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Pirnas Autobahnzubringer hat ein Loch

Wo bislang der Verkehr von und zur A 17 rollte, klafft jetzt eine riesige Lücke - weil die Brücke für die künftige Südumfahrung gebaut wird.

Hier war einmal der Autobahnzubringer: An dieser Stelle entsteht die Unterführung für die Südumfahrung am Knotenpunkt Feistenberg.
Hier war einmal der Autobahnzubringer: An dieser Stelle entsteht die Unterführung für die Südumfahrung am Knotenpunkt Feistenberg. © Thomas Möckel

Wer bisher von Pirna aus in Richtung Autobahn 17 fuhr, durchquerte zunächst einen kurzen Tunnel und zog dann in einer großzügigen Rechtskurve am Feistenberg bergauf, links und rechts säumten steile Böschungen die Trasse. Mit Tempo 100 schnurrte der Verkehr hindernisfrei über die Strecke. 

Inzwischen aber ist die Straße gen Autobahn, auch in der Gegenrichtung, nicht mehr durchgängig, mitten in der lang gezogenen Kurve fehlen auf einer Länge von vielleicht 60, 70 Metern alle vier Fahrspuren. 

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Stattdessen klafft an dieser Stelle eine großes Loch, in dem ein Kran steht. Mit den großen aufgeschütteten Halden ringsum wirkt die Grube beinahe wie ein Tagebau im Miniformat, in dem dennoch Mensch und Maschine ziemlich klein aussehen. Allerdings wird das Loch nicht ewig bleiben, es ist eine Lücke auf Zeit, die voraussichtlich im nächsten Jahr wieder verschwindet. 

Großer Eingriff am Knotenpunkt Feistenberg

Die Lücke im Autobahnzubringer ist zugleich ein Vorbote und ein bautechnischer Kniff für ein anderes großes Vorhaben, das derzeit an dieser Stelle entsteht: die Pirnaer Südumfahrung, jene 3,8 Kilometer lange Strecke vom Autobahnzubringer hinüber zum Sonnenstein, die die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und - bau GmbH (Deges) seit 2017 bauen lässt. 

Wo Südumfahrung und Autobahnzubringer aufeinander treffen, entsteht der Knotenpunkt "Feistenberg", komplett kreuzungsfrei, der Verkehr fädelt sich später über mehrere Auf- und Abfahrtsrampen auf den jeweiligen Trassen ein und aus. 

Damit dieser Verkehrsfluss gelingt, ist allerdings ein größerer Eingriff nötig, denn ein Teil der Südumfahrung verläuft unter dem Autobahnzubringer hindurch. Kraftfahrer, die von der Südumfahrung kommen und weiter in Richtung Autobahn wollen, fahren künftig unter dem Autobahnzubringer hindurch und nördlich davon auf die Trasse auf. Ebenso fahren all jene, die auf dem Autobahnzubringer von Pirna kommen und auf die Südumfahrung wollen, nördlich des Autobahnzubringers ab, und dann unter diesem hindurch auf die Südumfahrung.

Frühere Variante war zu aufwendig


Für den Bau der notwendigen Unterführung war zunächst vorgesehen, einen Fahrstreifen des Autobahnzubringers zeitweise verschwinden zu lassen und die Brücke zur Hälfte zu errichten. Danach wäre die andere Seite dran gewesen.

Doch dieses Verfahren erschien als zu aufwendig und zu umständlich. Zudem hätten sich die Kraftfahrer an eine wechselnde Verkehrsführung gewöhnen müssen, weil der Verkehr mal über den einen, mal über den anderen Fahrstreifen des Autobahnzubringers hätte rollen müssen. 

Brücke entsteht in einem Zug

Nun also verschwindet ein komplettes Teilstück des Autobahnzubringers auf Zeit. "Das hat den Vorteil, dass wir die Unterführung in einem Zug bauen können", sagt Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung. 

In der Grube lässt sich der Baufortschritt schon erkennen, auf dem Boden zeichnen sich zwei große Rechtecke ab, aus denen Bewehrungseisen ragen. Darauf werden später die Widerlager errichtet, obendrauf kommt eine Betondecke, darüber dann wieder der Autobahnzubringer. 

