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Riesa

Pilgern in Corona-Zeiten

Der Mann vom Bodensee ist wahrscheinlich der erste Pilger auf der Via Regia in diesem Jahr. Die SZ traf ihn zufällig in Glaubitz.

Frank Siegmund aus Meersburg am Bodensee kam gegen Mittag durch Glaubitz. Sein Tagesziel ist Strehla.
Frank Siegmund aus Meersburg am Bodensee kam gegen Mittag durch Glaubitz. Sein Tagesziel ist Strehla. © Jörg Richter

Glaubitz. So früh im Jahr sind selten Pilger unterwegs. Frank Siegmund aus Meersburg am Bodensee dürfte der Erste in diesem Jahr auf der Via Regia sein. Das haben ihm zumindest mehrere Leute auf seiner bisherigen Wanderung bestätigt. Und das ausgerechnet in den Zeiten von Corona.

"Ich bin passionierter Fernwanderer und war auch schon auf dem Jacobsweg, dem Rheinsteig und dem Moselsteig", sagt der 55-jährige Betriebswirt. Die Wandertour auf der Via Regia von Görlitz nach Vacha habe er schon vor einem Jahr geplant.

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Am vergangenen Sonntag ist er in Sachsen angekommen, um am Montag ab Görlitz zu starten. Da machte er bereits seine ersten Erfahrungen mit den Geschehnissen rund um das Coronavirus. "Ich wollte nur mal nach Polen rein, aber die Brücke war schon gesperrt", erzählt er.

Auch sonst sei das Pilgern durch die vielen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sehr schwierig, gibt er zu. Vor allem bei der Frage, wo er als nächstes übernachten soll. Wie Frank Siegmund berichtet, hätten mehrere Pensionen an der Via Regia ihren Betrieb eingestellt. Die Herbergen sind noch offen. Auch die Hotels. "Aber man muss bis spätestens 18 Uhr da sein", sagt er. 

Hilfsbereite Sachsen

Die vergangene Nacht hat er im Großenhainer Kupferberg-Hotel verbracht. Sein nächstes Ziel ist ein Hotel in Strehla. In seinem Reiseführer hat er gelesen, dass er sich auf dem Elberadweg halten und dann in Lorenzkirch mit der Fähre nach Strehla übersetzen soll. Doch die hat ebenfalls ihren Betrieb eingestellt. 

Doch er trifft auf seiner Wanderung immer wieder Leute, mit denen er ins Gespräch kommt und die ihm wichtige Hinweise geben. Das hat sein Bild über die Sachsen verändert. "Es ist erstaunlich, wie hilfsbereit die Menschen sind", sagt er und ergänzt, "trotz Corona!"

Am Sonnabend macht er sich von Strehla auf in die Dahlener Heide. Er ist gespannt, welche Einschränkungen wegen des Virus noch kommen. Eigentlich hatte er vor, bis Ende nächster Woche Vacha zu erreichen. Siegmund: "Aber wenn es nicht mehr geht, breche ich ab und komme nächstes Jahr wieder."

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.