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"Die Nähe fehlt vielen Kranken"

Die Grünen Damen dürfen nur mit Maske und Abstand die Patienten im Pirnaer Klinikum betreuen. Trotzdem sind sie für die Menschen da und helfen.

Monika Schlegelmilch gehört zu den Grünen Damen in der Helios-Klinik Pirna. Sie spricht mit einer Patientin.
Monika Schlegelmilch gehört zu den Grünen Damen in der Helios-Klinik Pirna. Sie spricht mit einer Patientin. © Karl-Ludwig Oberthuer

Zehn Grüne Damen und ein Grüner Herr betreuen, sofern gewünscht, die Patienten im Helios-Klinikum Pirna. Sie sind geschulte Laien, die ehrenamtlich und mit viel Liebe und Empathie die Wünsche von Patienten  erfüllen. Ihr Anliegen ist es, für das Wohlbefinden dieser Menschen zu sorgen.  Sie hören genau hin und nehmen sich Zeit für die Kranken. Doch in Corona-Zeiten unterliegt auch die Arbeit der Grünen Damen bestimmten Hygieneregeln. Während des Besuchsverbots durften die Ehrenamtlichen überhaupt keinen Dienst machen. Darüber, und warum die Patienten dennoch gut versorgt waren,  sprach Sächsische.de mit Monika Schlegelmilch. Sie ist die Klinikseelsorgerin und Leiterin der Grünen Damen im Pirnaer Krankenhaus. 

Frau Schlegelmilch, wie funktioniert die Arbeit der Grünen Damen in Corona-Zeiten? Unter welchen Bedingungen arbeiten die Ehrenamtlichen?

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Seit dem 13. Juli dürfen wir wieder im Klinikum arbeiten und die Patienten besuchen. Es gelten in der Tat strenge Auflagen. Wir dürfen nur mit einem Mund-Nasen-Schutz das Klinikum betreten. Entweder stehen wir oder sitzen mit einem Abstand von mindestens  1,5 Metern am Bett des jeweiligen Patienten. Regelmäßige Händedesinfektion ist obligatorisch. Wer Erkältungssymptome zeigt, muss zu Hause bleiben. Außerdem sind die Grünen Damen angewiesen, eine Kontaktliste der von ihnen besuchten Patienten zu führen, damit im Ernstfall die Infektionsketten verfolgt werden können. Körperliche Tätigkeiten am Patienten sind derzeit untersagt.

Was sind das für Tätigkeiten? 

Manchmal werden wir gebeten, die Haare eines Patienten zu kämmen oder ein Getränk zu reichen. Das geht derzeit nicht. Wenn wir bei Telefonaten unterstützen, müssen wir anschließend die Hände und das Telefon desinfizieren. 

Das heißt im Umkehrschluss, das Hand halten, jemanden zu streicheln oder ihn in den Arm zu nehmen, ist ebenfalls derzeit untersagt. Was macht das mit den Patienten?  

Sie haben recht. Die Nähe fehlt vielen Kranken. Das merken wir deutlich. Die körperliche Berührung ist auch für uns wichtig. Wir denken, das trägt zum Heilungsprozess bei. Auch ist es schwierig, mit Masken unsere Mimik zu deuten. Es kommt auch manchmal zu Verständigungsschwierigkeiten. Wir müssen versuchen, langsamer und deutlicher zu sprechen.  Patienten, die selber noch geschwächt sind, können ebenfalls nicht so laut sprechen. Der notwendige Mindestabstand erschwert die Situation noch einmal. Neulich wachte ein Patient aus dem Tiefschlaf auf und um ihn herum waren nur Menschen mit Masken. Er war im ersten Moment ohne Orientierung und fragte, was denn überhaupt los sei.

Haben die Patienten Verständnis für die Maßnahmen? 

Generell schon. Sie sind ja in einer Umgebung, in der es relativ normal ist, wenn Schutzmasken getragen werden. Und man darf nicht vergessen: Die Menschen sind hier, weil sie gesund werden wollen. Deshalb werden die Corona-Schutz-Maßnahmen auch akzeptiert.  

Von Mitte März bis Mitte Juli, zu Corona-Hochzeiten, durften die Grünen Damen nicht ihren Dienst leisten. Wer hat diese Arbeit während der Zwangspause kompensiert? 

Als Klinikseelsorgerin bin ich immer da gewesen, wenn ein Patient mich gebraucht hat. Ich habe zahlreiche Gespräche geführt. Ich hatte Telefonbereitschaft und konnte im Notfall jederzeit gerufen werden. Aber auch die Grünen Damen waren unglücklich, dass sie in der Zeit des Besuchsverbots nicht zu den Patienten durften. Es hat ihnen gefehlt, weil sie wussten, dass sie gebraucht werden. Die Zwangspause war zermürbend für die Ehrenamtlichen. Sie wollen Menschen helfen,  aber durften es in dieser Zeit zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutz der Patienten nicht. Viele riefen bei mir an und fragten, wann es denn wieder losginge. Sie sind froh, dass sie jetzt wieder bei den Menschen sein können. 

Mit dem Neubau des Pirnaer Klinikums auf dem Sonnenstein im Jahr 2007 hat sich die Gruppe der Grünen Damen gegründet. Derzeit sind zehn Damen und ein Herr aus Pirna und Umgebung mit dabei. Brauchen Sie weitere Unterstützer? 

Diese Frage kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Wir heißen neue Interessenten  in unserer Gruppe sehr herzlich willkommen. Gerne auch jüngere Menschen und Männer. 

Und welche Qualifikationen sollten die Freiwilligen mitbringen?

Sie sollten mental stark und sehr sensibel sein. Außerdem müssen Sie gut zuhören und für sich selbst die Verantwortung übernehmen können. Eine Grüne Dame hat jetzt aufgehört. Sie sagte mir, dass sie alles mit nach Hause nehme und nicht mehr könne. Das habe ich verstanden. Jeder muss seine eigene Grenze ziehen. Empathie ist für den Dienst der Grünen Damen auch wichtig, soweit das möglich ist. Ich sage den Grünen Damen immer, dass wir Patienten begleiten können. Was in dem Betroffenen aber vorgeht, welche Ängste und Nöte er hat, das wissen wir oftmals nicht. 

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