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Aus eins mach zwei

Sabine Pietsch ist fast 30 Jahre Physiotherapeutin in Eibau. Nun hat sie eine ihrer Praxen an die Tochter übergeben. Sie wagt sich an einen Neubau.

Susan Pinkert (links) hat die Physiotherapie-Praxis in der Eibauer Bahnhofstraße von ihrer Mutter Sabine Pietsch übernommen.
Susan Pinkert (links) hat die Physiotherapie-Praxis in der Eibauer Bahnhofstraße von ihrer Mutter Sabine Pietsch übernommen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Entschuldigung, falsch verbunden" - diesen Satz hat Susan Pinkert in der letzten Zeit schon öfter gehört, wenn in ihrer Physiotherapie-Praxis das Telefon klingelte und sie abhob. Wenn sie sich dann ordnungsgemäß mit ihrem Namen meldet, sind viele Anrufer irritiert und legen wieder auf. Denn erst seit Kurzem trägt die Praxis, in der sie schon viele Jahre arbeitet, ihren Namen. Sie hat sie zu Anfang Juli von ihrer Mutter Sabine Pietsch übernommen. Eigentlich war die Übergabe schon im Frühjahr geplant, Corona brachte aber alles durcheinander. "Die meisten Leute kennen mich nur unter meinem Mädchennamen oder eben als Susi", erzählt die 38-Jährige.

Denn "Physiotherapie Pietsch" ist in Eibau seit fast 30 Jahren ein Begriff. Schon 1991 machte sich Sabine Pietsch selbstständig. Zuvor hatte sie im Ambulatorium in Oderwitz gearbeitet, ihr Arbeitgeber war das Ebersbacher Krankenhaus. "Selbstständig als Physiotherapeut, das gab es in der DDR so gut wie gar nicht." Nach der Wende änderte sich das abrupt. "Wer in dem Beruf weiter arbeiten wollte, musste sich selbstständig machen oder eine Anstellung in einer anderen Praxis finden", erzählt Frau Pietsch. Sie selbst arbeitete nach der Wende kurze Zeit bei einer Kollegin, die eine eigene Praxis eröffnet hatte.

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Mit damals drei kleinen Kindern wollte die Walddorferin aber näher an ihrem Zuhause arbeiten. Sie fand Räume in der alten Kinderkrippe im oberen Ortsteil von Eibau. "Das waren harte Zeiten", sagt sie rückblickend. "Es wusste ja damals keiner wie das eigentlich funktioniert: selbstständig sein." Sie meisterte es. 2008 eröffnete sie sogar noch eine Zweitpraxis in der Eibauer Bahnhofstraße. "Die erste Praxis platzte aus allen Nähten." Ihre Tochter Susan Pinkert übernahm die Leitung der zweiten Praxis in der Bahnhofstraße. Und ist nun selbst deren Chefin.

Einfach war es aber auch in den Folgejahren nicht. Erst im vorigen Jahr, erzählt Frau Pietsch, seien die Preise an die in den alten Bundesländern vollständig angepasst worden. So können Physiotherapeuten hier nun die gleichen Beträge abrechnen wie ihre Kollegen "drüben". Und auch Nachwuchsprobleme plagen die Branche, sagt Frau Pietsch. Ein Grund: Die Ausbildung findet nicht in einem Betrieb statt, sondern ausschließlich an Fachschulen. Das heißt: Die Lehrlinge bekommen keine Vergütung, obendrein ist meist Schulgeld zu bezahlen. Das mache den Beruf für junge Leute wenig attraktiv. 

Aber es ist ein sehr schöner Beruf, sagen beide Frauen voller Überzeugung. "Wenn man die Erfolge sieht und Menschen wieder auf die Beine helfen kann, das ist ein Teil des Lohnes." In ihrem Beruf begleiten sie nicht selten Menschen zum Beispiel nach Unfällen quasi von der Bettlägrigkeit bis sie wieder selbstständig laufen und sich bewegen können. 

Alte Praxis bleibt bestehen

Sabine Pietsch setzt sich auch nach der Praxisübergabe an ihre Tochter noch nicht zur Ruhe. Sie behält die Praxis am Ursprungsort in der ehemaligen Kinderkrippenvilla an der Eibauer Jahnstraße - die seit einiger Zeit auch einen neuen Namen hat und jetzt "Bergblick" heißt. Dort arbeitet die 62-Jährige selbst weiter. 

Ihre Tochter hat derweil weitere Pläne für ihre Praxis. Denn auch dort wird es inzwischen wieder zu eng. Susan Pinkert und ihre beiden Mitarbeiterinnen bräuchten für die Behandlung der Patienten mehr Platz, als sie in den angemieteten Räumen zur Verfügung haben. Außerdem hat die Praxis in dem Altbau in der Bahnhofstraße ein großes Manko: sie ist nicht barrierefrei.

Deshalb entschloss sich Susan Pinkert neben der Selbstständigkeit zu einem weiteren großen Schritt und wird eine neue Praxis in Eibau bauen. Sie entsteht an der Hauptstraße direkt neben der Bäckerei Bachmann. Das Gelände dürfte älteren Einwohnern noch als Gärtnerei Füssel bekannt sein. Für den Bau bekommt die junge Inhaberin Fördermittel von der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Sie unterstützt mit einem Förderprogramm kleine Unternehmen in den Landkreisen, die investieren wollen.

Die ersten Vorbereitungsarbeiten für das neue Gebäude haben schon begonnen. Bis Juli nächsten Jahres soll die Praxis stehen. Sie wird dann rund 200 Quadratmeter groß sein und sechs Behandlungsräume haben. Perspektivisch würde Susan Pinkert gern noch einen zusätzlichen Physiotherapeuten einstellen. Genug Patienten, die ihre Hilfe brauchen,  gibt es. 

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