weg wählt, hat mehrere Gründe. „Der Bedarf an Pflanzen ist nach den Stürmen und der Käferinvasion sehr groß, weil viele Flächen aufgeforstet werden müssen. Es gibt daher einfach keine.“  Zudem ist das Pflanzen sehr arbeitsintensiv. Die Waldarbeiter haben noch immer alle Hände voll mit dem Beseitigen des Schadholzes und mit Pflegemaßnahmen zu tun. Und nicht zuletzt sei es auch eine Frage des Geldes.

„Die Kosten für die Naturverjüngung, wie wir sie jetzt hier gerade testen, betragen nicht einmal ein Drittel einer Bepflanzung“, sagt Marko Groß. Denn auch Pflegearbeiten seien in den ersten vier, fünf Jahren kaum erforderlich, „wenn sich nicht gerade die Brombeere großflächig breit macht“.

Die beiden Männer und ihre Pferde kommen aus Lengefeld im Erzgebirge. In seiner Heimat hat Maik Reichel fast den ganzen Winter über mit dem Vorbereiten von Flächen für die Tannensaat zu tun. Den Scheibenpflug, den die Kaltblüter ziehen, hat er dafür selbst entwickelt. Neben Peter und Aaron, die an diesem Tag im Einsatz sind, hat er noch zwei weitere Pferde mit nach Moritzburg gebracht. „Die Tiere arbeiten immer im Wechsel einen Tag. Den nächsten können sie sich dann erholen“, sagt Maik Reichel. Pro Tag schaffen er und Karl Eichhorn auf dem Pflug gemeinsam mit den Vierbeinern etwa einen Hektar. 

Die Bäume, die hier standen, fielen dem Borkenkäfer zum Opfer. 
Die Bäume, die hier standen, fielen dem Borkenkäfer zum Opfer.  © Arvid Müller

Ganz aufs Pflanzen neuer Bäume verzichtet allerdings auch Marko Groß nicht.  Vor allem, wenn es darum geht, für den Waldumbau neue Arten in sein Revier zu holen. „Wir haben in diesem Jahr weitere Esskastanien und auch Vogelkirschen gepflanzt.“ Die neuen Esskastanien waren im Vorjahr trotz Trockenheit bestens gewachsen.