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Pirna sucht Geld für Wagner

Das Jagdschloss und die Ausstattung im Graupaer Schloss werden teurer. Über Gründe und Folgen ist eine heftige Debatte entbrannt.

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Von Alexander Müller

Die Wagner-Stätten werden fast eine halbe Million Euro teurer, als ursprünglich vorgesehen. Daran lässt sich nun nicht mehr rütteln, auch wenn es viele gibt, die diese Kostenerhöhung in ihrem Umfang nicht ganz nachvollziehen können. So stößt zum Beispiel auf Unverständnis, dass für einen schnöden Stuhl fast 400 Euro ausgegeben werden. Da davon über 100 Stück nachbestellt werden, sind das gleich einmal um die 40 000 Euro. Auch dass es überhaupt nötig geworden ist, mehr Stühle zu beschaffen, leuchtet nicht jedem ein. Die Wagner-Stätten waren anfangs schlicht falsch konzipiert worden, gibt selbst das Rathaus zu. Verantwortliche kann oder will die Stadt hier aber nicht benennen.

Christian Flörke Baubürgermeister von Pirna
Christian Flörke Baubürgermeister von Pirna
Wenn das der Meister wüsste: Die Sanierung des Jagdschlosses zur Richard-Wagner-Stätte in Graupa, in dessen Garten die Büste des Komponisten steht, wird nun teurer als geplant. Foto: dpa
Wenn das der Meister wüsste: Die Sanierung des Jagdschlosses zur Richard-Wagner-Stätte in Graupa, in dessen Garten die Büste des Komponisten steht, wird nun teurer als geplant. Foto: dpa

Entsprechend schlecht gelaunt sind viele Stadträte, wenn sie zu den Wagner-Stätten Stellung nehmen. Entscheiden über die Kostenerhöhung können sie vorerst nicht, diese wurde ihnen aktuell erst einmal nur mitgeteilt. Und auch das nur, nachdem die CDU/FDP-Fraktion das ausdrücklich verlangt hatte. Einfach so hinnehmen wollten die städtischen Abgeordneten diese Verteuerung dann aber auch wieder nicht. Im jüngsten Bauausschuss entwickelte sich deshalb eine heftige Debatte darüber.

„Ich empfinde diese Vorgehensweise als sehr unfair“, erklärte zum Beispiel Peter Tränkner, Chef der Fraktion der Pirnaer Bürgerinitiativen. „Die Stadträte wurden wieder einmal einfach vor die Tatsachen gestellt.“ Ähnlich sieht es Claus-Dieter Hampel von den Linken. „Ich bin sehr traurig, wenn ich das sehe“, sagte er. „Uns wurden immer scheibchenweise neue Ideen vorgestellt, das geht einfach nicht an.“ Auch die CDU/FDP-Fraktion ist unzufrieden. „Die Art und Weise, wie hier hantiert wurde, ist problematisch“, erläuterte Frank Ludwig. „Man hätte von Anfang an 15 bis 20 Prozent Mehrkosten einplanen müssen, die Preissteigerungen waren doch schon vorher bekannt.“ Unterstützung erhielt Frank Ludwig von seinem Fraktionsvorsitzenden Ralf Thiele, der extra an der Sitzung teilnahm, obwohl er kein Mitglied des Bauausschusses ist. Das Thema Wagner bewege die Fraktion sehr. „Die Stadt hat sich hier auf einen Blindflug begeben“, erklärte Ralf Thiele. „Der Stadtrat wurde in die Irre geführt.“

Die Stadträte verlangen nun vom Pirnaer Rathaus, dass es sehr bald Vorschläge erarbeitet, wie die Mehrkosten bezahlt werden können oder wo vielleicht an anderer Stelle gespart werden könne. Die Verwaltung kann bisher noch nicht sagen, woher sie das zusätzliche Geld nehmen will. Möglich ist aber nach Aussage von Pirnas Baubürgermeister Christian Flörke, auf die Stellplätze oder auf die Remise am Jagdschloss zu verzichten. Bis die Kosten und deren Untersetzung geklärt seien, würden für diese Projekte keine Aufträge erteilt. Insgesamt verteidigte Christian Flörke aber die Wagner-Stätten und deren Kosten. „Ich sehe hier überhaupt kein Konfliktpotenzial, wir schaffen in Graupa doch was ganz Tolles.“ Mit den jetzt geschafften zusätzlichen Kapazitäten seien auch höhere Einnahmen möglich.

Dass das wirklich gelingt, wird von vielen aber ebenfalls bezweifelt. „Ich hoffe, dass die Abwasser- oder die Eintrittspreise in der Stadt nicht noch weiter erhöht werden, um die Kultur- und Tourismusgesellschaft zu stützen“, erklärte CDU/FDP-Fraktionschef Ralf Thiele. Die wirtschaftet seit jeher defizitär.