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Pirnas Schülern schmeckt’s nicht

Viel Schulessen landet im Müll. Ein Vorschlag, um das zu ändern: höhere Preise.

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© dpa

Von Alexander Müller

Was gab es denn heute zu essen? Das ist eine häufig gestellte Standardfrage von Eltern an ihre schulpflichtigen Kinder. Die Antworten darauf sind wie wohl die Schulspeisung manchmal auch, mit Vorsicht zu genießen. Offenbar landen jedenfalls große Speisemengen un- oder nur wenig angetastet im Müll.

Dieses Problem hat nun auch die lokale Politik auf den Plan gerufen. Ralf Wätzig, Chef der SPD/Grünen-Fraktion im Stadtrat, hat in der Sitzung des Gremiums am Dienstag einen entsprechenden Antrag eingebracht und will über die Schwierigkeiten des Schulessens diskutieren. „Unser Ziel ist es, in den Schulen der Stadt Pirna dauerhaft eine gute und gesunde Essensversorgung sicherzustellen“, sagt Ralf Wätzig. Dieser Grundsatz solle auch so verbindlich festgeschrieben werden.

Nun ist dieser Wunsch das eine. Doch wie sollen die Schulen bzw. das Rathaus als Träger der Einrichtungen diesen umsetzen? Die Schulspeisung wird regelmäßig ausgeschrieben. Momentan gibt es drei, zum Teil auch überregional agierende, Anbieter, die Pirnas Schulen versorgen. Alle seien gewählt worden, weil sie die geforderte Qualität zu einem günstigen Preis bieten, sagt die Stadt. Genau dieser günstige Preis aber sei der Knackpunkt, der nach Ansicht von SPD/Grünen-Fraktionschef Ralf Wätzig eine größere Auswahl und eine dadurch mögliche bessere Qualität verhindert. Seine Fraktion möchte die Stadtverwaltung deshalb beauftragen, das derzeit gültige Modell der Essenhöchstpreise in Pirnas Schulen zu überarbeiten und anzupassen. Gegebenenfalls könne das Rathaus auch alternative Modelle zur Diskussion und Beschlussfassung stellen.

Wegschmeißen keine Alternative

In Pirna gibt es Festlegungen zu Essenhöchstpreisen. Zuletzt wurden diese im August 1992 sowie im März 2009 angepasst. Seit dem Schuljahr 2009/ 2010 gelten als Essenhöchstpreise für Grundschüler 2,00 Euro und für Oberschüler/Gymnasiasten 2,45 Euro. „Diese Obergrenzen stellen bei einem beabsichtigten Essenanbieterwechsel zunehmend eine unüberbrückbare Hürde dar“, erläutert Ralf Wätzig. „Selbst wenn Schulleitung, Elternvertretung und Schulkonferenz einen Wechsel befürworten, scheitert dies an der seit 2009 geltenden Essenspreishöchstgrenze.“ Aus Sicht seiner Fraktion beschreibe eine ihm bekannte Elternsprecherin die Situation sehr treffend: „Es ist doch nicht Sinn der Sache für ein Essen ,nur‘ zwei Euro zu bezahlen, wenn die Kinder einen fast vollen Teller wegschütten.“ Das zu ändern sei momentan nach Aussage von Ralf Wätzig nur möglich, wenn die Essenpreishöchstgrenze angepasst, sprich angehoben wird. Der SPD-Mann befürwortet zwar eine kostenfreie Schülerversorgung. „Diese scheint aber derzeit weder politisch noch finanziell durchsetzbar“, resümiert er. „Dennoch muss es Ziel sein, möglichst vielen Schülerinnen und Schülern eine Teilnahme an der Schulspeisung zu ermöglichen.“ Seine Fraktion möchte das Pirnaer Rathaus daher zusätzlich auch damit beauftragen, Möglichkeiten der Unterstützung bedürftiger Familien aufzuzeigen und auszurechnen, was das für die Stadtkasse bedeuten würde.

Man sei sich durchaus bewusst, so Ralf Wätzig, dass es einigen Familien schwerfalle, stetig steigende Preise zu kompensieren. „Höhere Essenspreise dürfen nicht dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler von der Essensversorgung ausgeschlossen werden.“

Bei der Gauß-Oberschule kennt man diese Probleme auch. Auch wenn man selbst keinen Einfluss auf die Schulspeisung hat, so achtet man aber trotzdem auf den verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln und Geld. „Wenn uns auffällt, dass ein Schüler sein Essen immer wegwirft, informieren wir die Eltern“, berichtet Schulleiter Norbert Fernitz. Denn auch „nur“ 2,45 weggeschmissene Euro sind sinnlos verpulvertes Geld.