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Philharmoniker paukt sich aus dem Orchester

Solo-Paukist Professor Alexander Peter klagt gegen seinen Rauswurf aus der Dresdner Philharmonie. Am Arbeitsgericht blitzte er ab.

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Von Alexander Schneider

Alexander Peter schlägt die Pauke wie kein Zweiter in Dresden. Ab 1994 arbeitete der Musiker fest in der Philharmonie, zuletzt als Solo-Paukist. Er ist ein Meister seines Fachs. Das sagt selbst Anselm Rose, Intendant des städtischen Klangkörpers. Doch seit einem Jahr stören Dissonanzen die Harmonie des Orchesters. Und Peters Pauke soll Anlass für die Misstöne sein. Angeblich hatte sich der Hochschullehrer mit nicht ganz lauteren Methoden für die Erneuerung seiner betagten Kupferkessel eingesetzt. Der Musiker sollte sein Instrument reparieren lassen. Tatsächlich habe er aber für 13000 Euro gleich einen neuen Paukensatz besorgt. Dabei sind Neubeschaffungen seit Jahren tabu.

Nachdem die Sache vor ziemlich genau einem Jahr aufgeflogen war, ging es schnell. Der Intendant fühlte sich getäuscht. Es gab Gespräche, im April wurde der Pauken-Professor fristlos entlassen. Nun klagt er gegen seinen Rauswurf, fordert seine Weiterbeschäftigung und über 60000 Euro entgangener Bezüge.

Kauf falsch abgerechnet?

Peter argumentierte gestern vor dem Arbeitsgericht Dresden, er habe ein Reparatur-Angebot eingeholt, jedoch erst im Dezember 2009, als er das Instrument abholen wollte, erfahren, dass eine Reparatur unmöglich sei und eine Neuanschaffung besser wäre. Selbst der Orchesterinspektor habe die Anschaffung doch genehmigt.

Dem hält die Stadt aber entgegen, dass auf dem Beleg „Reparatur“ stand. Es sei aber erkennbar gewesen, so Peters Anwalt Achim Schmidtke, dass überwiegend Neuteile geordert worden waren. Der Anwalt der Stadt teilte mit, man habe den Professor angezeigt.

Das Gericht wies die Klage ab. Die Kündigung sei rechtens. Peter habe den Paukensatz, der bei dem Instrumentenbauer in Berlin verblieben war, veruntreut. „Es könnten auch weitere Personen daran beteiligt gewesen sein“, sagte der Richter mit Blick auf die Abrechnung. „Es gab keinen Haushaltstitel.“

Peter will das Urteil anfechten. „Ich wundere mich, wie das heute lief“, so Anwalt Schmidtke. Er sei enttäuscht, dass wesentliche Zeugen nicht gehört wurden. „Für meinen Mandanten geht es um seine berufliche Existenz.“