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Physiotherapie per Videochat

Kristin Wätzig kann zurzeit eigentlich wegen Corona nicht arbeiten. Sie will aber auch nicht untätig sein. Deshalb macht sie Kindern ein besonderes Angebot.

Per Video-Chat aus dem heimischen Wohnzimmer bietet Physiotherapeutin Kristin Wätzig Krankengymnastik an. Die ist speziell für Kinder und Jugendliche mit Haltungsschäden gedacht.
Per Video-Chat aus dem heimischen Wohnzimmer bietet Physiotherapeutin Kristin Wätzig Krankengymnastik an. Die ist speziell für Kinder und Jugendliche mit Haltungsschäden gedacht. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das Mädchen geht in den Vierfüßlerstand und streckt gleichzeitig den linken Arm und das rechte Bein aus. Dabei wird sie von Physiotherapeutin Kristin Wätzig ganz genau beobachtet und in der Haltung korrigiert.

Allerdings kniet das Kind nicht wie üblich auf einer Matte in der Physiotherapie Porstmann. Patientin und Therapeutin trennen sogar einige Kilometer. Jede befindet sich in ihrem heimischen Wohnzimmer. Beide sehen sich auf dem Bildschirm ihres Computers. 

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Seit zwei Wochen bietet Kristin Wätzig Krankengymnastik per Videochat an.Die 42-Jährige befindet sich in Kurzarbeit, die sie allerdings nicht, wie ihre Kolleginnen, in der Praxis ausüben kann. Ihr Sohn ist erkrankt und gehört zur Risikogruppe. Deshalb ist auch sie seit Beginn der Ausgangssperre durch die Corona-Pandemie zu Hause.

Doch die Zeit ganz ohne Arbeit zu verbringen, konnte sich Kristin Wätzig nicht vorstellen. „Ich habe mich im Internet umgeschaut, was andere Physiotherapien in dieser Zeit tun“, erzählt sie. Und dabei sei sie auf die Video-Therapie gestoßen. 

Chefin Donata Porstmann fand die Idee gut und der Verband der Krankenkassen gab grünes Licht für diese Art der Behandlung.

Ein großer Testlauf war nicht nötig. Elf Patienten und deren Eltern willigten ein, die Krankengymnastik in Corona-Zeiten auf diese Weise fortzuführen. Denn Kristin Wätzig betreut vorwiegend Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 14 Jahren mit Haltungsfehlern. „Sie haben Skoliose, Beinachsen- oder Fußfehlstellungen“, nennt die Therapeutin einige Beispiele.

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Allerdings sei dieser ganz spezielle Videochat nur mit Patienten möglich, die schon länger in Behandlung sind, die die Übungen kennen und deren kleine oder größere Schwächen Kristin Wätzig kennt. Denn korrigierend eingreifen, kann sie aus der Ferne nur mit Worten und dem Zeigen der richtigen Haltung und Bewegung.

 „Es ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen wissen, worauf es ankommt“, meint die Physiotherapeutin. Bei den meisten sei das der Fall. Viele sind schon lange in Behandlung, einige seit Jahren.Die Therapie erfolgt mit jedem Patienten einzeln, ein bis zweimal pro Woche und dauert zwischen 20 und 30 Minuten. 

Die Termine gibt´s per E-Mail. In einem speziellen Programm treffen sich Patient und Therapeutin dann im virtuellen Raum. Wenn das nicht funktioniert, auch über WhatsApp auf dem Handy.Dabei gab es schon die eine oder andere kleine Panne, über die Kristin Wätzig aber schmunzelt: Da ist plötzlich der Akku leer. Der Lautsprecher funktioniert nicht richtig, sodass statt Worten die Zeichensprache weiterhilft. Der Patient verschwindet aus dem Bild oder die eigene Tochter springt in dasselbe.

Hauptsache ist, die Kinder bleiben am Ball. Jedes hat ein Programm, das es täglich üben sollte. „Die Älteren sind sehr diszipliniert. Deshalb funktioniert das gut“, lobt die Therapeutin. Und sie ist froh, dass sie eine so verständnisvolle Chefin und Kollegen habe, die sie in ihrer Situation unterstützen.

Donata Porstmann musste alle 14 Physiotherapeuten in Kurzarbeit schicken. Denn im Moment werde nur noch ein Drittel der sonst üblichen Patientenzahl betreut. „Die beiden Seniorensportgruppen fallen komplett aus, alle Risikopatienten und alle über 80 kommen nicht“, so Donata Porstmann. 

Für diejenigen, die noch in der Praxis behandelt werden, hat sich auch einiges verändert. Die Stühle im Wartezimmer wurden reduziert, der Tresen mit einer Plexiglasplatte geschützt und die Therapeuten tragen stets einen Mundschutz.

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