Tiefe Bohrpfähle, um die Widerlager zusätzlich zu verankern und zu stabilisieren, sind an dieser Stelle nicht nötig. Laut Gawlas ist der Boden hier auch ohne Hilfen ausreichend tragfähig. 

Doppelter Vorteil dank Nordumfahrung

Der Verkehr rollt derweil über die sogenannte Nordumfahrung, die Bauleute haben sie so getauft, weil nördlich des Autobahnzubringers verläuft. Sie führt in einem großen Bogen um die Brückenbaustelle herum. Dort gibt es allerdings nur jeweils eine Spur je Fahrtrichtung. 

Aus Sicht der Bauleute hat die Nordschleife gleich zwei Vorteile: Kraftfahrer müssen sich während des Baus der Unterführung nur an eine Umleitung gewöhnen. Zudem verläuft die Interimsstrecke größtenteils schon auf demselben Niveau und in demselben Radius wie die spätere Auf- und Abfahrtsrampe der Südumfahrung zum Autobahnzubringer. Der Verkehr wird voraussichtlich bis Mitte 2022 über die Nordumfahrung fließen.

Eine Unterführung für die Landwirte

Unterdessen formen die Handwerker auch die weitere Südumfahrungs-Trasse vom Feistenberg hinunter ins Seidewitztal. Der Fledermaustunnel, eine Stahlröhre mit einem Querschnitt von fünf mal sieben Meter, ist bereits im Boden eingegraben. 

Nicht weit davon entfernt, in Höhe des Lindigt-Gutes, errichten die Bauleute derzeit eine Unterführung, durch die später ein Wirtschaftsweg führen wird, damit die Landwirte weiterhin auf gewohntem Weg ihre Felder erreichen können. Die Unterführung wird wie jene am Autobahnzubringer aus Betonteilen gebaut, über die später die Ortsumgehung führt. 

Ist die Passage für den Wirtschaftsweg fertig, planieren die Fachleute  die endgültige Südumfahrungs-Trasse bis zum Feistenberg hinauf, einschließlich der Anschlüsse für den Autobahnzubringer. Sind sowohl die Trasse geschoben als auch die Brücke am Autobahnzubringer fertig, folgt dann der eigentliche Straßenbau mit finaler Asphaltschicht - laut Gawlas aus einem Guss vom Feistenberg bis hinter die Brücke über die Zehistaer Straße. Das passiert voraussichtlich 2022.

Tunnelbau soll im August starten

Im Seidewitztal sind die Brücken über die Seidewitz und über die Zehistaer Straße nebst dazugehörigem Kreisverkehr schon lange fertig, auch der Damm zwischen den Brücken ist fertig aufgeschüttet. Die späteren Auf- und Abfahrtsrampen sind bereits planiert und lassen sich mittlerweile gut erkennen. 

In Richtung Kohlberg muss der weitere Straßenbau dann aber noch eine Weile warten, weil zunächst der 300 Meter lange Tunnel - voraussichtlich ab August - durch den Berg gegraben werden muss. Wegen des mürben Gesteins werden sich die Arbeiten am Tunnel weit über zwei Jahre hinziehen. Die komplette Südumfahrung soll 2023 fertig sein. 

Bürgersprechstunde erst wieder im August

Derweil stockt es an anderer Stelle. Üblicherweise findet an jedem letzten Mittwoch eines Monats eine Bürgersprechstunde im Deges-Baubüro an der Zehistaer Straße statt. Die Runde am 24. Juni fällt allerdings aus, weil wegen der noch immer geltenden Corona-Auflagen noch nicht so viele Menschen auf einmal im Büro zusammenkommen dürfen. Auch das Treffen am 29. Juli ist abgesagt, weil die Deges wegen der Ferienzeit nicht mit vielen Teilnehmern rechnet. Der Termin am 26. August ist jedoch gebongt. "Wir hoffen sehr, dass wir dann alles überstanden haben und uns wieder normal treffen können", sagt Gawlas. 

Damit die Zeit bis dahin nicht gänzlich informationslos verstreicht, will der Bauoberleiter in Kürze einen weiteren, zusätzlichen Flyer zum Bauprojekt verteilen lassen, in dem der aktuelle Baustand der Südumfahrung beschrieben ist. 

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