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"Wir nehmen die Kritik ernst"

Der Aeroclub Pirna feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Allerdings hat der Verein nicht nur Freunde in der Region.

Immanuel Weigel gehört zum Verein Aeroclub Pirna und ist leidenschaftlicher Segelflieger.
Immanuel Weigel gehört zum Verein Aeroclub Pirna und ist leidenschaftlicher Segelflieger. © Daniel Schäfer

Seit zehn Jahren besteht eine Kooperation zwischen dem Aeroclub Pirna e. V. und dem Beruflichen Schulzentrum "Otto Lilienthal" in Freital/Dippoldiswalde. Das soll in diesem September groß gefeiert werden. Die SZ sprach dazu mit Immanuel Weigel, dem 1. Vorsitzenden des Aeroclubs Pirna. Der Verein ist in der Umgebung jedoch nicht unumstritten. Es gibt immer wieder Klagen von Anwohnern, die sich wegen Lärmbelästigung durch den Motorsegler beschweren. Auch dazu nimmt Weigel Stellung. 

Herr Weigel, Sie schweben mit Ihrem Segelflugzeug 2.000 bis 3.000 Meter über dem Boden. Was fasziniert Sie so daran? Was ist das für ein Gefühl?

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Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Ganz ehrlich, es ist unbeschreiblich!

Versuchen Sie es trotzdem. 

Die Kunst des Segelfliegens besteht darin, eine möglichst weite Strecke zu fliegen. Das schaffen wir durch Thermik, aufsteigende Warmluft. Welches Gefühl  ich dabei empfinde? Ich verspüre beim Segelfliegen, Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. 

Und dazu der Blick aus der Vogelperspektive?

Richtig, der ist auch atemberaubend, obwohl sich das mit der Zeit relativiert. Der Streckensegelflug steht für uns Vereinsmitglieder im Vordergrund. Und da hatten wir in diesem Jahr ein großes  Highlight. Einem Fliegerfreund ist es gelungen, erstmals eine Strecke von über 1.000 Kilometer im Segelflug zu fliegen. Mein persönlicher Rekord  liegt bei rund 800 Kilometer. Die Tour führte von Pirna, mit einem Bogen über Magdeburg, bis in die tiefen Polens hinein, um dann wieder in Pirna zu landen. Dabei hatte ich eine Höhe von 2.500 Metern erreicht.

Segelfliegen ist kein ungefährlicher Sport ...

Deshalb steht die Sicherheit bei uns auch ganz oben.  Und das beginnt schon bei der Ausbildung. Da werden nicht nur das Fliegen und die Handgriffe gelernt, sondern auch Gefahren-Situationen simuliert. So kann sich der Schüler in schwierigen Situationen Routine erarbeiten, die er später abruft. Aber ich möchte dieses Thema einordnen: Seit über 20 Jahren sind wir unfallfrei geflogen. Okay, es gab kleinere Blessuren, die unter anderem beim Landeanflug aufgetreten sind, aber es waren keine schwerwiegenden Unfälle. 

Nicht alle in der Region können sich mit dem Flugplatz in Copitz und mit dem Flugbetrieb anfreunden. Es gibt immer wieder Klagen von Anwohnern, die sich über Lärmbelästigung beschweren. Das bezieht sich hauptsächlich auf die Motorflugzeuge, mit dem die Segelflugzeuge u.a. neben der Winde in die Luft gezogen werden. Wie reagieren Sie?

Uns ist diese Kritik durchaus bewusst und wir nehmen sie ernst. Wir haben auch schon gehandelt,  indem wir nach Absprache mit der Deutschen Flugsicherung das An- und Abflugregime geändert haben. Das Ziel war, die Routen zu verändern, sodass die Lärmbelästigung mehr verteilt werden kann, was die Situation auch erheblich entspannte. Zusätzlich haben wir uns selber Motorflugpausen auferlegt. An Wochenenden und an Feiertagen  finden vor 9 Uhr und in der Zeit von 12.30 bis 14.30 Uhr keine Motorflugplatzrunden statt. Flugzeuge, die von außen in dieser Zeit reinkommen, dürfen allerdings auf dem Flugplatz landen. Da haben wir keine Handhabe. Erleichtert nehmen wir zur Kenntnis, dass in dem vergangenen Jahr keine Beschwerden an uns wegen Lärmbelästigung herangetragen worden sind. Ein anderes Problem, auf das wir keinen Einfluss haben, ist der Motorflugverkehr nach und von Dresden. Die Flugzeuge müssen sich in circa 500 Meter Höhe über Tolkewitz zum Einflug über den Luftraum über Dresden anmelden, sodass sie über Pirna, Graupa beziehungsweise Pratzschwitz reinfliegen. Fälschlicherweise wird dieser Flugverkehr mit unserem Flugbetrieb in Verbindung gebracht. 

Themawechsel. In diesem Jahr feiert der Aeroclub Pirna seine zehnjährige Kooperation mit dem Berufsschulzentrum "Otto Lilienthal" in Freital ...

Richtig. Abiturienten können die sogenannte Flugklasse belegen und  werden nicht nur auf das Abitur vorbereitet, sondern erwerben in dieser Klasse ihre Segelfluglizenz. Meines Wissens ist das etwas Einmaliges in Deutschland. Die Schüler werden in der Theorie in der Schule ausgebildet, und die Praxis absolvieren sie auf dem Flugplatz Copitz. Bisher haben auf diese Weise circa 300 Abiturienten das Segelfliegen erlernt.

Und wie werden Sie dieses runde Jubiläum feiern?

Mit einem Tag der offenen Tür auf dem Flugplatz in Copitz. Er findet am 13. September von 11 bis 18 Uhr statt. Wir rechnen mit bis zu 500 Gästen. Wer möchte, darf gegen einen kleinen Obolus mitfliegen. Außerdem zeigen wir die Vereinsgebäude und bieten Vorträge an. Für Speisen und Getränke sorgen wir natürlich auch.

Welche Pläne oder Projekte hat der Aeroclub Pirna noch?

Der Verein sieht sich als Bindeglied zwischen den älteren und den jüngeren Segelfliegern in der Region. Und die Nachwuchsarbeit liegt uns auch am Herzen. Obwohl wir da relativ gut aufgestellt sind. Derzeit zählt der Verein rund 200 Mitglieder. Viele gehören zur jüngeren Generation, was auch an der Zusammenarbeit mit dem Freitaler Berufsschulzentrum liegt. 

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