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Pirnas langer Weg zur Kulturstätte

Der Stadtrat hat jetzt beschlossen, ein Kultur- und Tagungszentrum zu konzipieren. Aber Ort, Zeitpunkt und Größe sind nach wie vor ungewiss.

Pirnas OB Klaus-Peter Hanke 2016 im Saal vom Weißen Roß: Die Vision vom Kulturzentrum hat sich bislang nicht erfüllt.
Pirnas OB Klaus-Peter Hanke 2016 im Saal vom Weißen Roß: Die Vision vom Kulturzentrum hat sich bislang nicht erfüllt. © Thomas Möckel

An kulturellen Einrichtungen mangelt es in Pirna generell nicht. Es gibt die Kleinkunstbühne "Q 24", das Tom-Pauls-Theater, bedingt tauglich für größere Veranstaltungen auch die Herderhalle in Copitz. 

Gleichwohl leidet Pirna in dieser Hinsicht an einem grundsätzlichen Problem: Seit Jahren fehlt ein zentrales Kulturhaus, was sich aber viele Einwohner wünschen. Zwar gab es immer wieder Anläufe, dieses oder jenes Objekt als Kulturstätte zu etablieren, konkret ist daraus bislang aber nichts geworden. 

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Erst in den zurückliegenden Jahren nahm das Projekt Kulturzentrum wieder Fahrt auf, zwar zäh, aber es geht voran. Nun liegt ein erstes konkretes Zwischenergebnis vor: Der Stadtrat hat sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, in Pirna ein neues Kulturzentrum zu entwickeln. Sächsische.de fasst den aktuellen Stand zusammen. 

Was hat der Stadtrat konkret beschlossen?

Die Abgeordneten haben mehrheitlich dafür votiert, ein Kultur- und Tagungszentrum zu konzipieren - auch unter dem Aspekt, möglicherweise private Investoren mit einzubeziehen. Bei der Konzeption sollen vor allem folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Raum/Funktionsprogramm
  • multimediale Entwicklung
  • Ökologie, Energie und moderne Architektur
  • städtebauliche Einordnung
  • die Dimensionen des Hauses
  • Ausrichtung
  • Nutzungs- und Betriebskonzept
  • Organisation
  • Zukunftsfähigkeit

Diesen Grundsatzbeschluss hatte das Rathaus angeregt, vorausgesetzt allerdings, dass der Bau und der Betrieb einer Kulturstätte finanzierbar sind. Laut der Stadt gelte es dabei nun, die nächsten Schritte im Zusammenhang mit der möglichen Entwicklung einer derartigen Veranstaltungsstätte zielgerichtet und mit Blick auf die erforderlichen Konzeptions-, Planungs- und Realisierungzeiträume als auch auf Nutzung und Kosten vorzubereiten. Die Konzeption soll in einer Vorplanung münden.

Wie teuer wäre eine neue Kulturstätte?

Für die anstehende Vorplanung hat das Rathaus die Kosten für ein mögliches Kulturzentrum bereits vorab grob geschätzt. Dabei geht Pirna von einem Objekt mit 1.000 Sitzplätzen aus. Dafür bräuchte es eine Geschossfläche von 4.000 Quadratmeter. Je nachdem, wie das Gebäude ausgestattet wird, würden die Kosten nach Aussage der Stadt zwischen zehn und 15 Millionen Euro liegen - wobei das erforderliche Grundstück bereits vorhanden sein sollte. Ein Kaufpreis für ein Grundstück ist in diesen Summen noch nicht enthalten.

Wann könnte das Kulturhaus gebaut werden?

Der Zeitplan ist noch sehr vage, konkrete Termine gibt es noch nicht. Möglicherweise wird sich das Vorhaben noch über Jahre hinziehen, es ist letztendlich auch abhängig davon, ob es für derartige Projekte Fördermittel gibt. 

Fest steht bisher: finanzielle Mittel für die Konzeption sollen schon im nächsten Doppel-Etat für 2021/22 berücksichtigt werden - alle weiteren Ausgaben  hingegen erst bei der Planung kommender Doppelhaushalte.

Warum gibt es überhaupt Pläne für ein Kulturhaus?

Weil generell eine solche Kulturstätte fehlt. Früher gab es in Pirna das Kreiskulturhaus "Tannensäle" an der Bergstraße. Nach der Wende stand das Gebäude lange leer. Mehrere Besitzer versuchten sich vergeblich daran, den Charme alter Zeiten wieder aufleben zu lassen. Inzwischen besteht diese Möglichkeit auch nicht mehr, die Tanne ist längst saniert und beherbergt heute Wohnungen und Gewerberäume. 

Zwischendurch gab es auch Pläne, in der ehemaligen Fensterfabrik Hengst an der Maxim-Gorki-Straße ein Kulturzentrum einzurichten, doch auch diese Pläne schlugen fehl. Mittlerweile hat ein Investor das Firmengebäude zu Wohnungen umgebaut, eine Kulturstätte in diesem Ensemble hatte er schon im Vorfeld abgelehnt.

Im Oberbürgermeister-Wahlkampf präsentierte Pirnas Rathauschef seine Vision, das Traditionslokal "Weißes Roß" an der B 172 als zentrale Kulturstätte auszubauen. Vehement vorangetrieben hat er dieses Projekt allerdings nicht. 

Zwar öffnete sich im Herbst 2017 ein kurzes Zeitfenster, in dem Pirna hätte zusätzliche Zuschüsse für das Städtebau-Fördergebiet "Königsteiner Straße/Clara-Zetkin-Straße" beantragen können, in dem auch das Weiße Roß liegt. Doch der Stadtrat lehnte ab, das Projekt war ihm damals noch zu unausgegoren. Seither liegt es auf Eis. 

Immerhin gibt es noch die Herderhalle, die aber nur bedingt als Veranstaltungsstätte taugt. Aus Lärmschutzgründen dürfen dort seit geraumer Zeit keine großen Feten mehr stattfinden, zudem versprüht das Gebäude stets den Charme einer Turnhalle.

Wünschen sich die Pirnaer ein Kulturhaus?

Nach der Absage ans Weiße Roß hatte der Stadtrat 2017 zunächst eine Machbarkeitsstudie gefordert, die grundlegende Fakten und Voraussetzungen für eine künftige Kulturstätte zusammentragen und analysieren sollte. Dieses Vorhaben nahm Pirna im Herbst 2018 in Angriff. Mithilfe der Hochschule Zittau/Görlitz ließ Pirna erforschen, welche Kulturangebote generell sich die Pirnaer wünschen. Um ein konkretes Objekt ging es dabei noch nicht.

Das Ergebnis der 25.000 Euro teuren Studie: Alle Altersgruppen beklagen, dass in Pirna ein Kulturzentrum fehlt. Die Wünsche hingegen sind je nach Altersgruppe verschieden: Die Altersgruppe ab 50 Jahre bis hin zu den Senioren wünscht sich vordringlich einen Tanzsaal sowie einen Konzertsaal. Jugendliche wünschen sich indes eher eine Diskothek, dafür votierten vor allem Schüler.

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