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Starkes Urteil gegen sexuellen Missbrauch

Für seine ungeheuerlichen Taten erwarten einen Mann aus Pirna nicht nur lange Haftstrafen. Das Gericht ordnete auch Sicherungsverwahrung an.

Der Pirnaer soll auch seine damals erst vierjährige Stieftochter schwer missbraucht haben. Vor Gericht gab er an, sich nicht erinnern zu können.
Der Pirnaer soll auch seine damals erst vierjährige Stieftochter schwer missbraucht haben. Vor Gericht gab er an, sich nicht erinnern zu können. © Yvonne Popp

Er mache seine Arbeit schon sehr lange, sagte der Vorsitzende Richter der Großen Jugendkammer am Mittwoch am Landgericht in Dresden. Doch selten habe er es mit einem solch schlimmen Fall zu tun gehabt. Einerseits, so erklärte Andreas Ziegel, sei da die hohe Intensität der Taten, andererseits das geringe Alter des einen Opfers und der dramatische Gesundheitszustand des zweiten. Und so galt es für das Gericht neben der Strafhöhe und einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt die Frage zu erörtern, ob man die Bevölkerung auch darüber hinaus vor dem Angeklagten schützen muss.

Dass dieser gefährlich ist, hatte er seit frühester Jugend gezeigt. Aus einem von Gewalt und Missbrauch geprägten Elternhaus stammend, war er früh straffällig geworden. Doch schon damals waren seine Taten keine Bagatellen. 2007 kamen heftige Gewalttaten hinzu. So misshandelte er den achtjährigen Jungen seiner damaligen Lebensgefährtin körperlich schwer, kurz darauf auch deren erst 15 Monate alten Sohn, den er biss, gegen den Kopf trat und gegen Möbel schleuderte. Wie bei allen anderen Taten zuvor, war Sebastian T. auch bei diesen betrunken.

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Die lange Haftstrafe, die daraufhin folgte, ließ den 37-jährigen Deutschen offenbar unbeeindruckt. Schon kurz nach der Entlassung aus dem Strafvollzug missbrauchte er die vierjährige Tochter seiner neuen Lebensgefährtin und späteren Ehefrau. Diese hatte von den Übergriffen auf ihr Kind nicht nur gewusst, sie hatte Sebastian T. ihr Kind in der gemeinsamen Pirnaer Wohnung sogar noch zugeführt. Einen weiteren Vorfall soll es ein Jahr später während des Familienurlaubs auf Usedom gegeben haben. Auch da hatte die Mutter vom Nebenzimmer aus mitbekommen, was Sebastian T. ihrem Kind antat. Eingeschritten war sie aber nicht. Erst als ihre Familie massiv Druck auf sie ausübte, hatte die Frau Sebastian T. angezeigt.

Gefängnis, Entzugsanstalt, Sicherungsverwahrung

Zwischenzeitlich wegen anderer Sachen in Haft, vergewaltigte T. im November 2019 über Stunden hinweg ein 17-jähriges Mädchen – die Tochter seiner aktuellen Lebensgefährtin. Besonders perfide: Die junge Frau war zu diesem Zeitpunkt lebensbedrohlich an einem Hirntumor erkrankt und auf einen Rollstuhl angewiesen.

Während des mehrtägigen Prozesses am Dresdner Landgericht kamen auch Gutachter zu Wort. Sie attestierten dem Angeklagten neben einer Alkoholsucht auch eine schwere Persönlichkeitsstörung und damit eine erhebliche Gefährlichkeit.

Das alles floss in das Urteil mit ein, für das sich die große Jugendkammer eine halbe Woche Beratungszeit eingeräumt hatte. So wurde T. wegen der Vergewaltigung und des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern im Falle der Vierjährigen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Für die schwere Vergewaltigung der jungen Frau bekam er zusätzlich neun Jahre. 

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Darüber hinaus ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entzugsanstalt und Sicherungsverwahrung an. Damit bejahte auch die Große Jugendkammer die Gefährlichkeit des Angeklagten. „Uns geht es aber nicht darum, ihn lebenslang wegzusperren, sondern darum, die Bevölkerung vor ihm zu schützen“, betonte Richter Andreas Ziegel abschließend. 

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