SZ +
Merken

Pirnas Krachbrücke hat ausgedient

Die Bahn demontierte die Brücke über die Dohnaische Straße. Es ist der Beginn einer weiteren Bauphasean der Elbtalstrecke.

Teilen
Folgen

Von Christian Eissner

Schöner hätte es sich auch ein Drehbuchschreiber nicht ausdenken können: Genau zur „blauen Stunde“, perfekt inszeniert für die Fotografen, hebt ein großer Autokran die alte Bahnbrücke an der Dohnaischen Straße von ihren Widerlagern. Er wuchtet sie über die zur Seite geschwenkten Fahrdrähte der Oberleitung und legt sie auf dem Elbeparkplatz ab. Das wars. 52Jahre lang hat die Stahlkonstruktion ihren Dienst getan, jetzt wartet der Schneidbrenner, um sie in containergerechte Stücke zu zerlegen.

Die Bewohner der Pirnaer Altstadt und auch die Copitzer auf der anderen Elbseite werden der Brücke keine Träne nachweinen. Sie war laut. Nachdem das Gottleuba-Hochwasser 1957 den ursprünglichen Brückenüberbau zum Einsturz gebracht hatte, wählten die Ingenieure zwei Jahre später eine besonders flache Konstruktion. Sie verzichteten auf eine dämmende Schotterschicht und legten die Gleise direkt in einen Stahltrog. Nun passten zwar auch Busse und Lkws unter der Brücke hindurch, aber bei jeder Zugüberfahrt krachte es ohrenbetäubend. Bei den Pirnaern hatte sie als „Krachbrücke“ schnell ihren Namen weg.

Dass die Deutsche Bahn die Krachbrücke nun ersetzt, geschieht nicht in erster Linie aus Liebe zu den Pirnaern. Entscheidend ist vielmehr, dass die Brücke ihre besten Zeiten hinter sich hatte. Weil die Konstruktion altersschwach war, musste die Überfahrtsgeschwindigkeit bereits von 100 auf 70 Stundenkilometer gedrosselt werden, erläutert Kati Freudenberg, die zuständige Projektingenieurin für die Brückensanierung. „Aus Sicherheitsgründen hätten wir mit der Geschwindigkeit jetzt noch weiter heruntergehen müssen.“

Da jede Langsamfahrstelle die Taktzeiten der Züge verlängert und auf der stark befahrenen internationalen Elbtalstrecke mit großem Aufwand die Fahrpläne hätten geändert werden müssen, entschied sich die Bahn, den Brücken-Überbau abzureißen und zunächst durch eine Hilfskonstruktion zu ersetzen, angeliefert aus dem zentralen Hilfsbrückenlager der Bahn in Konz bei Trier.

Heute Nachmittag wird die aus zwei Teilen bestehende Stahl-Hilfsbrücke eingesetzt. Sie sei voraussichtlich nicht wesentlich leiser als die bisherige Konstruktion, denn auch sie muss ohne Gleisschotter auskommen, erklärt Kati Freudenberg. Ab 31.Dezember, 8Uhr, sollen die Züge wieder rollen.

2013 wird’s leiser

Die Anwohner im Pirnaer Elbtal können also drei Tage Bahn-Ruhe genießen – bevor es Silvester wieder richtig los geht. Wie Bahnsprecherin Änne Kliem mitteilt, wird der grenzüberschreitende Güterverkehr momentan umgeleitet, vor allem über Bad Brambach oder Furth im Wald. Einzelne Güterzüge können aber auch in Dresden oder Pirna auf die Freigabe der Strecke warten.

Das Einsetzen der Hilfsbrücke in Pirna läutet ein ausgefülltes Bahn-Arbeitsjahr im Elbtal ein. Die Bahn will 2012 die Strecke technisch weiter verbessern und sicherer machen. Vorgesehen ist unter anderem der Einbau zweier Weichentrapeze, die den Zügen das Wechseln der Gleise ermöglichen. Eins wird in Obervogelgesang installiert, das andere in Höhe Königstein-Strand. Diese Weichen sind Voraussetzung für den weiteren Brückenbau in Pirna. Denn erst Ende 2012 beginnt der eigentliche Neubau der Brücke über die Dohnaische Straße, der in zwei Phasen geplant ist und voraussichtlich ein Jahr dauern wird. Um diese dauerhafte Brücke einzufügen, muss die Bahn die Strecke längere Zeit halbseitig sperren. Dank des Weichentrapezes in Obervogelgesang kann der eingleisig befahrbare Abschnitt während der Bauzeit kurz gehalten werden.

Mit der neuen Brücke sollte die Bahn in Pirna dann auch ein gutes Stück leiser werden. Es wird zwar ebenfalls wieder eine Stahlkonstruktion, allerdings eine mit dämmendem Schotterbett, erläutert Projektingenieurin Kati Freudenberg.

Um diese Dämmung zu erreichen, bedarf es eines stärkeren Brücken-Überbaus, der wiederum die Durchfahrtshöhe für Autos um 20Zentimeter verringert – von bisher 3,90 auf 3,70 Meter.

Bis 31. Dezember, 8 Uhr, ist die Bahnstrecke zwischen Pirna und Obervogelgesang vollständig gesperrt. S-Bahnen und Fernzüge im oberen Elbtal werden durch Busse ersetzt. Bitte die Aushänge an den Bahnhöfen beachten.

www.bahn.de/bauarbeiten