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Pickern, staunen, raten

Kann man in Freital einen Schatz finden? „Na, klar“, behauptet Juliane Puls, Mitarbeiterin der Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk. Doch sie muss einschränken, denn aus Gold ist der Schatz nicht, der sich im Freitaler Museum heben lässt.

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Von Volkmar Fischerund Jan Bernhardt

Kann man in Freital einen Schatz finden? „Na, klar“, behauptet Juliane Puls, Mitarbeiterin der Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk. Doch sie muss einschränken, denn aus Gold ist der Schatz nicht, der sich im Freitaler Museum heben lässt.

Mit Kind und Kegel kann man dort in eine alte Tagesstrecke einfahren, wie ein richtiger Bergmann an einem Kohlenflöz herumpickern oder ein Bohrloch vertiefen. So bekommt man einen kleinen Einblick in die Arbeit der Steinkohlenbergleute, die einst im Plauenschen Grund das schwarze Gold aus der Tiefe holten.

Der 13-jährige Sven Leibiger aus Dresden hat es auch schon probiert, als er mit seiner Klasse hier war. Nun zieht es ihn immer wieder in die Sammlungen. „Mein Opa war bei der Wismut, und manchmal erzählt er aus dieser Zeit“, berichtet er. „Und wenn man das dann alles noch so hier sieht, kann man sich die Arbeit der Bergleute viel besser vorstellen.“

Er weiß natürlich, dass die Besucher nicht alles im Museum anfassen dürfen. Doch gleich im Foyer des Schlosses stehen zwei Schachtglocken von 1888. Mancher Besucher kann der Verlockung nicht widerstehen und versucht, sie mit einem Schubser etwas zum Klingen zu bringen. Wenn er das mit der nötigen Achtsamkeit tut, hat er kaum mit einem strafenden Blick des Personals zu rechnen.

„Manches soll sogar regelrecht ausprobiert werden“, sagt Mitarbeiter Jörg Schlägel und begibt sich zum Beweis dessen in die Schauanlage, die den Bergbau aus Wismut-Zeiten repräsentiert. Hier zeigt er, wie ein hydraulischer Stempel aufgepumpt wird. Und als Besucher darf man das dann auch mal versuchen. Es ist auch erlaubt, Grubenloks und alte Mannschaftswagen der Bergleute zu besteigen. Damit loszufahren ist leider nur in der Fantasie möglich.

Als wäre der Meister

zum Essen gegangen

Die Gerberzunft ist im Osterzgebirge längst ausgestorben, doch die Erinnerung daran ist im Lohgerber-, Stadt- und Kreismuseum Dippoldiswalde lebendig. Betritt man die einstige Lohgerberei, füllt sich die Nase mit dem Geruch von Gerbstoffen und Leder. Überall liegen noch Materialien und Werkzeuge wie griffbereit da. Es ist so, als wäre der Meister zum Essen gegangen und könnte jeden Moment wieder herein kommen.

Die ruhende Schauanlage aus dem 18. Jahrhundert ist einmalig in Europa und damit ein Schatz, den jeder für sich entdecken kann. Niemand hat dort etwas dagegen, Kuhhäute und Lederstücke auch einmal anzufassen.

In der Abteilung für Stadtgeschichte zeigen zwei Modelle, wie Dippoldiswalde einmal aussah - einmal vor der Zerstörung im 30-jährigen Krieg und dann um 1980. Die Unterschiede zu heute sind unübersehbar und so können sie die Besuchergenerationen gut miteinander ins Gespräch bringen.

Diskussionen gibt es auch immer wieder vor einem raumfüllenden mechanischen Bergwerksmodell, das der Glashütter Herbert Ranft zu DDR-Zeiten schuf. Und zwar so, wie er es gesehen hatte: mit rotem Stern, roten Fahnen und politischen Losungen. Mancher Besucher findet das nicht mehr zeitgemäß, doch andere sagen: Das war ein Stück unserer Geschichte und deshalb soll die Anlage so bleiben. Sehenswert sind auch die Exponate zur ländlichen Bauweise und Volkskunst.

