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Pfuscher zocken Kamenzer Hausbesitzer ab

Neue Masche: Angebliche Dachklempner drängen überteuerte Dienste auf. Sie hinterlassen schlimme Schäden.

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© dpa

Von Reiner Hanke

Wenn an der Haustür unbekannte Leute klingeln, ist Vorsicht angesagt. Das weiß auch der betagte Vater von Angelika Peters aus Kamenz. Dennoch ging der ältere Herr jetzt Betrügern auf den Leim und bezahlte es teuer. Die Tochter ist noch immer außer sich über die Frechheit, mit der die angeblichen Handwerker ihren Vater über den Tisch gezogen haben. Vermutlich seien es drei Polen gewesen. Darauf habe die Schrift auf dem Auto hingedeutet. Der Akzent ebenfalls.

Seine Dachrinne sei kaputt, hätten ihm die ungebetenen Besucher eingeredet: „Der Vater hatte versucht, die Leute abzuwimmeln“, so Angelika Peters. Aber es gelang ihm einfach nicht. Aufgrund einer Erkrankung sei es dem Vater aber nur sehr schwer, sich verständlich zu machen. So überrumpelte man den Kamenzer wohl regelrecht und legte einfach los. Schnell waren zwei bis drei Meter Dachrinne heruntergerissen, und etwas Neues hing am Dach. „850 Euro wollten die Leute dafür haben.“ Um an das Geld zu kommen, fuhren die Abzocker mit dem Kamenzer gleich selbst zur Sparkasse. „Welche Dreistigkeit!“, sagt die Tochter. Sie möchte möglichst viele Menschen vor solchen Scharlatanen warnen. Dass sie noch in der Region unterwegs sind, ist nicht ausgeschlossen. Bei dem Kamenzer Rentner gaben sie sich am Ende mit 400 Euro zufrieden und zogen ab, ohne eine Rechnung oder den Firmennamen zu hinterlassen. Aber für den Vater kam es noch schlimmer und mit der Reparatur des Pfuschs gut noch mal so teuer. Denn beim nächsten Regen strömte das Wasser an der Hauswand hinunter. Die Tochter ist sich ziemlich sicher, dass die Rinne vor dem Eingriff der Gauner noch intakt war. Sie vermittelten den Eindruck, Profis mit einem günstigen Angebot zu sein: „Es waren aber Stümper.“

Das kann der Kamenzer Dachdeckermeister Jürgen Fröb bestätigen. Er brachte den Schaden jetzt in Ordnung. Was er hier gesehen habe, sei wirklich Pfusch ersten Ranges. Damit dürften diese Scharlatane auch in ihrer Heimat nicht ankommen, ist er sich sicher. Die Rinne hing in der Luft, einfach draufgeklatscht. Es sei nichts abgedichtet oder verlötet worden. Statt die Regenrinne am Ende fachgerecht zu verschließen, sei die Rinne einfach nach oben gebogen worden. Das Fallrohr hing schief. Jürgen Fröb habe anderthalb Tage gearbeitet, um den Schaden zu beseitigen. „Das sind skrupellose Scharlatane, die die Hilflosigkeit alter Leute gezielt ausnutzen“, sagt er. Und am Ende sei es auch noch Schwarzarbeit, vermutet der Meister. Ähnliche Fälle habe es vor einiger Zeit gegeben. Da hatten dubiose Anbieter Handzettel in Briefkästen gesteckt. Die jetzt praktizierte Abzockerei sei neu. Er rät, am besten gleich die Polizei zu verständigen, noch bevor Schaden entsteht und vermeintliche Schnäppchen teuer werden. Damit diesen Leuten das Handwerk gelegt werden kann.

Dass diese Abzockerei noch neu in der Region ist, geht auch aus den Informationen der Polizeidirektion (PD) Görlitz hervor. Es sei deshalb wichtig, dass diese Fälle angezeigt werden. Ansonsten könne die Polizei nicht tätig werden, um durch ihre Ermittlungen Straftaten aufzuklären. Oder deren Wiederholung zu verhindern, erklärt Sprecher Thomas Knaup. Im Revier Kamenz sei seines Wissens kein Fall angezeigt worden. Das stimme so nicht, sagt Angelika Peters. Den Versuch habe sie schon gestartet, per Telefon. Die Anzeige sei aber gar nicht erst angenommen worden. Neu ist solcher Ärger mit „ungewollten Handwerker-Dienstleistungen“, wie es die Polizei nennt, nicht in Ostsachsen und auch kein Einzelfall. Das bestätigte PD-Sprecherin Susanne Heise. So gab es im vergangenen Jahr mehrfach Anzeigen gegen sogenannte Teerkolonnen. In solchen Fällen werde meist wegen des Betrugs-Verdachts ermittelt. Am besten sei es dabei für die Geprellten, gleich die Polizei hinzuziehen, erst recht „wenn die vermeintlichen Handwerker das Grundstück nicht verlassen wollen“, rät sie. Für den betagten Kamenzer war das wegen seiner Erkrankung freilich recht schwierig.

Sten Schmidt ist Geschäftsführer von Sachsens Dachdeckerinnung. Er weiß: Leute zu überrumpeln, ist eine gängige Methode dubioser Anbieter und komme gerade im grenznahen Raum immer wieder vor. Er kann nur immer wieder eindringlich warnen: „Schließen Sie nichts Übereiltes an der Haustür ab!“ Der sichere Weg sei der zum bekannten Handwerksmeister. Gerade Pfusch am Dach kann ernsthafte Spätfolgen haben. Wasser könne unbemerkt eindringen und am Ende sogar Balken wegfaulen lassen. Der Fachmann unterbreite ein Kostenangebot, das ohne Druck durchgeschaut werden könne. Er gebe außerdem Garantie. Schmidt wolle nun auch die Innungs-Mitglieder über diese neue Abzock-Masche informieren, damit sie die Augen künftig offen halten. Auf ein Wort