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Pirnaern geht’s nach der Flut schlechter

Wissenschaftler befragten Anwohner. Trotz mieser Aussichten sind die Pirnaer gelassen.

© Daniel Förster

Von Alexander Müller

Als es Anfang vergangener Woche stark und ausgiebig regnete, waren sie wieder da, die Ängste. Es ist gerade einmal ein Jahr her, als Pirna zum dritten Mal in Folge – nach 2002 und 2006 – von einem verheerenden Unwetter heimgesucht wurde. Solche Erfahrungen prägen die Menschen. Das belegt eine großangelegte wissenschaftliche Befragung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Leipzig. Bei der Befragung wurde auch klar, dass es Unterschiede beim Hochwasserschutz, aber auch im Empfinden der Bürger gibt. Und die Unterschiede werden größer.

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Pirna steht – so die Studie – gleich mehrfach schlechter da als andere Orte. Während in Eilenburg die Schadenssumme 2013 unter fünf Prozent der Schäden von 2002 gesunken sei, betrug sie in Pirna immer noch über die Hälfte des Hochwasserschadens von 2002.

„Wir beobachten einen zunehmend ungleichen Schutz“, erklärt Sozialgeograf Dr. Christian Kuhlicke. „Diese Unterschiede werden sich weiter verstärken, da nicht alle gleich gut geschützt werden können.“ Die Gründe dafür seien vielfältig. Kommunen wie Pirna seien wegen ihrer geografischen Lage nur schwer zu schützen. Perspektivisch bedeute das, dass kleinere Kommunen langfristig weniger geschützt sein werden als größere.

In Pirna wird auch die Situation nach dem jüngsten Hochwasser pessimistisch gesehen. So ist laut der Studie der Anteil der Haushalte, denen es schlechter geht als vor der Flut 2013, höher als in anderen Kommunen, und der Anteil, dem es seitdem bessergeht, ist geringer. Fast einem Drittel der Haushalte geht es nach eigenem Empfinden schlechter oder sogar deutlich schlechter als vor 2013. Trotzdem gehen die Pirnaer offenbar gelassener als andere mit den Auswirkungen um. So werden hier lediglich die Schäden am Haus bzw. der Fakt, die Wohnung verlassen zu müssen, als gravierender wahrgenommen als anderswo.

Der Verlust von Wertgegenständen und seelische bzw. körperliche Auswirkungen werden in Pirna hingegen nicht so stark bewertet. Das mag daran liegen, dass der Anteil der Haushalte in Pirna, die seit 2002 drei Fluten und ihre Folgen erlebt haben, deutlich höher ist als in den anderen Städten. Bei 40 Prozent der befragten Haushalte in Pirna ist das der Fall, während es in den anderen Städten nur fünf Prozent sind. Eine direkte Auswirkung dieser Erfahrungen könnte eine weitere Besonderheit von Pirna sein: Wie die Leipziger Wissenschaftler herausfanden, ist der Anteil der Haushalte, die in den vergangenen Jahren private Vorsorgemaßnahmen ergriffen haben, in Pirna höher als anderswo.

Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie knapp 1 000 Haushalte in sächsischen Städten und Gemeinden an Elbe, Mulde, Neiße und kleineren Gewässern in der Oberlausitz befragt, die seit 2002 mehrmals von Hochwasser betroffen waren. Ziel der Studie war es, die Auswirkungen der Fluten der letzten Jahre auf die Bevölkerung und deren Umgang damit zu untersuchen. Neben Pirna wurden zum Beispiel auch Zwickau und Eilenburg an der Mulde mit einbezogen.

Die ausführliche Auswertung der Befragung können Sie im Internet nachlesen unter der Internetseite des UFZ. Eine grafische Übersicht zu den Besonderheiten Pirnas finden Sie auf unserer Facebook-Seite. Hier können Sie auch mitdiskutieren.

www.szlink.de/flutstudie

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