Sprengung ohne

Knall und Dampf

„Für Besucher, die nur mit T-Shirt und Sandalen bekleidet sind, dürfte es etwas frisch werden“, verrät Christoph Schröder, Leiter des Altenberger Bergbaumuseums. Und er spricht von einer der Attraktionen, die das Museum bietet: Der „Befahrung“ des „Neubeschert-Glück-Stollens“ von 1802. Heute ist er ein Besucherbergwerk. Dort erfahren die mit einem Helm ausgerüsteten Besucher, wie sich die Bergleute früher im Berg vorarbeiteten: mit Schlägel und Eisen und später auch mit Bohrungen und Sprengungen. Letztere werden elektronisch simuliert: ohne Knall und Dampf.

Eine spezielle Altenberger Technik ist das Feuersetzen. Das Gestein wird durch die Hitze mürbe und lässt sich so leichter herausbrechen. Wie das Zinnerz vom Gestein schließlich getrennt und herausgewaschen wurde, ist in Pochwerk und Zinnwäsche zu erleben: von rötlichem Gestein bleibt schließlich ein schweres, schwarzes Pulver, das Zinnerz-Konzentrat. In Schmelzereien und Gießereien wurde dann das Zinn gelöst und für die verschiedensten Zwecke verarbeitet. Auch dazu gibt es im Museum viele Beispiele. Genauso wie zur Geologie des Osterzgebirges und bergmännischer Technik. Originalgetreu und europaweit einmalig ist dabei die alte Zinnwäsche.

550 Jahre Zinnerzbergbau werden im Museum lebendig. Bis 1952 waren Teile des heutigen Museums sogar noch Produktionsstätte. In den sächsischen Schulferien kennt das Museum keinen Schließtag.

Ein Baum, der

sprechen kann

Spätestens beim Rundgang durch die Ausstellung zur heimischen Flora und Fauna, zum Natur- und Landschaftsschutz beginnen Kinderaugen im Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein zu leuchten: Gern würden sie mal Bär, Wolf Fuchs oder die anderen zum Greifen nah in Dioramen ausgestellten Tiere streicheln. Bei einem Quiz sind die Stimmen der Tiere zu erraten.

Auch einen sprechenden Baum gibt es im Lauensteiner Schloss. Er hat von etwa 1750 bis 1995 im Wald gelebt. Drückt man auf Sensoren an seinen Jahresringen, dann erzählt der Baum, wie es um die jeweilige Zeit im Osterzgebirgswald aussah.

Erwachsene werden wohl eher die architektonischen und bildhauerischen Besonderheiten des Schlosses genießen, sich über die Geologie der Region oder historische Postmeilensäulen informieren, vielleicht auch über das Foto eines Jungen mit der ersten „Heidelbeerbemme“ nach mühevoller Pflückarbeit schmunzeln.

Spätestens im Ausstellungsteil zur Geschichte der noch heute verkehrenden Müglitztalbahn sind junge und ältere Besucher wieder gleichermaßen begeistert. Durch zwei Räume fährt eine originalgetreue Modellbahn auf dem Teilabschnitt zwischen Geising und Altenberg. George Bähr, der Erbauer der Dresdner Frauenkirche, zieht derzeit ins Schloss ein. Ist er doch fast Lauensteiner, da er 1666 im nahen Fürstenwalde das Licht der Welt erblickte und auch im heutigen Weißeritzkreis so manche Spur seines architektonischen Könnens hinterließ. Ab kommendem Sonnabend wird auch ein Teil der Lauensteiner Burganlage für die Besucher wieder zugänglich sein. Vor dem Schloss lässt sich der Lauensteiner Falknerbrunnen bestaunen. Er erinnert an die Sage, dass einst ein Adler ein Kind entführen wollte, der Schloss-Falkner dies aber verhinderte. Wenn auch Greifvögel im Osterzgebirge wieder besonderen Schutz genießen: Kindern muss nicht bange sein! Im Schloss gibt es ja wieder einen Falkner.

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