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Phänomenaler Endspurt

Bis Sonntag können die Exponate noch besichtigt werden. Schon jetzt kann das Museum einen Rekord vermelden.

Von Jan Lange

Es ist erstaunlich: Bei Robur haben über Jahrzehnte Tausende Menschen gearbeitet, doch wenn von der sächsischen Fahrzeugindustrie die Rede ist, dann denken viele zuerst an Zwickau und Chemnitz. Und dabei gab es in der Mandaustadt schon lange vor Robur eine bedeutende Fahrzeugproduktion. Diese Wissenslücke will die „Phänomenal“-Ausstellung im Zittauer Museum schließen, die am Sonntag endet. Schon jetzt kann Museumsdirektor Marius Winzeler einen Rekord vermelden. „Mit dem nächsten Wochenende zusammen kommen wir auf über 12 000 Besucher“, berichtet er. Dies sei eine sehr gute Zahl.

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Die Räder des Adler-Fahrzeuges waren mit Federn versehen.
Die Räder des Adler-Fahrzeuges waren mit Federn versehen.
Auch alte Fahrräder sind in der Ausstellung zu sehen.
Auch alte Fahrräder sind in der Ausstellung zu sehen.
Der „Phänomen M.T.C. 10/30“ gehört zu den kostbaren Exponaten der „Phänomenal“-Ausstellung. Marlis Rokitta freut sich, dass das 1916 gebaute Fahrzeug gezeigt werden kann. Fotos: Rafael Sampedro
Der „Phänomen M.T.C. 10/30“ gehört zu den kostbaren Exponaten der „Phänomenal“-Ausstellung. Marlis Rokitta freut sich, dass das 1916 gebaute Fahrzeug gezeigt werden kann. Fotos: Rafael Sampedro

Besucht hat die Ausstellung auch der Urenkel des Reichenberger Fabrikbesitzers Christian Linser. Dessen Linser-Motorrad gehört zu den besonderen Exponaten der „Phänomenal“-Schau. Zu sehen ist es sonst in einem Museum in Lindau (Bodensee). Die Fabrikantenfamilie Linser wurde 1945 aus Nordböhmen vertrieben und lebte danach in Österreich. „Über die Geschichte des Urgroßvaters wurde nie wieder gesprochen“, weiß der Zittauer Museumsdirektor. Linsers Urenkel hatte sich nun auf die Spuren seiner Familiengeschichte gemacht und sei laut Winzeler von der Zittauer Ausstellung sehr beeindruckt gewesen. So wie auch andere Besucher.

Gleich am Anfang hatte sich eine Besucherin im Gästebuch mit den Worten verewigt, dass auch sie als Frau die Ausstellung sehr interessant fand. „Wir wollten keine reine Technikausstellung machen, sondern ebenso die Geschichte der Menschen, die hinter dem Fahrzeugbau standen, zeigen“, erklärt Winzeler. Und dafür interessierten sich nicht nur viele ehemalige Robur-Mitarbeiter, sondern auch zahlreiche Gäste aus Tschechien. Während der Sommermonate habe das Museum so viele Besucher aus dem Nachbarland gezählt wie noch nie, erklärt der Museumsdirektor. Um die einzigartigen Exponate zu bestaunen, bleiben nur noch wenige Tage. Zwar gibt es bereits Überlegungen, die Ausstellungsstücke in den kommenden Monaten auch in anderen Museen zu zeigen. Doch in der Fülle wie in Zittau werden sie nicht zu sehen sein. „In Hradek nad Nisou wollen wir 2014 eine kleinere und andere Version der Ausstellung präsentieren“, kündigt Winzeler an. Der genaue Termin werde derzeit noch abgestimmt, der Ort steht schon fest: das Ausstellungshaus „Tor zum Dreiländereck“.

Nicht nur wegen der dortigen Größe der Museumsräume können nicht alle „Phänomenal“-Exponate gezeigt werden, sondern auch deshalb, weil es sich bei einem Teil der Stücke um private Leihgaben handelt, die nach dem Ende der Zittauer Ausstellung wieder an ihre Besitzer zurückgehen. Dazu gehört auch der „Phänomen M.T.C. 10/30“ aus dem Baujahr 1916. Es ist das einzige noch existierende Fahrzeug seines Typs. „Das Auto kann sogar noch fahren“, erzählt Marlis Rokitta, die als Museumsvolontärin die „Phänomenal“-Ausstellung vorbereitet hat. Während der Besitzer des kostbaren Fahrzeugs aus Sachsen kommt, sind in der Ausstellung auch Leihgaben zu sehen, die von weit her kommen – wie besagtes Linser-Motorrad.

8. November, 19 Uhr: Finissage der „Phänomenal“-Ausstellung im Gerhart-Hauptmann-Theater mit Uraufführung des Films „Gründer.Zeiten“ von Patrick Weißig