merken
PLUS

Pirna reißt die Straßen auf

In der Altstadt wird das Pflaster gewechselt. Warum tut man das und wann ist welche Gasse dran?

Von Christian Eissner

In Pirna erinnert kaum noch etwas an die Juni-Flut vom vergangenen Jahr, schon gar nicht auf dem Straßenpflaster der Altstadt. Trotzdem möchte das Rathaus jetzt viel Hochwasser-Geld in die Hand nehmen, um die Gassen zu sanieren. Die SZ erklärt die Hintergründe.

Anzeige
Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Warum wird so umfangreich gebaut und wer bezahlt das?

Die Stadt Pirna, städtische Unternehmen, Stiftungen und Vereine haben vom Freistaat Sachsen insgesamt 126 Vorhaben zur Hochwasserschadensbeseitigung genehmigt bekommen. Alles, was die Stadt in diesem Zusammenhang anpackt, wird zu 100 Prozent aus Fördermitteln bezahlt, Pirna rechnet mit rund 41 Millionen Euro Zuschuss. Anders als nach dem Hochwasser 2002 wird dabei nicht nur die Herstellung des Vor-Flut-Zustands finanziert, sondern diesmal eine „nachhaltige Sanierung“. Das heißt, die Stadt soll so bauen, dass bei einem erneuten Hochwasser an derselben Stelle nicht wieder ein teurer Schaden entsteht. Neben dem Straßenbau werden auch Grünflächen wie der Friedenspark erneuert, auch für städtische Gebäude wie das Rathaus oder die Goethe-Oberschule fließt Flutgeld. Vor allem an den Gebäuden ist die Schadensbeseitigung teilweise schon abgeschlossen, jetzt sind Straßen und Brücken dran.

Warum wird intaktes Straßenpflaster herausgerissen?

Die Altstadt-Gassen, von denen viele in den 1990er-Jahren erneuert wurden, sehen nach der Flut nicht wirklich schlecht aus. An einigen Stellen, wie auf der Dohnaischen Straße, hat das Wasser Pflastersteine herausgespült. Viel mehr offensichtliche Schäden sind aber nicht zu sehen. Dieser Eindruck täusche, sagt Pirnas Bauamtsleiter Uwe Schädlich. Er erklärt Pirnas Pflaster: Die Steine sind auf eine Tragschicht aus Schotter und Splitt gesetzt, in die Fugen ist Sand eingebracht. Bei Hochwasser spült es nicht nur die Fugen aus, sondern auch der Unterbau leidet, es bilden sich pfützen-anfällige Senken, Steine verkanten, es entstehen Stolperfallen. Statt das Pflaster nun nur auszubessern, will Pirna es nach einem anderen System verlegen lassen: mit Beton-Unterbau und vermörtelten Fugen. Diese sogenannte gebundene Bauweise soll einem Hochwasser besser standhalten. Weiterer Vorteil: Es entsteht eine ebenere, leichter begehbare Straßenfläche. Noch aber fehlt die Bewilligung der Fördermittel.

Wie sieht der Terminplan aus

und wie verbindlich ist er?

Weil nicht in allen Gassen gleichzeitig gebaut werden kann, hat die Stadt gemeinsam mit dem Dresdner Planungsbüro Teamproject einen Terminplan für die kommenden beiden Jahre erstellt. Es steht bereits jetzt fest, wann die einzelnen Baustellen geplant, beauftragt und ausgeführt werden. Eine Übersicht, wann die Bagger rollen, gibt die Karte oben. Allerdings können sich die jeweiligen Zeitfenster noch ändern, sagt Projektsteuerer Andreas Tigges, da viele Faktoren hineinspielen: Klappen Ausschreibung und Genehmigung wie gewünscht? Haben die Baufirmen genug Kapazität? Schließlich: Wie wird das Wetter? Über Verschiebungen will die Stadt jeweils aktuell informieren. Für dieses Jahr geplant sind unter anderem Fleischergasse, Holdergasse, Töpfergasse und Kirchgasse sowie der untere Abschnitt der Dohnaischen von der Bahn-Unterführung bis zur Langen Straße.

Was passiert auf der

Dohnaischen Straße?

Während in den meisten Gassen lediglich das Pflaster erneuert wird und die Fußwege ausgebessert werden, graben die Bauleute in der Dohnaischen Straße tiefer. Hier möchten die Stadtwerke voraussichtlich auch einen alten Abwasserkanal auswechseln, woraus sich die lange Bauzeit erklärt. Gearbeitet werden soll laut Planung in drei Bauabschnitten, wobei die Haupt-Bauzeiten zwischen März und Oktober 2015 sowie April und Oktober 2016 liegen.

Hilft man den Innenstadt-Händlern während der Bauphase?

Pirnas Händler sehen den Baustellenmarathon mit großer Sorge. Viele haben sehr unter der Flut vom Juni 2013 gelitten, konnten erst Monate später ihre Geschäfte wieder eröffnen. Ihr größter Wunsch: wieder ganz normal für die Kunden da sein zu können. Olaf Franke, der mit dem Pirnaer Stadtmarketing beauftragt ist, möchte gemeinsam mit dem Verein Citymanagement und den Händlern eine Strategie entwickeln, wie man mit den Baustellen vor der Haustür umgeht. „Erste Ideen gibt es schon“, sagt Franke. So sollen große Banner an den Gassen zeigen, dass die Läden trotz der Bauarbeiten offen sind. „Vielleicht können wir auch eine Pflaster-Infobox aufstellen.“ Das Wichtigste sei, dass die Stadt die Erreichbarkeit aller Läden und Gaststätten während der Bauarbeiten garantiere, so Franke. „Die Stadt funktioniert nach dem Hochwasser wieder. Wir müssen sicherstellen, dass das auch so bleibt.“

Wo können sich Betroffene informieren?

Gemeinsam mit dem Projektsteuerer Teamproject will das Rathaus die städtische Internetseite regelmäßig mit den neuesten Informationen zum Planungs- und Baustand füttern. Unter der Internetadresse geoportal.pirna.de findet man eine interaktive Karte mit den Hochwasser-Baustellen, indem man dort auf „Themen/Hochwassersanierung“ klickt. Zu jeder Baustelle kann man sich Informationen anzeigen lassen. Alles Wichtige zu den Baustellen gibt es regelmäßig natürlich auch in der SZ.